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Elfmeter-Drama statt erster Titel: "Shootout disaster" bricht Klopp das Herz

Den ersten Titel in England will Jürgen Klopp im Ligapokalfinale gewinnen. Doch ausgerechnet mit einem deutschen Coach versagt der FC Liverpool im Elfmeterschießen. Klopp droht nach seiner vierten Finalpleite in Serie eine völlig verkorkste Debütsaison.

Jürgen Klopp sah richtig mitgenommen aus. Ausgerechnet er, der deutsche (!) Teammanager des FC Liverpool, war verantwortlich für die erste Endspielpleite der Reds in einem Elfmeterschießen. Klopp saß im Presseraum des legendären Wembley-Stadions und rang nach Worten für die dramatische Niederlage im Ligapokal-Finale, als er hilfesuchend zu seinem Mediendirektor Matt McCann blickte.

"Wenn Matt mir erlauben würde, scheiße zu sagen, würde ich scheiße sagen. Aber es ist nicht erlaubt, also ...", sagte Klopp, und brach unter dem Gelächter der Reporter ab. Doch auch dieser Anflug von Selbstironie täuschte nicht über seine Niedergeschlagenheit hinweg nach seiner klubübergreifend schon vierten Finalniederlage in Serie in einem wichtigen Pokalendspiel.

Jürgen Klopp sah, wie seine Liverpooler im Elfmeterschießen gegen Manchester City mit 1:0 in Führung gingen - und dann nichts mehr trafen.
Jürgen Klopp sah, wie seine Liverpooler im Elfmeterschießen gegen Manchester City mit 1:0 in Führung gingen - und dann nichts mehr trafen.(Foto: imago/Paul Marriott)

"Es tut mir leid", entschuldigte sich Klopp bei den englischen Fragestellern für das 1:3 im Elfmeterschießen gegen Manchester City. Fünfmal hatte Liverpool zuvor in großen Endspielen zum Shootout antreten müssen - und fünfmal gewonnen. Dann kam er, "the German", und Liverpool lieferte ein Elfmeterschießen, wie es schwächer noch keine Mannschaft in einem englischen Cup-Finale zeigte. Daran änderte auch der Treffer von Nationalspieler Emre Can, Liverpools erstem Schützen, nichts.

"Es ist schon ironisch", kommentierte das Boulevardblatt "Sun" das "shootout disaster" unter der Überschrift "Tragic of the Klopp". Der "Daily Telegraph" nannte es "eine große Überraschung, dass ein Deutscher ein Elferschießen verliert" - Klopp sei von den Geistern des 2013 gegen Bayern München verlorenen Champions-League-Endspiels (1:2) an gleicher Stelle "heimgesucht worden". Liverpools Herzen, meinte der Mirror, "sind gebrochen" - und der angeschlagene Klopp strahlte dies aus.

Siegerehrung in Trance

Bei der Siegerehrung auf der Tribüne, an der er erneut als Verlierer teilnahm, schüttelte er wie in Trance die Hände ihm wildfremder Menschen. Mit der kleinen roten Schatulle in seiner Hand, die die Trostmedaille verbarg, wusste er offensichtlich nichts anzufangen. Er fühle sich "rubbish", sagte Klopp, wie Müll. Dabei hatte er alles versucht: Das schon gebuchte Hotel "The Grove", in dem er 2013 mit Dortmund wohnte, wurde storniert. Und dem dramatischen Ende wohnte er wie im Halbfinale gegen Stoke City alleine auf der Bank bei - diesmal erfolglos. "Jeder weiß: im Elfmeterschießen brauchst du ein bisschen Glück. Aber wir hätten es schon besser machen können", sagte Klopp. Für Citys Torwart Willy Caballero, der mit drei abgewehrten Schüssen zum Helden wurde, sei es "nicht besonders schwer" gewesen. Es sei zwar nicht seine erste große Niederlage, "aber ich brauche Zeit zum Verarbeiten".

Noch im Bauch des englischen Fußball-Heiligtums fand der 48-Jährige seinen Kampfesmut wieder. "Ihr denkt, ich gehe nach Hause, mache die Tür zu und bleibe die nächsten vier Wochen da? Nein! Du musst aufstehen - nur blöde Idioten bleiben liegen!", sagte er trotzig. Doch auch ihm ist klar: So schnell wird er nicht wieder die Chance auf einen Titel haben, und nur die zählen bei einem Verein wie dem FC Liverpool.

"Turbulente und frustrierende Saison"

"Wenn Klopp erfolgreich sein will, muss er Trophäen gewinnen. Dies war sein erster Versuch", urteilte Liverpool-Legende Jamie Carragher. Und in der kommenden Saison droht dem Champions-League-Sieger von 2005 ein Jahr ohne Teilnahme am internationalen Geschäft. In der Liga kämpft der Tabellenneunte mit mindestens sechs Teams um die Europapokal-Plätze. Dazu eilt von hinten Titelverteidiger FC Chelsea mit großen Schritten in Richtung oberes Drittel. In der Europa League wartet im Achtelfinale der wiedererstarkte Erzrivale Manchester United auf die Reds.

Auch wenn Klopp zur Leistung seines Teams in Wembley fast beschwörend meinte, er "sehe Licht am Ende des Tunnels". Das Finale im Londoner Wembleystadion zeigte mal wieder: Liverpools Kader fehlt es an Qualität. Mit der ersten Chance überhaupt kam Klopps Team durch Philippe Coutinho in der 83. Minute gegen Man City immerhin zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich. Nur der mangelnden Chancenauswertung des künftigen Teams von Pep Guardiola war es zu verdanken, dass die Reds überhaupt ins Elfmeterschießen kamen. Das ging dann 1:3 verloren. "Klopp weiß, dass es Probleme gibt. Sie haben nicht die Qualität und sind nicht gut genug", urteilte Carragher mit Blick auf Liverpools Profis. Klopp werde "realisiert haben, dass noch viel Arbeit auf ihn wartet, um das Ruder wieder herumzureißen".

Die "Sun" urteilte, Klopp müsse jetzt eine "turbulente und frustrierende Saison" retten. Als Neunter der Premier League liegt ein internationaler Startplatz noch in Reichweite, in der Europa League wartet im Achtelfinale der Kracher gegen Erzrivale Manchester United. Klopps Zwischenbilanz allerdings ist tatsächlich "alles andere als spektakulär", wie die "Daily Mail" ätzte. Schon am Mittwoch kann er sie aufhübschen. In der Liga. Gegen ManCity.

Quelle: n-tv.de

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