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Wada-Generaldirektor Olivier Niggli will sich zuerst um die schweren Verdachtsfälle des McLaren-Reports kümmern.
Wada-Generaldirektor Olivier Niggli will sich zuerst um die schweren Verdachtsfälle des McLaren-Reports kümmern.(Foto: AP)
Mittwoch, 13. September 2017

Dopingverdacht? Keine Beweise: Wada spricht russische Sportler frei

Nachdem 1000 russische Athleten des Dopings bezichtigt werden, nimmt sich die Anti-Doping Agentur Wada der ersten Fälle an - und befreit nahezu alle Sportler von einer Schuld. Warum? Weil die Beweise nicht reichen, wie die "New York Times" berichtet.

Die globale Anti-Doping Agentur Wada hat damit begonnen, die Fälle russischer Athleten  zu untersuchen, die mutmaßlich jahrelang am Dopingprogramm ihres Landes teilgenommen haben. Dabei will die Wada 95 der ersten 96 Fälle nicht weiter verfolgen, da die Beweise unzureichend seien. Das geht aus einem der "New York Times" vorliegenden internen Bericht der Agentur hervor. "Die verfügbaren Beweise gegen 95 Athleten sind unzureichend, was eine Verletzung der Anti-Doping-Regeln angeht", erklärt Wada-Generaldirektor Olivier Niggli dort.

Angaben zu den Identitäten der Sportler werden nicht gemacht. Die Fälle waren zuvor in einem Report von Ermittler Richard McLaren aufgeführt worden, nach dessen Untersuchungen 1000 russische Sportler vom Dopingsystem ihres Landes in der Zeit von 2011 bis 2015 profitiert haben sollen. Der eine Athlet, bei dem ein Missbrauch von leistungssteigenernden Mitteln nachgewiesen wurde, konnte durch eine Urinprobe überführt werden.

"Schwache Verdachtsfälle können negative Auswirkungen haben"

McLaren hatte bereits angekündigt, dass zahlreiche Fälle nur schwer zu verfolgen seien, da es der Kooperation Russlands bedürfe - und an der würde es mangeln. Das Zurückhalten von Laborergebnissen und Zerstören von belastenden Urinproben seien da nur einige Beispiel. "Wir müssen den Fakt akzeptieren, dass McLaren die Absicht hatte, ein System aufzudecken, nicht einzelne Sportler zu bestrafen. Es mag wohl mehr Beweise in Russland geben, aber es gab ein Limit, was er alles beschaffen konnte", sagte Niggli in einem Telefoninterview mit der "New York Times". Die Beweismitteln, bestehend aus E-Mails, forensischen und wissenschaftlichen Analysen können einen Täter nicht immer des Dopings überführen.

Die Untersuchung der übrigen Fälle aus dem McLaren-Report gehe laut Niggli aber weiter. Dabei sollten die schwersten Verdachtsfälle zuerst behandelt werden, um sie schnell vors Sportgericht zu bringen. "Mit einem schwachen oder schlecht vorbereiteten Verdachtsfall könnte das negative Auswirkungen auf den Ausgang zu den übrigen Fällen haben." Auch eine Kommission des Internationalen Olympischen Komitees überprüft Fälle aus dem McLaren-Report zu den Winterspielen 2014 in Sotschi. Im Oktober werden Ergebnisse erwartet. Im Anschluss sollen gegebenenfalls Sanktionen verhängt werden. Die Wada hatte bis zuletzt einen Ausschluss der russischen Mannschaft von den Winterspielen 2018 in Südkorea gefordert.

Zweifel am Aufklärungswillen

Dabei äußert die "New York Times" auch den Verdacht, dass bei Wada und IOC überhaupt nicht der Wille bestehe, die Fälle aus dem McLaren-Report gänzlich aufzuklären. Die Times führt als Beispiel an, dass McLarens Whistleblower Dr. Grigori Rodtschenkow, der verantwortliche Arzt des russischen Dopingsystems, zu keinem der Fälle befragt wurde - obwohl er sich in den USA befindet und vom Verteidigungsministerium beschützt wird.

Hintergrund sollen die Doppelfunktionen einiger Wada- und IOC-Funktionäre sein, die in einem Interessenkonflikt stünden. Sie sollen zwar auf der einen Seite Aufklärung durch die Anti-Doping-Agentur suggerieren, wollen aber auf der anderen Seite nicht der Marke "Olympia" schaden - was mit bewiesenen Dopingfällen von Teilnehmer wohl sicher wäre.

Quelle: n-tv.de

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