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Sport
Weltmeister: Täve Schur 1959.
Weltmeister: Täve Schur 1959.(Foto: imago/RDB)
Donnerstag, 20. April 2017

"War nicht kriminell": Schur ignoriert Dopinggeschichte der DDR

Täve Schur, einst beliebtester Sportler seines Landes, verharmlost das Doping in der DDR. Der Sport habe beispielhaft den Aufbau der Gesundheit vorangetrieben. Vielmehr sei die Frage, was über das Doping im Westen noch in Erfahrung zu bringen sei.

Radsportidol Gustav-Adolf Schur, genannt Täve, hat mitten in der Diskussion über seine Nominierung für die Hall of Fame des deutschen Sports die Doping-Geschichte in der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik verharmlost. "Der DDR-Sport war nicht kriminell, sondern vorzüglich aufgebaut: Der Aufbau der sportlichen Gesundheit der Bevölkerung aus den Kindergärten heraus über den Schulsport bis hin zu den Leistungssporteinrichtungen war einmalig", sagte Schur, Weltmeister 1958 und 1959 sowie von 1958 bis 1990 Abgeordneter der DDR-Volkskammer, der Zeitung "Neues Deutschland". Den DDR-Sport als kriminell zu bezeichnen, sei "völliger Quatsch".

"Wir hatten in der DDR keine Dopingtoten, anders als im Westen."
"Wir hatten in der DDR keine Dopingtoten, anders als im Westen."(Foto: imago/Christian Schroedter)

Der Sport in der DDR sei "gut" gewesen, sagte der 86-Jährige, weil er "beispielhaft den Aufbau der Gesundheit vorantrieb und dabei auch noch international erfolgreich war". Er kenne "diese Berichte" über das Doping von Minderjährigen in der DDR, sagte Schur, ging aber nicht darauf ein. Stattdessen verwies er auf die Wurzeln der Dopingforschung in Westdeutschland Anfang der 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Frage sei, "was wir denn noch vom Westdoping in Erfahrung bringen können. Nur so viel: Wir hatten in der DDR keine Dopingtoten, anders als im Westen." Er erwähnte in diesem Zusammenhang den Tod der Leichtathletin Birgit Dressel vor 30 Jahren.

Geipel reagiert fassungslos

Die Kritik von Doping-Gegnern wie Ines Geipel, der Vorsitzenden der Doping-Opfer-Hilfe (DOH), und Hall-of-Fame-Mitglied Henner Misersky, der als Langlauftrainer in der DDR Dopinggaben verweigert hat, an ihm und seiner Nominierung für die virtuelle Ruhmeshalle bezeichnete der einst populärste DDR-Sportler als "gezielte Provokation". Geipel reagierte fassungslos auf diese Aussagen. "Schur erklärt sich für anständig, ignoriert aber ein Leben lang den Schmerz politisch Andersdenkender. Er blendet historische Wahrheiten nicht einfach aus, sondern lügt besseren Wissens. Das hat was Scheußliches, ist aber seit Langem bekannt. Seine Nominierung für die Hall of Fame ist mehr denn je untragbar."

Es ist der zweite Versuch, Schur in die Hall of Fame aufzunehmen, nachdem ein erster Vorstoß im Mai 2011 gescheitert war. Damals hatte Schur von der Jury nicht die erforderliche Mehrheit bekommen. Die drei Träger der virtuellen Ruhmeshalle, die Stiftung Deutsche Sporthilfe, der Deutsche Olympische Sportbund und der Verband Deutscher Sportjournalisten, hatten Schur auf Initiative des DOSB zuletzt einstimmig erneut auf die Kandidatenliste gesetzt.

Die Sporthilfe begründete dies mit der Tatsache, dass "mit der Einrichtung und Weiterentwicklung der Ruhmeshalle ein Erinnerungs- und Aufklärungsprozess" in Gang gekommen sei, "der auch unangenehme Wahrheiten nicht verschweigen soll." Die Vorschläge für die diesjährige Wahl, für die außerdem die zweimalige Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler sowie Sven Hannawald, Franz Keller und Lothar Matthäus nominiert wurden, seien "mit der nötigen Sorgfalt analysiert und auf Unbedenklichkeit überprüft" worden.

Quelle: n-tv.de

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