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Wir wissen nicht, ob Gary Neville (links) und Paul Scholes schwul sind. Dafür, dass diese Frage völlig unerheblich wird, werben Initiativen wie "Fußball für Vielfalt".
Wir wissen nicht, ob Gary Neville (links) und Paul Scholes schwul sind. Dafür, dass diese Frage völlig unerheblich wird, werben Initiativen wie "Fußball für Vielfalt".(Foto: picture alliance / dpa)

Der schwierige Kampf gegen Homophobie: Schwule Fußballer? Nicht unser Problem!

Von Christian Bartlau

Die Justizministerin bittet Joachim Löw zum Christopher-Street-Day, der DFB veröffentlicht eine Broschüre zum Coming Out, eine Initiative will Trainer und Spieler weiterbilden: Ideen gegen Homophobie im Sport gibt es viele. Doch viele Vereine ducken sich weg.

Kathrin Müller-Hohenstein scheint vom Moment überwältigt. "Ich habe das Gefühl, dass wir hier heute etwas Historisches schaffen", sagt die ZDF-Moderatorin. Vor ihr sitzen hundert Gäste in der Berliner Telekom-Repräsentanz, darunter viele Journalisten. Einige tuscheln aufgeregt - vielleicht passiert es ja heute, vielleicht bekennt endlich ein Profi-Fußballer: Ich bin schwul.

Die "Berliner Erklärung" wurde feierlich von Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger enthüllt.
Die "Berliner Erklärung" wurde feierlich von Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger enthüllt.(Foto: dpa)

Eingeladen hatte die Magnus-Hirschfeld-Stiftung, um ihr Programm "Fußball für Vielfalt" vorzustellen. Das ließ die Gerüchte über ein Coming Out hochkochen, aber nirgendwo sitzt ein bekannter Fußballer, nur Marcus Urban steht allein schräg neben der Bühne. Im Buch "Versteckspieler" erzählte er, wie die Angst vor dem Outing seine Karriere beendete. Doch seine Geschichte kennen hier alle. Keine Sensation wartet auf die Journalisten, nur die "Berliner Erklärung". Ein Bekenntnis zum Kampf gegen Homophobie im Sport, unterzeichnet von Politikern, und viel wichtiger: sechs Präsidenten von Erst- und Zweitligavereinen, unter ihnen Uli Hoeneß vom FC Bayern München. "Toll!" entfährt es Kathrin-Müller Hohenstein beim Anblick der Liste.

Aber: Die Initiative hatte alle Erst- und Zweitligavereine angeschrieben, also 36 Klubs. Dann klingt die Geschichte gar nicht mehr so toll: 30 Vereine haben die "Berliner Erklärung" gegen Homophobie im Sport nicht unterschrieben.

Ein paar Leuchttürme und sonst nichts

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Wer bei den Vereinen nachfragt, trifft auf Unwissenheit - und das große Schweigen. Beim HSV etwa kann man sich nicht an eine Anfrage von "Fußball für Vielfalt" erinnern - aber die Hanseaten verweisen immerhin auf ihr Engagement gegen Rechtsradikalismus.

Jörg Litwinschuh ist Vorstandsvorsitzender der Magnus-Hirschfeld-Stiftung. Er ist trotz der geringen Resonanz zufrieden: "Dass sich überhaupt Erst- und Zweitligavereine gemeldet haben, ist ein Erfolg. Bisher haben sich einfach bis auf ein paar Leuchttürme nur wenige Vereine mit dem Thema beschäftigt." Ohnehin seien die bisherigen Fortschritte vor allem den aktiven Fans zu verdanken.

Die sehen die "Berliner Erklärung" skeptisch. "Erstmal ist das natürlich sehr wichtig. Das sind die positiven Signale, die bislang fehlen", sagt Christian Rudolph, Sprecher von "Fußballfans gegen Homophobie". Allerdings sei er unsicher, wie ernst die Unterzeichner die Erklärung nehmen. "Die Gefahr ist natürlich groß, dass die Vereine sich darauf ausruhen."  

Die DFL hält sich zurück

Um in die Klubs hineinzuwirken, startet die Magnus-Hirschfeld-Stiftung das Bildungsprojekt "Fußball für Vielfalt". Das Ziel: Gerade in der Jugendarbeit über das Thema Homosexualität aufklären. Dafür will die Initiative auch in den Stadion der Profiligen werben - dafür braucht aber es die Unterstützung der Deutschen Fußball-Liga. Die wollte die "Berliner Erklärung" nicht unterschreiben. Auf Anfrage will sich die DFL auch nicht dazu äußern.

Der Deutsche Fußball-Bund ist da einen Schritt weiter, auch wenn Präsident Wolfgang Niersbach bei der Veranstaltung in Berlin fehlte. Immerhin: Der DFB erarbeitete eine Broschüre "Fußball und Homosexulität". Sie soll als Leitfaden für Vereine und Verbände dienen, denen sich homosexuelle Spieler anvertrauen.

Jörg Litwinschuh lobt dieses Engagement, aber: "Allein wird das natürlich nicht ausreichen." Seine Initiative braucht nun vor allem Geld, um die geplanten Bildungsangebote zu finanzieren. Er hofft auf die Sponsoren der Profiklubs. Deswegen will Litwinschuh noch einmal alle Erst- und Zweitligavereine anschreiben und auch mit der DFL will er noch einmal reden.

Vielleicht hilft ja auch ein Vorschlag weiter, den Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger machte: Bundestrainer Joachim Löw soll beim Christopher Street Day auf einem Wagen mitfahren – so wie Bondscoach Louis van Gaal in den Niederlanden. Für Leutheusser-Schnarrenberger ein denkbares Szenario: "Joachim Löw lebt die Offenheit. Er kommt viel rum, arbeitet mit Spielern verschiedenster Herkunft. Es wäre toll, wenn er das machen würde."     

Quelle: n-tv.de

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