Technik

Facebook-Aktion läuft aus dem Ruder: Benzin-Boykott beerdigt

von Thomas Leidel

Per Facebook kann jeder in kurzer Zeit viele Unterstützer für das sein Thema mobilisieren - wie nicht nur die Aufstände in der arabischen Welt zeigen. Allerdings sollte man genau darauf achten, wie man sich selbst präsentiert. Sonst kann einem die massenhafte Resonanz über den Kopf wachsen, wie das Beispiel eines populären Boykott-Aufrufs zeigt.

Im Netz sind viele Nachahmer-Veranstaltungen und Aktionsseiten zu finden (Screenshot: n-tv)
Im Netz sind viele Nachahmer-Veranstaltungen und Aktionsseiten zu finden (Screenshot: n-tv)

Der Initiator eines spektakulären Facebook-Aufrufs zu einem Benzin-Boykott am 1. März hat die Veranstaltung abgesagt. Die entsprechende Seite auf der Netzwerk-Plattform ist nicht mehr auffindbar. Auf seiner persönlichen Facebook-Seite erklärt der Mann, er habe sich nach "einem Übergriff auf sein Eigentum" zu dem Schritt entschlossen – obwohl bereits 1.335.891 Menschen ihre Teilnahme zugesagt hätten und er die Veranstaltung nach wie vor nicht für falsch halte.

Der Aufruf hatte nach mehreren Medienberichten zunächst breite Zustimmung erhalten. Dann wurde bekannt, dass der Initiator auf Facebook nicht nur bei Seiten zu "Big Brother" oder "Monopoly" den "Gefällt mir"-Button betätigt hatte, sondern auch bei "NPD" und "Mein Kampf". Es wurden Mutmaßungen laut, bei dem Boykott-Aufruf könne es sich um Neonazi-Propaganda handeln. In der Vergangenheit waren etwa Aufrufe, die gegen Kinderschänder mobilisieren sollten, von rechtsextremen Gruppen zur Stimmungsmache genutzt worden.

"Sturm-und-Drang-Phase"

Zwar meldete sich Initiator des Benzin-Boykotts auf der Facebook-Seite von n-tv und auch in seinem Profil zu Wort. Dort bestätigte er die Vorwürfe, berief sich aber auf eine persönliche "Sturm-und-Drang-Phase", die nun abgeschlossen sei und beteuerte, er stehe "der NPD weder als Mitglied noch als Unterstützer nahe". Es entbrannte eine heftige Debatte über den Sinn oder Unsinn der Aktion und darüber, ob der Hintergrund des Initiators bei der Beurteilung eine Rolle spielen dürfe oder müsse.

Der Rhein-Zeitung erklärte der Mann, in der Folge sei sein Auto mit einem spitzen Gegenstand zerkratzt worden. Der Lackschaden betrage mehrere hundert Euro – "Geld, für das er trotz hoher Spritpreise so manchen Liter hätte tanken können" – wie die RZ bemerkte. Diese "Vorstufe zu einem Angriff" habe den Mann bewogen, die Veranstaltung abzusagen und die Facebook-Seite zu löschen. Er wolle sich nun aus der Benzinpreis-Debatte heraushalten und auch zu anderen Themen keine Facebook-Veranstaltungen mehr starten. Er übte scharfe Kritik an den Medien, die ihn wegen weniger Einzelheiten als "Nazi dargestellt" hätten, ohne ihn überhaupt zu kennen. Allerdings hätte er die kritisierten "Likes" zu den rechten Inhalten mit etwas Umsicht ganz einfach vor dem Start seiner Aktion aus seiner Facebook-Chronik entfernen können.

Unterdessen sind von anderen Nutzern ähnliche Aktionen und Aufrufe bei Facebook veröffentlicht worden – wenngleich bislang mit deutlich weniger Resonanz. Auch da werden es sich die Initiatoren gefallen lassen müssen, dass man ihnen genauer auf die Finger sieht.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen