Politik
Ein zweistrahliges Jagdflugzeug, das zeitweise auch für die die Bundeswehr flog: Die Mig-29, bei der Nato bekannt als "Fulcrum".
Ein zweistrahliges Jagdflugzeug, das zeitweise auch für die die Bundeswehr flog: Die Mig-29, bei der Nato bekannt als "Fulcrum".(Foto: REUTERS)

Rüstungsdeal mit Moskau: Ägypten greift nach russischen Waffen

Kairo rückt rüstungstechnisch näher an Moskau heran. Medienberichten zufolge will das ägyptische Militär Waffensysteme im Umfang von mehreren Milliarden Dollar in Russland bestellen. Für die USA wäre das politisch und wirtschaftlich ein herber Rückschlag.

Der neue starke Mann Ägyptens? Militärchef Abdel Fattah al-Sisi kandidiert für das Präsidentenamt (Archivbild).
Der neue starke Mann Ägyptens? Militärchef Abdel Fattah al-Sisi kandidiert für das Präsidentenamt (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Es ist ein Geschäft von weltpolitischer Tragweite: Ägypten wird Russland Zeitungsberichten zufolge Kampfflugzeuge, Luftabwehrsysteme und weitere Waffen für insgesamt 3 Milliarden US-Dollar (2,2 Milliarden Euro) abkaufen. Eine entsprechende Rüstungsvereinbarung sei bereits geschlossen worden, berichtete die Wirtschaftszeitung "Wedemosti" unter Berufung auf Vertreter der Regierung in Moskau und der russischen Rüstungsindustrie.

Die Verträge seien "paraphiert oder unterzeichnet", hieß es wörtlich. Eine offizielle Bestätigung lag dazu allerdings zunächst nicht vor. Erst am Vortag hatten beide Seiden erklärt, die militärische Zusammenarbeit werde "beschleunigt".

Die Berichte zu dem anstehenden Rüstungsgeschäft nennen aufschlussreiche Details. Wie es bei "Wedemosti" weiter heißt, will Kairo Kampfflugzeuge vom Typ Mig-29, Kampfhubschrauber vom Typ Mi-35, Luftabwehrsysteme und weitere Waffen aus russischen Beständen übernehmen. Das Geschäft werde mit Unterstützung von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten finanziert. In Washington dürften Beobachter die Entwicklung mit Sorge zur Kenntnis nehmen. Kairo zählte bis vor kurzem noch zu den wichtigsten Verbündeten der USA in der arabischen Welt.

Weltpolitik im östlichen Mittelmeer

Eine fliegende, gepanzerte Waffenplattform: Der Mi-35M, hier auf der Moskauer Rüstungsmesse MAKS, ist die modernisierte Weiterentwicklung der Mi-24 "Hind" (Archivbild).
Eine fliegende, gepanzerte Waffenplattform: Der Mi-35M, hier auf der Moskauer Rüstungsmesse MAKS, ist die modernisierte Weiterentwicklung der Mi-24 "Hind" (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Erst am Vortag hatte Russlands Präsident Wladimir Putin den ägyptischen Armeechef Abdel Fattah al-Sisi in Moskau empfangen. Al-Sisi fungiert derzeit gleichzeitig als Verteidigungsminister und als Vize-Regierungschef. Innerhalb des mächtigen Armee-Apparats Ägyptens gilt er als überaus einflussreich. Obwohl Al-Sisi seine Kandidatur noch nicht offiziell verkündet hat, gilt er als Favorit bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen.

Eine entsprechende Äußerung Putins zu Al-Sisis Engagement in der künftigen Staatsführung Ägyptens rief in den USA umgehend scharfe Reaktionen hervor: Dies sei nicht Sache Russlands, sagte die Sprecherin im Außenamt in Washington, Marie Harf. "Ganz ehrlich, es ist nicht die Angelegenheit der USA oder Putins, zu entscheiden, wer Ägypten regieren soll", sagte sie. Dies sei Sache des ägyptischen Volkes.

Beschleunigte Zusammenarbeit

"Ich weiß, dass Sie sich entschieden haben, für das Amt des ägyptischen Präsidenten zu kandidieren", hatte Putin am Rande des Treffens mit Al-Sisi erklärt. "Es ist eine sehr bedeutende Aufgabe, die Verantwortung für das Schicksal des ägyptischen Volkes zu übernehmen." Der Kremlchef habe dem Feldmarschall Erfolg gewünscht, berichteten russische Medien.

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Nach dem Treffen veröffentlichte der Kreml zudem eine gemeinsame Erklärung. Darin gaben Putins und Al-Sisi bekannt, sie wollten die "militärische und militärtechnische Zusammenarbeit beschleunigen".

Die neue Allianz zwischen Moskau und Kairo wäre von historischer Tragweite und dürfte die außenpolitischen Beziehungen Ägyptens auf Jahre hinaus bestimmen. Bis in die 1970er Jahre hinein war die Sowjetunion Hauptlieferant des ägyptischen Militärs.

Kampferfahrung auf dem Sinai

Erst mit dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 - in dem sich sowjetische Waffentechnik gegenüber westlichen Waffensystemen auf israelischer Seite als größtenteils unterlegen erwiesen hatte - wurde der Einfluss Moskaus in Ägypten von einer Neuorientierung in Richtung USA in den Hintergrund gedrängt. Als Wendepunkt gilt das Friedensabkommen zwischen Ägypten und Israel von 1979, ab dem die USA die Sowjetunion in der Position als wichtigsten Verbündeten Kairos ablösten.

Diese geopolitische Ausrichtung Ägyptens hatte bis in die jüngste Vergangenheit Bestand. Erst nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Juli 2013 setzten die USA einen Teil ihrer umfassenden Militärhilfe in Milliardenhöhe aus. Bislang besteht das ägyptische Waffenarsenal noch zu großen Teilen aus Produkten der US-amerikanischen Rüstungsindustrie.

Angesichts des sich abkühlenden Verhältnisses zwischen den neuen Machthabern in Kairo und den USA könnte Moskau seine Position als Waffenlieferant für Ägypten nun wieder ausbauen - und damit nicht zuletzt auch russischen Industriebetrieben lukrative Folgeaufträge über Jahre hinaus sichern.

Die US-Rüstungsbranche wiederum dürfte eine Abkehr der Ägypter als schweren Rückschlag empfinden. Unter dem Eindruck der enormen US-Staatsverschuldung und des auch im Verteidigungsetat zunehmend spürbaren Sparzwangs sind Unternehmen wie Boeing, Northrop Grumman oder Lockheed Martin auf zahlungskräftige Kunden aus dem Bereich der Schwellenländer angewiesen.

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Quelle: n-tv.de

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