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Liegt es am Training von Coach Josep Guardiola, dass den Bayern-Profis ständig die Muskeln kaputtgehen? No, sagt der Spanier.
Liegt es am Training von Coach Josep Guardiola, dass den Bayern-Profis ständig die Muskeln kaputtgehen? No, sagt der Spanier.(Foto: imago/Contrast)

Münchner Muskel-Misere: Was läuft beim FC Guardiola schief?

Auf Drängen von Josep Guardiola wird erst Klubarzt Müller-Wohlfahrt beim FC Bayern geschasst und dann die medizinische Abteilung umgebaut. Trotzdem häufen sich die Verletzungen. Die Debatte über die Ursachen kommt für den Bayern-Coach zur Unzeit.

Lange grübeln musste Bayern-Coach Joseph Guardiola nicht, als er nach den Wünschen für seine Abschiedstournee mit den Münchnern gefragt wurde. Er wolle im Saisonendspurt endlich einmal alle Stars zur Verfügung haben, sagte der Trainer von Bayern München vergangene Woche. Dann kam das erste Rückrundenspiel in der Fußball-Bundesliga beim Hamburger SV und ein Bündelriss im Adduktorenbereich von Jerome Boateng. Der Abwehrchef fällt monatelang aus und wirft mit seiner Verletzung alle Pläne und Wünsche Guardiolas über den Haufen - wieder einmal.

Unfreiwillig beschert Boateng dem FC Bayern auf dem Weg zum ersehnten Triple als finaler Krönung von Guardiolas Bundesliga-Gastspiel eine unangenehme Debatte: die über die maladen Münchner Muskeln. Denn Boatengs Adduktorenblessur ist, das zeigt eine Statistik der Website Fußballverletzungen.de, bereits die 17. (!) Muskelverletzung eines Bayern-Profis in dieser Saison.

Die wiederkehrenden Probleme werfen nun erneut viele Fragen auf und befeuern die Diskussionen um Guardiolas Methoden. Wird bei den Bayern falsch trainiert? Warum funktionieren alle Präventions- und Rehabilationsmaßnahmen nicht - oder nur bedingt? Nimmt Guardiola zu wenig Rücksicht auf angeschlagene Profis? Sind die Pausen für verletzte Spieler zu kurz? Was läuft im Ärzte- und Rehateam und in der Kommunikation schief?

Qualität, nicht Quantität

Guardiola weist alle Vorwürfe zurück. Schon nach Ende der Wintervorbereitung hatte der 45 Jahre alte Spanier kritische Anmerkungen über sein Training abgetan. Es gehe bei den Einheiten nicht um die Quantität, sondern ausschließlich um die Qualität, betonte Guardiola. Dass sich Boateng beim 2:1 in Hamburg zum Rückrundenstart derart schwer verletzte, wurde dadurch aber nicht verhindert.

Mit Guardiola müsste Müller-Wohlfahrt im Fall einer Rückkehr nicht mehr zusammenarbeiten, der Spanier verlässt den Verein im Sommer.
Mit Guardiola müsste Müller-Wohlfahrt im Fall einer Rückkehr nicht mehr zusammenarbeiten, der Spanier verlässt den Verein im Sommer.(Foto: imago/Ulmer)

Angeblich planen die Bayern wegen der anhaltenden Probleme eine spektakuläre Rückholaktion. Die "Sport Bild" berichtet, dass nach dem Abschied von Guardiola im Sommer Ärzte-Guru Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt zurückkehren soll. Dabei hatten sich die Münchner erst im vergangenen Sommer im medizinischen Bereich neu aufgestellt, nachdem es bereits in den ersten beiden Jahren unter Guardiola zu einer Häufung von Verletzungen gekommen war. Die Bayern vollzogen nach einem Dauerzoff ihres mächtigen Trainers im vergangenen Jahr gar die Trennung von Müller-Wohlfahrt.

Dafür wurden Volker Braun (Orthopäde) und Roland Schmidt (Internist) "installiert". Im Rehabilitations- und Präventionsbereich stattete der Rekordmeister Holger Broich vor der Saison mit mehr Kompetenzen aus. In Andreas Schlumberger wurde der Reha-Coach von Borussia Dortmund verpflichtet und Kniespezialist Ernst-Otto Münch in den Ärztestab aufgenommen. Inklusive der Ernährungswissenschaftlerin Mona Nemmer umfasst der Bereich medizinische Betreuung und Gesundheit 14 Personen.

Viel Geld für sehr wenig

Darüber hinaus hatten die Bayern in den Ausbau des Leistungszentrums (MRT-Gerät, Kältekammer, Schwimmbecken) nach "Kicker"-Informationen 5,5 Millionen Euro investiert. Gebracht hat es bislang eher nichts. Stattdessen kommt es intern offenbar immer wieder zu Kompetenzgerangel. So sollte etwa Franck Ribéry nach neunmonatiger Pause nach Meinung der medizinischen Abteilung weiter behutsam aufgebaut werden. Guardiola schickte den 32-Jährigen Mitte Dezember dennoch aufs Feld. Dem Spanier ging es wieder einmal nicht schnell genug.

Die Folge: Muskelbündelriss im Oberschenkel und erneute wochenlange Pause, die nach wie vor andauert. Auf der Verletztenliste stehen neben Ribéry derzeit noch Mario Götze (Reha nach Muskelausriss im Adduktorenbereich), Medhi Benatia (Muskelbündelriss) - und nun Boateng. Juan Bernat hat immerhin das Training wieder aufgenommen. Zudem waren in dieser Saison bereits Arjen Robben, Sebastian Rode, Douglas Costa, Kingsley Coman und Lahm ausgefallen - Holger Badstuber (Muskelriss), der bis Anfang November fehlte, hatte sich in der vergangenen Saison verletzt. Prekär ist auch, dass einige Stars immer noch die Dienste von Müller-Wohlfahrt in Anspruch nehmen - wie auch Boateng.

Wohl mindestens drei Monate Pause

Noch ist offen, wie lange der Münchner Abwehrchef tatsächlich ausfällt. Die Bayern schrieben vage von einer "längeren Pause", die sich aber wohl mindestens drei Monate hinziehen wird. Für Guardiolas Unternehmen Triple ist es auf jeden Fall ein herber Rückschlag. Schon gibt es Spekulationen, dass die Münchner auf dem Transfermarkt noch einmal aktiv werden könnten, was Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge allerdings zurückweist.

"Wir haben uns mit dem Thema seriös auseinandergesetzt. Es gibt keinen guten Spieler, der auf dem Markt ist. Im Winter verkauft keine Mannschaft seine guten Spieler, speziell auf dieser Position", sagte Rummenigge: "Und Notlösungen bringen einen am Ende des Tages nicht weiter. Dementsprechend werden wir nichts machen."

In München scheinen sie erkannt zu haben: Wichtiger als ein neuer Spieler ist, dass die Bayern ihre Verletzungsprobleme in den Griff bekommen.

Quelle: n-tv.de

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