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Ja, danke, gleichfalls.
Ja, danke, gleichfalls.(Foto: picture alliance / dpa)

"Cicero-Karten zum halben Preis": Peinlich, peinlicher, Niels Ruf

Von Sabine Oelmann

"Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's gänzlich ungeniert"- wer das in Niels Rufs Poesiealbum geschrieben hat, sollte sich jetzt schämen. Der konnte aber nun wirklich auch nicht ahnen, dass der kleine Niels den Spruch so dermaßen ernst nimmt.

Unsensibel. Pietätlos. Dämlich. Kindisch auf allerschlimmste Art und Weise, und das Wort kindisch ist viel zu freundlich, denn es enthält das Wort "Kind" und einem Kind bringt man ja bei, sich nicht so dämlich, unsensibel oder pietätlos zu verhalten. Was ist also passiert mit dem Kind Niels mit "ie" wie "iiiiieh", dass es auf seinem Weg zu einem Erwachsenen, auf dem Weg zu einem wertvollen Mitglied unserer Gemeinschaft, so ein Mensch geworden ist?

Man kann Roger Cicero sympathisch oder unsympathisch gefunden haben, seine Musik gemocht oder nicht gemocht haben, im besten Fall ist einer dem anderen dann eben auch mal egal und man lässt sich in Ruhe. Außerdem: Über Tote sagt man nichts Schlechtes, außer es handelt sich um Hitler, Stalin oder ähnliche Kaliber. Auch Werte und Traditionen helfen ab und zu weiter in Situationen, die nicht zu begreifen sind, so wie die Situation, dass ein 45-jähriger Sänger mir nichts, dir nichts verstirbt und Trauer und ratloses Entsetzen hinterlässt. Man kann sich schon mal wünschen, dass jemand tot ist, dann aber bitte leise. Ohne es zu posten. Es gibt so viele Menschen, die besser tot wären, weil sie anderen Menschen einfach nicht gut tun.

Geschmacklosigkeit ist out

Man kann betrunkenen und bekifften Leuten verzeihen, etwas im Suff oder auf Droge gesagt zu haben, aber MAN SCHREIBT ES NICHT AUF. Höchstens als Buch, und dann als Lebensbeichte und therapeutisches Element. Die meisten Leute wissen einfach, was sich gehört. Und man darf natürlich auf jeden Fall über die Stränge schlagen. Ironie und schwarzer Humor, sogar Zynismus, haben durchaus ihren Platz in der Gesellschaft, in den Medien, auf Twitter und Facebook. Geschmacklosigkeit aber hat nirgendwo Platz. Und daher wäre es nur allzu konsequent, wenn man Niels Ruf einfach keine ''Plattform" mehr bietet. Selbst der Slogan "Auch schlechte Werbung ist gute Werbung", oder "Auch schlechte PR sorgt für Aufmerksamkeit" hat sich irgendwann versendet, verspielt, verstoffwechselt, bei so viel Unmenschlichkeit, wie sie Niels Ruf provoziert.   

Zum Glück tanzt der ja nun nicht mehr bei "Let's Dance" mit und man kann die Sendung wieder schauen mit diesem leisen Hauch von Peinlichkeit, die sie haben darf, um zu funktionieren, aber ohne die Befürchtung, dass ein ungelenker Klotz Sendezeit verbrät und die Lebenszeit seiner Tanzpartnerin verschwendet. Aber mal ganz abgesehen davon: Wie kann man denn so einen Mist posten? Über einen Menschen, der viel zu jung gestorben ist, der niemandem etwas getan hat, der ein Kind hat, Freunde, Familie, der einfach nur gesungen hat und das sehr gerne. Und in vieler Leute Augen auch sehr gut. Über Roger Cicero haben wir gestern bereits berichtet, daher sei die Frage nochmal erlaubt: Was ist mit Niels Ruf passiert auf seinem Lebensweg, dass er sich so, sagen wir mal, ungünstig entwickelt hat?

Dieser äußerst geschmacklose Tweet von Niels Ruf  - "2 Roger Cicero-Tickets zum halben Preis abzugeben" jedenfalls hat nun eine große Bestürzung ausgelöst - im Netz überschlägt man sich mit Gegenposts. Nur einer sei exemplarisch genannt, denn der hatte in den letzten Wochen eh schon was mit dem Ruf am Laufen: Atze Schröder. Der schrieb jetzt auf Facebook: "Darf ich wenigstens hier ARSCHLOCH sagen? Bin traurig."

Nur um der journalistischen Vollständigkeit gerecht zu werden: Ruf hat reagiert auf den Shitstorm, der über ihn hineingebrochen ist, er twitterte erneut: "Der Tod sollte nicht als weiterer Grund für ein Lachverbot herhalten müssen - Roger Cicero hätte das ganz sicher am wenigsten gewollt." Eine Entschuldigung sieht anders aus. Und das Thema "Lachen und Tod" ist sicher nicht grundverkehrt, auf jeder Beerdigung wird gelacht, wenn man sich an die guten Zeiten und die lustigen Seiten des Toten in freundlicher Weise erinnert - mit Auslachen hat das allerdings wenig zu tun. Da verwechselt der Herr Ruf Äpfel mit Birnen. Was ihn nicht nur zu einem nicht witzigen, sondern auch noch einem törichten Artgenossen macht.

Quelle: n-tv.de

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