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Trügerische Idylle. Der Tod fährt bei der Dakar immer mit.
Trügerische Idylle. Der Tod fährt bei der Dakar immer mit.(Foto: AP)

Todesfälle überschatten Auftakt: Dakar bleibt unwägbares Risiko

Am Freitag ist bei der Rallye Dakar der französische Motorrad-Pilot Thomas Bourgin verunglückt. Es ist der erste tödliche Unfall eines Aktiven in der diesjährigen Ausgabe des Rennens. Eine Sicherheitsdebatte will man deshalb nicht führen. Alle Teilnehmer seien sich der Gefahren bewusst.

Die Nationalstraße 27 im Nordosten Chiles ist eine märchenhafte Route. Von den grauen, staubigen Ebenen der Atacama-Wüste windet sich das langgezogene Asphaltband die Anden hinauf in Richtung Argentinien. Erste Gräser und kleine Sträucher ringen hier der kargen Landschaft wieder etwas Leben ab. Am Freitag wurde diese Idylle auf tragische Weise gestört. Bei der Rallye Dakar verstarb der französische Motorrad-Pilot Thomas Bourgin nach einer Kollision mit einem Polizei-Fahrzeug.

Der 25-Jährige prallte um 8.23 Uhr Ortszeit auf dem Weg zum Grenzübergang mit einem Polizeiauto zusammen, das auf der Fahrbahn in die falsche Richtung fuhr. "Das bewegt einen schon gewaltig. Es herrschte erst einmal Stille im Auto. Da fragt man sich schon, was wirklich wichtig ist im Leben", sagte Beifahrer Dirk von Zitzewitz (Toyota), der die Unfallstelle passiert hatte. Diese befand sich auf dem ersten, nicht gewerteten Teil der siebten Etappe.

Ein Medizinteam konnte nur noch den Tod Bourgins feststellen, der das 62. Todesopfer der Dakar seit 1978 ist. Bereits zuvor war die Dakar 2013 von einem Unfall mit Todesfolge überschattet worden. Im peruanischen Tacna waren zwei Menschen ums Leben gekommen und sieben schwer verletzt worden, als ein Service-Fahrzeug des Teams Race2Revocery und zwei Taxis in einen Verkehrsunfall verwickelt waren.

Verkehrsunfälle, keine Dakar-Unglücke

Thomas Bourgin starb bei der Kollision mit einem Polizeiauto.
Thomas Bourgin starb bei der Kollision mit einem Polizeiauto.

Die bei der Dakar stets aufkommende Sicherheitsdebatte will man aus diesem Grund aber vermeiden. Beide Ereignisse, so die Einschätzung vieler Beteiligten, hätten sich außerhalb des eigentlichen Rennens zugetragen. Die Rallye selbst sei sicher. "Dass dieser Unfall sehr tragisch ist, steht außer Frage. Es ist sehr schlimm", sagte Sven Quandt, Teamchef des deutschen Rennstalls X-raid, dem SID: "Aber letztlich war es ein Verkehrsunfall auf offener Straße. Dass man auf dem Motorrad nicht sehr geschützt ist, darüber brauchen wir nicht reden."

Tatsächlich haben die Veranstalter im Sicherheitsbereich aufgerüstet. Etwa 50 Sanitäter und Ärzte kümmern sich um die Gesundheit der Teams und Begleiter. Nicht mehr als zehn Minuten soll es dauern, bis ein Rettungshubschrauber im Notfall bei den mit zwei GPS-Sendern ausgestatteten Fahrzeugen landet. Im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten, als eine technische Panne im Nirgendwo von Afrika lebensgefährlich sein konnte, ein Quantensprung. Dennoch: Die Rallye Dakar bleibt bei allen Maßnahmen noch immer ein riskantes Wagnis.

"Viele überschätzen sich"

"Die Dakar ist das härteste Rennen ihrer Art. Der Gefahren sind sich alle Teilnehmer bewusst", sagte Dakar-Direktor Etienne Lavigne dem SID. Auch in diesem Jahr haben bereits zahlreiche Fahrer verletzt aussteigen müssen. Für Timo Gottschalk, Beifahrer im mittlerweile ausgeschiedenen Qatar-Buggy von Ex-Champion Carlos Sainz, sorgt gerade bei den Motorrädern die Unerfahrenheit vieler Fahrer für zusätzliche Gefahr.

"Ich denke, viele überschätzen sich und merken nach zwei oder drei Tagen, dass sie Probleme bekommen, wollen es aber dann durchziehen", sagte Gottschalk: "Man sieht, dass viele Motorradfahrer nach den Prüfungen völlig fertig sind. Dann kommen solche langen Etappen vom Veranstalter, die Höhe, du fährst ewig in der Kälte über eintönige Strecken - na klar ist sowas traurig, aber gänzlich vermeiden kann man das leider nicht." Bourgin stammte aus St. Etienne und nahm zum ersten Mal an der Dakar teil.

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Quelle: n-tv.de

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