Technik
WhatsApp sei "total kaputt", mahnen Sicherheitsexperten.
WhatsApp sei "total kaputt", mahnen Sicherheitsexperten.(Foto: WhatsApp)

Sicher und günstig: Alternativen zu WhatsApp

Von Isabell Noé

WhatsApp ist unangefochtener Marktführer unter den Messaging-Diensten. Und das, obwohl die App datenschutztechnisch eine einzige Katastrophe ist und erhebliche Sicherheitslücken aufweist. Wer auf WhatsApp lieber verzichten möchte, hat Alternativen.

Die beliebteste Gratis-App für Android ist weder Google Maps noch Facebook oder Youtube. Auf Platz eins steht unangefochten WhatsApp. Und auch Apple-Nutzer schwören auf den Messenger, wie ein Blick auf die iTunes Charts zeigt, wo WhatsApp Rang drei der beliebtesten Bezahl-Apps belegt. Für die Popularität des SMS-Ersatzes gibt es Gründe: Zum einen sind Nachrichten via WhatsApp sehr viel günstiger als mit der klassischen SMS, für die Mobilfunkanbieter bis zu 19 Cent kassieren. Eine WhatsApp-Nachricht kostet im besten Falle gar nichts, nur Apple-Nutzer zahlen einmalig 79 Cent für den Kauf der App, in den übrigen App-Stores ist sie kostenlos.

Zudem ist WhatsApp einfach zu bedienen. Anders als bei klassischen Instant Messengern, bei denen man erst Nummer oder Pseudonym des jeweiligen Partners ausfindig machen muss, scannt WhatsApp automatisch das komplette Adressbuch und findet so die anderen Nutzer im Bekanntenkreis. Denen kann man dann nicht nur Textnachrichten senden, sondern auch Videos und Bilder, außerdem sind Gruppenchats möglich. Auch zum Telefonieren lässt sich die App nutzen. Doch der Alleskönner unter den Messaging-Diensten gravierende Nachteile: Zum einen ist da der mangelnde Datenschutz. WhatsApp scannt die Adressbücher auf den Smartphones nicht nur ungefragt, es lädt sie auch auf die eigenen Server herunter. Zudem ist WhatsApp alles andere als sicher. Wie einfach Profile bei der Nutzung in einem offenen WLAN gekapert werden können, zeigte unlängst ein Test von "Heise Security". Die Fachleute raten dazu, WhatsApp "derzeit nur mit Vorsicht" zu benutzen. Wer von WhatsApp lieber die Finger lässt, der hat durchaus Alternativen. Hier eine Auswahl:

IM+

Was auf dem Rechner funktioniert, lässt sich auch aufs Smartphone übertragen: Chatdienste wie ICQ, MSN Windows Live, Google Talk, AIM bzw. Mobile Me, oder den Facebook Chat können auch mobil genutzt werden. Leichter geht das Ganze mit IM+, einem Instant-Messaging Tool, das die genannten und viele weitere Textnachrichtendienste auf einem Gerät bündelt. Wer verschiedene Chats nutzt, braucht also nicht alle Apps einzeln herunterladen, sondern kann alle Nachrichten, Bilder und Videos über IM+ verschicken.

Ist die sogenannte "Beep"-Funktion aktiviert, lässt sich IM+ genauso wie WhatsApp nutzen: Alle Kontakte im Adressbuch, die ebenfalls Beep nutzen, werden aufgelistet und können über IM+ angesprochen werden. Ist die App nicht geöffnet, kann man sich eingehende Meldungen per Push-Benachrichtigung anzeigen lassen. Offline verfasste Nachrichten werden in einer Warteschlange geparkt, bis wieder eine Internetverbindung besteht. Zur Sicherheit lässt sich zudem ein Masterpasswort für den Start von IM+ hinterlegen.

Kik

Kik assoziiert man hierzulande mit einem Textildiscounter. Taucht der Name auf den App-Plattformen auf, geht es aber um etwas anderes: Der Kik-Messenger eines der bekanntesten Chat-Programme für Smartphones und er wird für sämtliche mobilen Betriebssysteme kostenlos angeboten. Vor allem wegen seiner Schnelligkeit ist das Chatprogramm beliebt. Nachrichten lassen sich damit ebenso teilen wie Bilder, auch Gruppen-Chats sind möglich. Ob eine Nachricht angekommen ist, erfährt man über eine Sofortbenachrichtigung.

