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Unter anderem der Zustand des Berliner Rasens verdarb Thomas Tuchel des Spaß am Spiel.
Unter anderem der Zustand des Berliner Rasens verdarb Thomas Tuchel des Spaß am Spiel.(Foto: dpa)

Hertha zwingt BVB zu Novum: Dortmunds Tuchel scherzt über Mourinho

Von Stefan Giannakoulis, Berlin

Während sich José Mourinho nicht gerade königlich amüsiert, sieht Herthas Trainer gegen den BVB ein "genießbares Nullnull". Sein Dortmunder Kollege Thomas Tuchel ist da ein wenig unzufriedener - wagt aber ein Witzchen.

Das Nullnull bei der Hertha war nun nichts, womit sie groß hätten angeben können. Ganz so schlecht aber scheint es den Bundesligafußballern der Dortmunder Borussia in Berlin nicht gefallen zu haben. Mats Hummels, Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek jedenfalls weilten nach getaner Arbeit noch in der Arena am Ostbahnhof, wo Albas Basketballer mit 74:78 gegen Ludwigsburg verloren. Die Dortmunder hatten dabei am Samstagabend, wie Hummels wissen ließ, durchaus "einigen Spaß". Dass Klubchef Hans-Joachim Watzke und Trainer Thomas Tuchel ebenfalls in der Halle waren, deutete allerdings auf den zumindest semi-dienstlichen Charakter dieses Ausflugs hin: Alba und der BVB hatten im Sommer eine Kooperation vereinbart - Besuche inklusive.

Vornehmliche Aufgabe der Dortmunder aber war es, sich an diesem 20. Spieltag der Fußball-Bundesliga bei den Herthanern vorzustellen, was in der Hauptstadt ungewohnt großes Interesse beim Publikum hervorrief: Zum ersten Mal seit November 2014 war das Olympiastadion mit seinen 74.244 Plätzen ausverkauft. Erworben hatten die Karten vor allem Menschen, die, wie gut zu hören und zu sehen war, willens waren, das Team ihres Herzens zu feiern, auch wenn es kein Tor schießt. Im Fall der Dortmunder ist das eine echte Rarität – bisher hatten sie in jeder der 19 Partien dieser Saison mindestens einmal getroffen. Das bedeutete auf der anderen Seite: Die Berliner sind die ersten, die es geschafft haben, gegen den BVB keinen Treffer zu kassieren.

Am Ende dieses sonnigen Februarnachmittags im Berliner Westend bekam also jede der beiden Mannschaften für ihr erkennbares und mitunter ansehnliches Bemühen einen Punkt zugesprochen; das Spiel hatte dennoch gezeigt, warum der BVB mit zehn Zählern vor der Hertha, die jetzt schon so viele Punkte auf dem Konto hat wie in der gesamten vergangenen Spielzeit, weiter konkurrenzlos auf Platz zwei der Tabelle steht. Während die Gäste die Regie übernahmen und zu zwei Dritteln der Zeit den Ball hatten, verlegten sich die Berliner – wie ein echter Underdog eben – aufs Kontern. Das hätte noch besser funktioniert, wenn Salomon Kalou zwölf Minuten vor dem Schlusspfiff den Ball aus 18 Metern nicht knapp neben das Tor von Roman Bürki geschossen hätte, sondern hinein.

"Es war ein genießbares Nullnull"

So war hinterher keiner von den Protagonisten wirklich glücklich, aber eben auch nicht richtig unzufrieden. Bereits zitierter Hummels gab zu Protokoll: "Der letzte Pass wollte heute nicht kommen. Von daher ist das Ergebnis leistungsgerecht." Herthas Trainer Pal Dardai gab nach dem dritten Remis im dritten Spiel dieses Jahres den Gourmet: "Es war ein genießbares Nullnull. In der ersten Halbzeit waren wir einen Tick besser. Insgesamt können beide Mannschaften mit dem Ergebnis leben." Sein Kollege Tuchel sah das im Grunde ähnlich, auch wenn er ein klein wenig unzufriedener wirkte: "Gegen so leidenschaftlich verteidigende Berliner den Raum und den Passrhythmus zu finden, die Einstellung gegen die Härte und Aggressivität - das hat lange gedauert. In der zweiten Halbzeit haben wir aber komplett dominiert."

Zwei Sachen aber hatten ihm partout nicht gefallen: Pierre-Emerick Aubameyang, der mit 20 Toren erfolgreichste Angreifer der Liga, war nur elfmal am Ball und so wirkungslos, dass sein Trainer ihn nach 72 Minuten erlöste und für den ehemaligen Berliner Adrian Ramos  auswechselte. "Ich hatte nicht das Gefühl, dass es sein Tag ist", sagte Tuchel, nahm Aubameyang aber auch in Schutz: Die Kollegen hätten ihn aber auch nicht mit ihren Pässen "in entscheidende Situationen gebracht". Und noch etwas missfiel ihm, der arg ramponierte Rasen nämlich. "Der Platz war in einem extrem schlechten Zustand. Das macht keinen Spaß." Solle aber, ergänzte er, keine Ausrede sein.

Der umtriebige Watzke hatte sich übrigens einen Gast nach Berlin eingeladen: Der zurzeit arbeitslose José Mourinho, bekannt aus Funk und Fernsehen wegen seiner Trainerjobs beim FC Chelsea, Real Madrid, Inter Mailand und beim FC Porto, saß neben dem Geschäftsführer des BVB auf der Ehrentribüne und hat sich, seiner leicht ins Griesgrämige tendierenden Miene nach zu urteilen, nicht gerade königlich amüsiert. Dafür wagte Dortmunds Tuchel ein Witzchen, als er gefragt wurde, ob Mourinhos Besuch mit ihm abgesprochen gewesen sei. "Ich wusste es und es ist völlig okay." Allerdings: "Wenn er mich nächste Woche ablöst, ist es nicht mehr okay."

Quelle: n-tv.de

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