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Nur eine kleine Randnotiz im Zweiten Weltkrieg?: "Red Tails": Farbige in einer weißen Armee

Von Thomas Badtke

"Schwarze sind geistig unterlegen, von Natur aus unterwürfig und Feiglinge im Angesicht jeder Gefahr. Sie sind deshalb für den Kampfeinsatz ungeeignet." Das ist das Ergebnis einer Studie des War College der US Army 1925. Eine rein mit Afroamerikanern besetzte US-Fliegerstaffel kämpft 1944 in Italien gegen diese Vorurteile an - mit unterlegenen Maschinen, viel Mut und jeder Menge Action.

Die "Tuskegees" kämpfen gegen Vorurteile und für ihr Recht, für ihr Land kämpfen zu dürfen.
Die "Tuskegees" kämpfen gegen Vorurteile und für ihr Recht, für ihr Land kämpfen zu dürfen.(Foto: Capelight)

"Die Verwendung von Negern im Air Corps der Army könnte wieder eingestellt werden. Es wurde ein Bericht bekannt, in dem die Leistungen der negriden Piloten als unbefriedigend gelten. Den Negern Konvoi-Eskorten zuzuweisen, könnte der einzig verbliebene Ausweg sein, da sie weder die Intelligenz noch die Reflexe für die komplexen Aufgaben eines Kampfpiloten zu haben scheinen. Das große Tuskegee-Experiment, der negriden Rasse zu erlauben, Flugzeuge zu fliegen, ist gescheitert."

Die "Red Tails" kämpfen im Zweiten Weltkrieg an zwei Fronten.
Die "Red Tails" kämpfen im Zweiten Weltkrieg an zwei Fronten.(Foto: Capelight)

Was eine US-Zeitung da 1944 schreibt, ruft keinen Aufschrei der Entrüstung hervor, denn in der US-Armee wie auch im ganzen Land herrscht noch Rassentrennung. Das 332. Jagdgeschwader besteht deshalb komplett aus Afroamerikanern. Die schwarzen Piloten Marty "Easy" Julian (Nate Parker, "Arbitrage") und Joe “Lightning” Little (David Oyelowo; "Jack Reacher", "Lincoln") spüren das tagtäglich.

Sie sind US-Soldaten. Sie sind in Italien stationiert. Und ihrer Meinung nach haben sie auch als Afroamerikaner "das Recht, für unser Land zu kämpfen". Volle Unterstützung erhalten sie von Major Emmanuel Stance (Cuba Gooding Jr; "Men Of Honor"). Er versucht mit allen Mitteln, die Piloten bei Laune zu halten. Denn nicht nur, dass sie mit veralteten und schrottreifen P-40 fliegen müssen; wenn sie fliegen dürfen, laufen ihre Einsätze meist darauf hinaus, Lkw-Konvois anzugreifen oder vielleicht mit viel Glück mal einen Munitionszug in die Luft zu jagen. Gegnerische deutsche Flieger kennen sie nur aus den Wochenschauen.

Konvoi für eine Bomberstaffel: Davon träumen die "Red Tails".
Konvoi für eine Bomberstaffel: Davon träumen die "Red Tails".(Foto: Capelight)

Aber genau das ist das Kalkül der Armeeführung: Sie will die sogenannten Tuskegee-Piloten, benannt nach dem Tuskegee Institute in der gleichnamigen Stadt in Alabama, an der während des Zweiten Weltkriegs schwarze Kampfpiloten ausgebildet werden, am liebsten aus den Streitkräften verbannen. Besser gestern als heute. Und wenn die Piloten keine Abschüsse liefern, stattdessen immer wieder durch zerstörte Maschinen auffallen, sollte das auch gelingen.  Colonel A.J. Bullard  (Terrence Howard; "Iron Man", "L.A. Crash") ist sich da ganz sicher und versucht als vorderste Speerspitze der Tuskegees, das um jeden Preis zu verhindern.