Kontakte werden bei Kik nicht über die Mobilfunknummer identifiziert, sondern über die E-Mail-Adresse. Datenschutzvorteil gegenüber WhatsApp: Der Adressbuchabgleich ist freiwillig, wer nicht will, dass die App alle Smartphone-Kontakte scannt, kann die Liste seiner Kik-Freunde auch händisch pflegen.    

mySMS

Ein Faktor für WhatsApps Erfolg ist die hohe Verbreitung der App. Sind viele Kontakte schon dabei, fällt der Einstieg leichter. Von daher dürfte es ein Konkurrent wie mySMS schwer haben, gegen WhatsApp anzukommen – dabei wäre es verdient, denn die App ist genauso einfach anzuwenden, aber in Sachen Sicherheit und Datenschutz deutlich besser aufgestellt. Das liegt unter anderem daran, dass der Anbieter in Österreich sitzt und die Datenschutzrichtlinien dort strenger sind als in der WhatsApp-Heimat USA.

Was der mySMS-Messenger kann, ist schnell erklärt: Er versendet und empfängt Nachrichten, Bilder und Dateien und das plattformübergreifend. Auch am Tablet, PC oder Mac kann man also Nachrichten tippen und lesen, sie werden dann automatisch mit dem Smartphone synchronisiert. Nachrichten an andere mySMS-Nutzer sind kostenlos. Darüber hinaus kann man die SMS auch vom Netzbetreiber übermitteln lassen, wenn der Empfänger kein MySMS nutzt. Dann werden die üblichen SMS-Kosten berechnet.

Yuilop

Kostenlose SMS und Gratis-Telefonie bieten viele Dienste. Die Kommunikation funktioniert in aller Regel jedoch nur, wenn sowohl Absender als auch Empfänger die entsprechende App installiert haben. Das ist bei Yuilop anders: Mit der App des deutsch-spanischen Unternehmens lässt sich – zumindest theoretisch - fast jede Nummer weltweit erreichen, egal, ob Festnetz oder Handy. Das geschieht allerdings nicht unter der eigenen Rufnummer, sondern unter einer eigenen Yuilop-Nummer. In einem Test von "Teltarif" im Juni erwies sich die Praxisanwendung noch als etwas wacklig, zumindest bei der Sprachtelefonie. Zumindest die SMS-Übermittlung scheint jedoch ganz gut zu funktionieren, als "Computerbild" die App vor Kurzem unter die Lupe nahm, kamen Testnachrichten im Schnitt nach 1,4 Sekunden an.

Grundsätzlich also eine schöne Sache, wäre da nicht ein entscheidender Haken: Zwar ist die App an sich kostenlos, SMS und Telefonieren bezahlt man aber mit sogenannten "Energiepunkten". Diese sammelt man, indem man Nachrichten von anderen Yuilop-Nutzern empfängt, Freunde anwirbt oder bestimmte Apps herunterlädt. Das macht die Sache etwas komplizierter. 

Joyn

Auch die Mobilfunkbetreiber spüren die Konkurrenz durch WhatsApp und Co. Weil sich mit klassischen SMS immer weniger Geld verdienen lässt, hat die Industrievereinigung der internationalen Mobilfunkanbieter bereits 2008 mit der Entwicklung eines neuen multimediafähigen Kommunikationsdienstes begonnen. Doch bis zur Durchsetzung des Standards, der auf den Namen Joyn getauft wurde, wird es wohl noch eine Weile dauern. Seit Ende Juni bietet Vodafone als erster Anbieter in Deutschland Joyn an, die Telekom will im Dezember nachziehen und O2 wird noch einen Monat länger warten. Joyn kann alles, was viele andere Dienste auch können: Texte, Bilder, Videos und Dateien versenden, außerdem ist Videotelefonie möglich, letztere funktioniert laut ersten Tests auch sehr gut.

In Sachen Datenschutz ist Joyn den meisten Konkurrenten überlegen, denn die Adressbücher werden – anders als etwa bei WhatsApp – nicht auf den Server des Anbieters gezogen. Dennoch ist fraglich, ob sich das Angebot durchsetzen wird. Denn während die üblichen Messenger-Apps in jedem Netz funktionieren, bleiben bei Joyn all jene außen vor, die nicht im richtigen Netz sind. Eplus-Nutzer wären über Joyn also gar nicht erreichbar. Zudem kann die Nutzung von Joyn unter Umständen teuer werden, wenn man keinen Flatrate-Vertrag hat. Eine Kurzmitteilung kostet dann etwa bei der Telekom 19 Cent – so viel wie eine normale SMS.

Fazit: Wer seine wichtigsten Kontakte von mySMS überzeugen kann, findet hier wohl derzeit die brauchbarste Alternative zu WhatsApp, abseits der üblichen Chats. Internet-Telefonie dürfte für die meisten WhatsApp-Nutzer ohnehin verzichtbar sein. Wer sein Smartphone für Internettelefonate nutzen will, etwa bei Auslandsgesprächen, kann einen Klassiker nutzen: Skype gibt es auch als App.     

Quelle: n-tv.de

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