Mittwoch, 24. März 2010
Angst vor Massaker-Video: CIA jagt Wikileaks
Klaus Wedekind
Die CIA versucht offenbar die Veröffentlichung eines Videos auf der Whistleblower-Plattform Wikileaks zu verhindern. Der Film soll Bilder eines Massakers zeigen, an dem der US-Geheimdienst beteiligt war.Wie Winfuture berichtet, melden Mitglieder über den offiziellen Wikileaks-Twitter-Kanal, dass sich CIA-Agenten an die Fersen von Mitgliedern der Plattform geheftet hätten. Sie würden beschattet, behindert, gefilmt und fotografiert. Auch isländische Behörden sollen an den Operationen beteiligt sein.
Kopf und einziger namentlich bekannter Betreiber der Plattform ist der australische Journalist Julian Assange. Ihm sollen zwei Personen mit US-Diplomatenausweisen von Island nach Norwegen gefolgt sein. Ein Wikileaks-Mitglied wurde angeblich für 22 Stunden festgehalten und sein Computer beschlagnahmt. Auch von heimlich aufgenommenen Fotos ihrer Treffen, die man ihnen gezeigt hätte, berichten die Whistleblower.
Veröffentlichung am 5. April
"Wenn uns etwas passiert, wisst Ihr warum", steht in einem Tweet. "Es geht um unser Video." Der Film zeigt offenbar Bilder eines Luftangriffs, bei dem im vergangenen Jahr viele Menschen getötet wurden. Angeblich waren das US-Verteidigungsministerium und die CIA daran beteiligt und versuchen jetzt, die Veröffentlichung des Videos zu verhindern. Wikileak lässt die US-Behörde aber wissen, "dass sie damit niemals durchkommen" werden. Am 5. April will Wikileak das Video veröffentlichen.
Wikileaks ist eine so genannte Whistleblower-Organisation. "Whistleblower" weisen auf Missstände, Korruption, illegale Aktionen oder Gefahren hin, die unter den Tisch gekehrt werden sollen. Wikileaks ist eine Internet-Plattform, auf der jeder anonym Dokumente veröffentlichen kann. Zensur wird strikt ausgeschlossen. Gegründet wurde WikiLeaks nach eigenen Angaben von chinesischen Dissidenten, Journalisten und Mathematikern sowie Technikern von Startup-Unternehmen aus den USA, Taiwan, Europa, Australien und Südafrika. Fünf Personen arbeiten fest, aber unbezahlt für Wikileaks. Der einzige, der in der Öffentlichkeit auftritt, ist Julian Assange. Die Plattform finanziert sich durch Spenden von Privatleuten.
US-Strategie gegen Wikileaks
Erst kürzlich wurde bekannt, dass sich die Spionageabwehr der USA bereits seit zwei Jahren mit Wikileaks beschäftigt und eine Strategie zu dessen Bekämpfung verfolgt. Aus einem bei Wikileaks veröffentlichten Dokument geht hervor, dass die Plattform als Gefahr für das US-Militär betrachtet wird. Kern der Strategie gegen Wikileaks ist, die Identität der Informanten aufzudecken.
"Die Identifikation, Bloßstellung, der Arbeitsplatzverlust von oder ein juristisches Vorgehen gegen aktuelle oder frühere Insider, Informanten oder Whistleblowers" könne das Vertrauen gegenüber der Plattform beschädigen oder gar gänzlich zerstören, hieß es. Andere würden dann davor zurückschrecken, Informationen zu übermitteln.
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