Und so kann Stance seinen Piloten eines Tages doch noch einen brauchbaren richtigen Kampfeinsatz präsentieren: Luftunterstützung bei einer Landung alliierter Truppen. Aber damit nicht genug: Kurz darauf winkt die erste Bomber-Patrouille für "Easy", "Lightning" und Co. Endlich Auge in Auge mit dem Feind. Der Krieg kann beginnen - mit neuen modernen Maschinen und krachend rot lackierten Flugzeugenden: Die "Red Tails" sind geboren.

Lehrreiche Geschichtsstunde mit jeder Menge Luftkampf-Action

Rasant: "Red Tails" im Kampfeinsatz
Rasant: "Red Tails" im Kampfeinsatz(Foto: Capelight)

Anthony Hemingway führte Regie bei dem von Lucas Film produzierten Hochglanz-Blockbuster. Für Hemingway war es sein erstes großes eigenes Kino-Regieprojekt. Davor arbeitete er vor allem für das Fernsehen und unzählige Serien wie "Fringe", "The Closer" und "The Wire" sowie als Regie-Assistent etwa bei "Ali" und "Der Manchurian-Kandidat". Den Spaß, den Hemingway an seinem ersten Blockbuster-Projekt hatte - der Film kostete rund 60 Millionen Dollar -, ist dem Streifen anzusehen. Obwohl im Zweiten Weltkrieg spielend und mit dem Thema Rassentrennung auch noch gleich zwei ernste Themen behandelnd, bietet "Red Tails" Unterhaltung pur. Popcorn-Kino á la Hollywood at it's best.

"Red Tails" ist auf DVD und Blu-ray bei Capelight erschienen.
"Red Tails" ist auf DVD und Blu-ray bei Capelight erschienen.(Foto: Capelight)

Das liegt zwar auch an dem gestandenen Cast, zu dem etwa Oscar-Preisträger Gooding jr. gehört. In den Vordergrund rücken aber schnell die atemberaubenden Luftkampfszenen. Da merkt der Zuschauer sofort, der Name Lucas Film prangt nicht umsonst auf der DVD- und Blu-ray-Verpackung. So manche Szene aus "Red Tails" hätte auch die Herzen der "Star Wars"-Fans höher schlagen lassen können, vor allem in den drei "Episoden"-Filmen der Sternenkrieger-Saga.

Ein wenig zu perfekt

Das ist aber auch der Makel des Films: "Red Tails" wirkt ein wenig unrealistisch, weil zu perfekt, zu durchgestylt. Wenn die Piloten ihre Manöver fliegen, schießen, und ihre Maschinen fauchend davonrasen, kauft der zugegebenermaßen von unzähligen TV-Serien und Filmen vorbelastete Zuschauer die ganze Action nicht ab. So schnell kann doch ein Luftduell im Zweiten Weltkrieg gar nicht gewesen sein, technisch unmöglich, denkt man da. Die zum Teil zum Einsatz gekommenen Computer müssen Schwerstarbeit geleistet haben. Flugsimulatoren-Fans der alten Schule kommen daher voll auf ihre Kosten.

Dennoch überwiegt das Positive: Das Thema ist neu. Der Sound bombastisch ("Red Tails" ist einer der derzeit noch wenigen Filme für 11.1-Soundsysteme). Die Schauspielernamen können sich sehen lassen und das Ensemble ist bis in die Nebenrollen gut besetzt (so taucht auch der Musiker Method Man auf). Und auch die um das Thema Rassentrennung herumgewobene Story mit ihren Randgeschichten (so verliebt sich "Lightning" während eines Überfluges über ein Haus in die bildhübsche Italienerin Sofia - Daniela Ruah; die "Gigi" aus der "Springfield Story" - und macht ihr danach den Hof, samt Heiratsantrag) kann überzeugen.

Die Red Tails haben gegen alle Widerstände eine der besten Statistiken aller Jagdgeschwader im Zweiten Weltkrieg. Es wurde Zeit, dass ihre Geschichte auf die Leinwand gebracht wurde!

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Quelle: n-tv.de

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