Technik

Initiator äußert sich per Facebook: Benzin-Wut braun gefärbt?

von Thomas Leidel

Es den Öl-Multis mal so richtig zeigen? Welcher Autofahrer träumt angesichts von Preisen auf historischen Höchstniveaus in diesen Tagen nicht davon? Und wäre es nicht wunderbar, den Unmut einfach am Computer auszudrücken? Allerdings sollte man genau darauf achten, wo man hinklickt.

Berechtigter Protest und braune Propaganda sind oft schwer auseinander zu halten. (Screenshot: n-tv)
Berechtigter Protest und braune Propaganda sind oft schwer auseinander zu halten. (Screenshot: n-tv)

Auf der sozialen Netzwerkplattform Facebook hat der Aufruf zu einem Tank-Boykott am 1. März breite Zustimmung erhalten. Innerhalb weniger Tage bekam die als "Öffentliche Veranstaltung" ausgeschriebene Aktion über eine Million Zusagen. Mancher hätte sich den entscheidenden Klick allerdings vielleicht noch einmal überlegt, wenn er sich das Profil des Initiatoren näher angesehen hätte. Der hat nämlich in nicht allzu ferner Vergangenheit nicht nur bei Seiten zu "Big Brother" oder "Monopoly" den "Gefällt mir"-Button betätigt, sondern auch bei "Youporn", "NPD" und "Mein Kampf".

Freundschaftsanfragen unerwünscht

Spätestens seit verschiedene Zeitungen über die Seite berichtet hatten (darunter auch die mit den großen Buchstaben), gab es kein Halten mehr: An inzwischen über 4,4 Millionen Menschen wurde die Einladung zu "Am 01.03.12 in ganz Deutschland nicht Tanken!!!!!!" weiter gereicht.  Bis Donnerstag, 15.30 Uhr, haben 1.050.234 Facebook-Nutzer mit Namen und Bild zugesagt, sich an dem Boykott zu beteiligen, der laut Veranstaltungsbeschreibung "den Öl-Multis die Macht der Konsumenten" zeigen soll "- nämlich unsere".

Die kompromittierenden Angaben sind häufig tief in der Timeline versteckt. (Screenshot: n-tv)
Die kompromittierenden Angaben sind häufig tief in der Timeline versteckt. (Screenshot: n-tv)

Selbstkritisch fährt der Verfasser fort: "Ja, dieser eine Tag wird nichts verändern, aber es ist ein einmaliger, symbolischer Schlag in die Kassen der in Deutschland vertretenen Mineralölkonzerne. Er zeigt, das wir uns organisieren können und Ihre skrupellose Abzocke nicht mitmachen."

In einer Ergänzung zur Beschreibung der Veranstaltung schreibt er: "Danke für mehr als 40.000 in weniger als 24 Stunden^^. Danke für 50.000 nur 45 Minuten später...". Und am Ende setzte er in Großbuchstaben hinzu: "KEINE FREUNDSCHAFTSANFRAGEN BITTE!!!!!!!!!!!" Offenbar wurde er von solchen Avancen förmlich überrollt.

Oder hatte er womöglich Angst, dass sich seine neuen "Freunde" näher mit seiner Facebook-Biografie auseinandersetzen? Der öffentliche Teil seines Facebook-Profils gibt nicht viel her - jedenfalls jetzt nicht mehr. Facebook-Nutzer versicherten gegenüber n-tv.de allerdings glaubhaft, die kompromittierenden Angaben seien noch vor kurzem prominent auf der Profilseite zu sehen gewesen. Jetzt sind sie dort zwar verschwunden. Bei genauerem Hinsehen gelang es der Redaktion aber, die "Likes" zu "Heimatpartei" und "Hitler-Machwerk" doch noch aufzufinden. Eine Kontaktanfrage via Facebook blieb bislang unbeantwortet. (Es liegt nun eine Stellungnahme vor, vgl. Update unten)

Wem die Zusage zu einer solchen Veranstaltung inzwischen peinlich ist, der kann sie übrigens mit einem einzigen Klick an der richtigen Stelle widerrufen (auf der Veranstaltungsseite rechts oben). Dauerhaft Druck wird man auf Ölmultis ohnehin nur ausüben, indem man strikt preisbewusst tankt und das Auto öfter auch mal stehen lässt.

Update 18.30 Uhr: Der Initiator der Veranstaltung hat sich auf der Facebook-Seite von n-tv und auch in seinem Profil zu Wort gemeldet. Dort heißt es unter anderem: "Leider hat es auch nicht lange gedauert, bis sich einige Personen auf mein Profil eingeschossen haben. "Likes" zur "NPD" und zu Hitlers "Mein Kampf" seien dort zu finden (gewesen). Dies lasse ich alleine schon wegen der Bildbeweise unwidersprochen stehen – dazu muss aber erwähnt werden, das jeder von euch sicher auch eine Sturm und Drang-Phase erlebt hat. Meine gipfelte in diesen "Likes", die dort die letzten beiden Jahre unbeanstandet stehen blieben. Hierzu möchte ich sagen das ich weder Hitlers Mein Kampf gelesen habe (kenne nur Ausschnitte aus den Lesungen von Serdar Somuncu! - einen der besten Entertainer Deutschlands). Auch stehe ich der NPD weder als Mitglied noch als Unterstützer nahe."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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