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Tobias Karlsson will bei der Handball-EM in Polen eine regenbogenfarbene Kapitänsbinde tragen: Das untersagt die Turnierleitung.
Tobias Karlsson will bei der Handball-EM in Polen eine regenbogenfarbene Kapitänsbinde tragen: Das untersagt die Turnierleitung.(Foto: imago/Bildbyran)

Keine Toleranz bei Handball-EM: EHF verbietet Regenbogen-Binde in Polen

Vor Beginn der Handball-EM im erzkonservativen Polen überschattet eine politische Debatte das sportliche Geschehen. Schwedens Kapitän Karlsson will mit regenbogenfarbener Binde ein Zeichen für Toleranz setzen. Doch der Handballverband sperrt sich.

Schwedens Kapitän Tobias Karlsson wollte bei der Handball-EM im erzkonservativen Polen mit einer regenbogenfarbenen Kapitänsbinde ein Zeichen für Toleranz setzen – doch die Turnierleitung machte ihm einen Tag vor dem Turnierstart einen Strich durch die Rechnung.
Ein Jahr nach der höchst umstrittenen WM in Katar steht also erneut die Politik im Fokus des Turniers.

Das Gremium des Europäischen Handballverbandes (EHF) teilte mit, dass die Spielführerbinde "als Teil des Trikotsatzes anzusehen" sei und deswegen "eine Farbe oder mehrere Farben der jeweiligen Nation" enthalten müsse. Gleiches gelte auch für Socken, Leggings und Longsleeves. Die EHF will ihre Regel zur Kleiderfrage allerdings allgemein verstanden wissen.

"Die Entscheidung der EHF lautet, Slogans und Statements nicht über die Spielkleidung zu transportieren. Das hat aber nichts mit dem Inhalt zu tun", sagte EHF-Generalsekretät Michael Wiederer. "Darüber wurden alle Mannschaften informiert." Auf der schwedischen Verbandsseite äußerte sich nun ein enttäuschter Karlsson: "Es ist traurig, dass uns die EHF daran hindert, zu zeigen, wie wir zu Offenheit, Mitgefühl und gleichen Werten stehen", wird nun der Profi der SG Flensburg-Handewitt zitiert.

Zuvor hatte er in der dänisch-deutschen Tageszeitung "Flensborg Avis"noch angekündigt: "Ich trage die Binde so lange, bis mich jemand aufhält. Meine Bühne ist nicht Polen, sondern die schwedische Nationalmannschaft. Ich hätte sie auch in Norwegen oder Frankreich getragen."

Zeichen für Toleranz

Die Regenbogenfahne gilt als internationales Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung. In der Vergangenheit haben Sportler öfter die internationale Bühne bei großen Wettkämpfen genutzt, um mit der Fahne für mehr Toleranz zu werben. Im Vorfeld hatte sich auch der deutsche Kapitän Steffen Weinhold solidarisch mit Karlsson gezeigt. "Ich finde es gut, dass er Stellung bezieht", sagte er der "Flensborg Avis".

Innerhalb des deutschen Teams rief die Entscheidung nun Unverständnis hervor. So fragte Nationalspieler Patrick Groetzki via Twitter: "Ist das ein Witz, EHF?" Die Schweden bestreiten morgen gegen Slowenien die erste Partie des Turniers. Nächster Gruppengegner ist dann am Montag Deutschland.

Quelle: n-tv.de

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