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U.S. General John Allen genießt die Rückendeckung von ganz oben.
U.S. General John Allen genießt die Rückendeckung von ganz oben.(Foto: AP)

Flossen vertrauliche Informationen?: Obama stellt sich vor Allen

In der Affäre um Ex-CIA-Chef Petraeus stellt sich US-Präsident Obama demonstrativ vor den Befehlshaber der Nato-Truppen in Afghanistan, Allen. Auf ihn haben sich die Ermittlungen ausgeweitet. Allen soll tausende E-Mails mit einer Petraeus-Bekannten ausgetauscht haben - möglicherweise vertrauliche Informationen.

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Nach dem Rücktritt von CIA-Chef David Petraeus wegen einer Liebesaffäre muss auch der Kommandeur der internationalen Afghanistantruppe, US-General John Allen, um seine Karriere bangen. Das Pentagon ermittelt gegen den 58-Jährigen, der als künftiger Nato-Oberkommandierender in Europa vorgesehen ist. Das teilte US-Verteidigungsminister Leon Panetta mit. Allen habe "unangebrachte" E-Mails an eine Freundin der Petraeus-Familie, Jill Kelley, geschickt. Über den Inhalt wurde zunächst nichts bekannt. Kelley hatte die ganze Affäre ins Rollen gebracht.

US-Präsident Barack Obama sprach seinem Vier-Sterne-General das Vertrauen aus. "Der Präsident hat eine sehr hohe Meinung von General Allen", sagte Regierungssprecher Jay Carney. Die Pentagon-Ermittlungen wollte das Weiße Haus nicht kommentieren. Die Anhörung zu Allens Nominierung als neuer Nato-Oberkommandeur in Europa wurde derweil vom Senat verschoben. Erst müssten die Vorwürfe geklärt werden, meinte Panetta. Obama stimmte dem Aufschub zu.

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Die kleine Kongresskammer in Washington sollte Allen eigentlich an diesem Donnerstag als Nachfolger von US-Admiral James Stavridis bestätigen. Der General war dafür bereits nach Washington gereist. Den neuen Führungsposten sollte er Anfang 2013 übernehmen. Die Nato nahm zu den Vorwürfen und der Verzögerung nicht Stellung. Ein Sprecher verwies lediglich an die zuständigen US-Stellen.

Isaf-Kommandeur werde Allen vorerst bleiben, sagte Panetta. Er bat aber darum, dass die Nominierung seines bereits bestimmten Nachfolgers, US-General Joseph Dunford, schnell voranschreite.

Pentagon ermittelt gegen Allen

Am Sonntag hatte die US-Bundespolizei FBI den Fall an das US-Verteidigungsministerium weitergegeben. Am Montag leitete Panetta im Pentagon Ermittlungen gegen Allen ein. Dabei würden 20.000 bis 30.000 Seiten Dokumente geprüft, hieß es in US-Medien.

Für eine Liebesbeziehung gebe es derzeit keine Beweise, hieß es indes aus US-Militärkreisen. Allen habe den Vorwurf einer außerehelichen Beziehung mit der Mutter von drei Kindern aus Tampa vehement zurückgewiesen. Befürchtet wird die Weitergabe vertraulicher Informationen.

Welche Rolle spielt Kelley in der ganzen Affäre?
Welche Rolle spielt Kelley in der ganzen Affäre?(Foto: AP)

Allen und Kelley hätten "einige hundert E-Mails" ausgetauscht, als der General stellvertretender Kommandeur des Zentralkommandos der US-Streitkräfte in Tampa gewesen sei, sagte ein Militärvertreter der "Washington Post". Kelley war ehrenamtlich für das Militär tätig und veranstaltete Partys, an denen auch ranghohe Offiziere teilnahmen. Auch Petraeus war in Tampa stationiert, als er von Herbst 2008 bis Sommer 2010 das für die US-Truppen im Nahen Osten, Zentralasien und Nordafrika zuständige Zentralkommando leitete.

Ein anderer Vertreter des US-Militärs sagte, dass schon der Umfang des E-Mail-Verkehrs zwischen Allen und Kelley womöglich einen Verstoß gegen Armeerichtlinien dargestellt habe. Sollte Allen eine außereheliche Beziehung nachgewiesen werden, hätte er sich nach US-Militärrecht strafbar gemacht.

Petraeus wollte nicht zurücktreten

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Petraeus hatte am Freitag seinen Posten als CIA-Chef geräumt, nachdem bei FBI-Ermittlungen eine Liebesbeziehung mit seiner Biografin Paula Broadwell aufgeflogen war. Wie die "Washington Post" unter Berufung auf Petraeus nahestehende Personen berichtete, habe dieser bis zuletzt an seinem Posten festgehalten. Er habe sich erst zurückgezogen, als klar wurde, dass seine Affäre öffentlich werden würde.

Auch nachdem er dem FBI die Affäre gestanden hatte, habe Petraeus geplant, CIA-Chef zu bleiben. "Er hatte nicht vor zurückzutreten", sagte der pensionierte US-Oberst Peter Mansoor dem Blatt. "Aber als er wusste, dass es in die Öffentlichkeit kommen würde, dachte er, ein Rücktritt sei das Richtige." Petraeus soll die Affäre vor rund vier Monaten beendet haben.

FBI durchsucht Broadwells Wohnung

Männer tragen Kisten mit Material aus dem Haus der Ex-Geliebten.
Männer tragen Kisten mit Material aus dem Haus der Ex-Geliebten.(Foto: AP)

Aufgeflogen war die Affäre, nachdem Jill Kelley sich hilfesuchend an das FBI gewandt hatte. Sie soll Droh-E-Mails von Petraeus' ehemaliger Geliebter erhalten haben. Broadwell hatte in Kelley eine Nebenbuhlerin gesehen. Am späten Montag hatten FBI-Beamte das Wohnhaus von Broadwell in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina durchsucht. Die Polizisten machten nach US-Medienberichten dabei Fotos und nahmen Dokumente mit. Broadwell soll über vertrauliche Informationen aus dem Inneren der CIA verfügt haben.

Zusätzliche Brisanz gewann der Skandal, als ein Video eines Auftritts Broadwells an der Universität Denver ins Internet gestellt wurde, bei dem sie am 26. Oktober über Einzelheiten aus den Spannungen um die Besetzung des US-Konsulats im libyschen Bengasi sprach. CIA-Agenten hätten zwei libysche Milizionäre festgenommen, sagte Broadwell in der Video-Aufzeichnung. Petraeus sei darüber informiert.

Das CIA dementierte laut "Washington Post" ihre Darstellung. Vielleicht habe sich Broadwell auf frühere Angaben eines Fernsehsenders gestützt und sich wichtig machen wollen. Allerdings sei es auch möglich, dass Broadwell Geheiminformationen ausplauderte, die sie von einer CIA-Quelle erhalten habe. Die Auseinandersetzungen in Bengasi, bei denen am 11. September US-Botschafter Chris Stevens und drei seiner Mitarbeiter getötet worden waren, spielten im Präsidenten-Wahlkampf wiederholt eine Rolle.

Broadwell hat sich bislang nicht zu der Affäre geäußert. Nach Angaben der "Washington Post" hat sie inzwischen einen prominenten Anwalt, Robert F. Muse, engagiert.

Quelle: n-tv.de

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