Technik

Apple macht ein Fass auf: Das Märchen vom iPhone 4G

Klaus Wedekind

Immer das gleiche Spielchen: Bevor Apple ein neues Produkt vorstellt, füttert es die Presse mit gezielt gestreuten Gerüchten, um möglichst viel Gratis-PR zu bekommen. Weil das auf die Dauer langweilig wird und das neue iPhone kein Brüller ist, hat sich Apple etwas ganz besonderes einfallen lassen: O'zapft is!

Irgendwie passt das: Apples Erlkönig im Bett fotografiert.
Irgendwie passt das: Apples Erlkönig im Bett fotografiert.(Foto: Gizmodo)

Unscharfe Fotos, die angeblich in chinesischen Fabriken heimlich von Mitarbeitern geschossen wurden, interessieren höchstens noch die ganz eingefleischten Apple-Fans. Auch Patentzeichnungen von angeblich im nächsten Gerät geplanten phantastischen Neuerungen schaffen es nicht mehr in die vorderste Medien-Front.

So werden die üblichen "Geheimfotos" der neuen iPhone-Generation schon seit einigen Tagen im Internet angeboten. Doch eine Frontkamera, ein Blitz (Wunderwerk der Technik!) und ein paar Kleinigkeiten mehr sind halt keine Schlagzeilen wert. Das hat jetzt offenbar auch Apple erkannt und die PR-Strategen in Cupertino haben sich eine Geschichte ausgedacht, die eigentlich nur Betrunkene für voll nehmen können.

Besoffener Geheimnisträger

Der deutsche Bier-Tempel ist nur rund 30 Kilometer von Apples Zentrale in Cupertino entfernt.
Der deutsche Bier-Tempel ist nur rund 30 Kilometer von Apples Zentrale in Cupertino entfernt.(Foto: Haus Staudt)

Ein Softwareentwickler soll am 18. März im deutschen Bier-Restaurant "Haus Staudt" im kalifornischen Redwood im Suff einen getarnten Prototypen des iPhone 4G auf dem Tisch liegen gelassen haben. Ein anderer fröhlicher Zecher soll das Telefon an sich genommen und versucht haben, den Besitzer ausfindig zu machen. Angeblich hat aber keiner der zwischen Toilette und Bierbank pendelnden Kerle das iPhone haben wollen, weshalb der ansonsten ehrliche Finder das iPhone mit in sein Hotelzimmer nahm.

Erst am nächsten Tag sei ihm aufgefallen, dass das Telefon nicht wie ein normales iPhone 3G aussieht, geht das Märchen weiter. Eine Frontkamera! Nüchtern soll es dem jungen Mann dann gelungen sein, die Tarn-Blende abzunehmen und den Erlkönig in seiner ganzen Pracht zu sehen. Telefonieren habe er nicht können, berichtete er später. Apple habe das iPhone über den Dienst MobileMe ferngesteuert abgeschaltet.

Premiere: Apple bestätigt Echtheit

Apple bestätigt durch seinen Brief die Echtheit des Prototyps.
Apple bestätigt durch seinen Brief die Echtheit des Prototyps.(Foto: Gizmodo)

Was für eine unglaubliche Geschichte! Aber es wird noch schlimmer: Der ehrliche Finder soll verzweifelt versucht haben, jemanden bei Apple ans Telefon zu bekommen, der ihm das seltsame iPhone abnimmt. Vergeblich.

Schließlich landete der Prototyp beim Internet-Magazin Gizmodo, das mit der Geschichte seine Besucherzahlen kräftig nach oben trieb und für eine weltweite Verbreitung des bierseligen iPhone-Märchens sorgte.

Bilderserie

Gizmodo spielte großartig mit, veröffentlichte sogar den Namen des "unglücklichen" Softwareentwicklers und bat Apple, den armen Kerl gnädig zu behandeln. Vorerst letzter Akt des lächerlichen Schauspiels: Apple bettelt schriftlich um die Rückgabe des Geräts. Gizmodo freut sich über das indirekte Echtheitszertifikat, veröffentlicht den Brief und bietet Apple an, Ort und Zeit der Übergabe auszuhandeln. Wer's glaubt, wird seelig.

Video

Quelle: n-tv.de

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