Technik
Menschen können an der Oberfläche nur noch mit Masken überleben.
Menschen können an der Oberfläche nur noch mit Masken überleben.(Foto: Deep Silver / 4A Games)
Samstag, 18. Mai 2013

"Bringen zu Ende, was wir angefangen haben": Der atomaren Apokalypse folgt der Krieg

Von Roland Peters

2013 ist das Jahr des eskalierten Atomkonflikts. Die explodierenden Sprengköpfe fegen die Menschheit von der Erdoberfläche. In der Moskauer Metro entbrennt unter den letzten Überlebenden ein Bürgerkrieg. Inmitten von Mutanten, Kommunisten und dem "Vierten Reich" der Nazis steht der Spieler mit der Waffe in der Hand - und versucht, die Existenz der Menschheit zu sichern.

Die Schreie von Frauen und Kindern, von Soldaten, die sie nicht durchlassen wollen, sie zurückhalten, mischt sich mit Sirenengeheul. Das Jahr 2013 in Moskau: Die Atomraketen sind kurz vor dem Einschlag. Dann schließt sich das große Eingangstor der Metro. Einige gerettet im Dunkel, während auf den Straßen der russischen Hauptstadt Haut, Haar und Mauern im gleißenden Licht der Explosionen untergehen. Und der Rest der Welt mit ihnen.

"Metro 2033" heißt der Roman, den Dmitri Gluchowski im Alter von 19 Jahren schrieb und der eine Analogie auf die russische Gesellschaft ist. Er verkaufte sich Millionen Mal. Das Buch beschreibt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion "die plötzliche Freiheit, jede Ideologie wählen zu können", wie Gluchowski im Gespräch mit n-tv.de sagt. Er erzählt es konzentriert in den Tunneln und Stationen der Untergrundbahn.

Unter der Oberfläche kämpfen die verbliebenen Menschen ums Überleben.
Unter der Oberfläche kämpfen die verbliebenen Menschen ums Überleben.(Foto: Deep Silver / 4A Games)

Auch ein Computerspiel, einen Ego-Shooter gibt es unter dem gleichen Titel. "Metro Last Light" ist nun die Fortsetzung - und der Fehler des Protagonisten Artjom aus dem ersten Teil der Spross der Geschichte des zweiten.

Allgegenwärtiger Rassismus

Von den "Schwarzen", Mutanten, die an der vom Atomkrieg zerstörten Oberfläche lebten, gibt es keine mehr. Artjom hatte sie, ebenso wie die Menschen sich zuvor fast selbst, zum Ende des ersten Teils mit Atomraketen ausgelöscht. Dachte er. Doch dann wird nahe ihres früheren Lagers am Botanischen Garten in Moskau ein lebendes Exemplar gesichtet.

Während Artjom inzwischen weiß, dass die Wesen nur mit ihm Kontakt aufnehmen wollten, um eine Koexistenz zu ermöglichen, fordert Colonel Miller, dass der "Schwarze" getötet wird. "Wir bringen zuende, was wir angefangen haben", sagt er, und schickt den Spieler mit seiner Tochter, einer Scharfschützin, gemeinsam an die verseuchte Oberfläche. Die Metapher des Rassismus, wie so häufig in Science Fiction, ist allgegenwärtig. Die Angst vor dem Unbekannten, die resultierende Tendenz zu Gewalt und die Schwäche der humanistischen Argumentation im Moment der reinen Überlebensfrage.

Das Ziel heißt D6

Gluchowski wehrt sich, "Metro 2033" sei kein Sci-Fi, die Romanvorlage vielmehr "im Goethe'schen Sinne ein Bildungsbuch"; die Geschichte eines Jungen, der sich in ein Abenteuer aufmache, um am Ende ein Mann zu werden. Sie wirft die Frage auf, ob die Menschheit nach einer globalen, nuklearen Apokalypse noch eine Aufgabe haben kann.

Das "Reich" der Nazis besteht aus Tunneln und Metrostationen.
Das "Reich" der Nazis besteht aus Tunneln und Metrostationen.(Foto: Deep Silver / 4A Games)

Zumindest ihre verschiedenen Fraktionen im subterranen Metro-Universum wollen das Gleiche. Da gibt es die Kommunisten, die - wenig überraschend - über die Rote Linie der Metro herrschen. Und da gibt es die Nationalsozialisten, die in ihrem "Vierten Reich" behaupten, anhand von Maßen des Kopfes feststellen zu können, ob jemand ein Mutant ist - oder der reinen Rasse angehört. Jede Fraktion für sich will die Kontrolle über D6: Eine unterirdische Anlage, in der sich Essen, Medizin und Waffen für Jahrzehnte befinden sollen.

"Das Spiel handelt davon, dass die Menschen nicht aus ihren Fehlern der Vergangenheit lernen", so Gluchowski. Dabei sei es egal, dass sie zuvor bereits die Apokalypse verursacht hatten. "Sie machen einfach weiter", sagt der Autor. Metro Last Light ist ein Shooter, aber vor auch eine Geschichte der Menschheit, die sich trotz drohender Ausrottung in zivilisatorischer und evolutionärer Dekadenz übt. Erzählung und Spiel sind so eng miteinander verzahnt, dass sie nicht trennbar sind. Ein packendes Duett.

Unverhoffte Werbung aus Nordkorea

Für Gluchowski und sein Spiel kommt das reale Säbelrasseln aus Nordkorea nicht ungelegen – es setzt das Thema Atomkrieg auf die Agenda. "Wir müssen uns bei Kim Jong Un bedanken", sagt der Autor. Der nordkoreanische Diktator habe offenbar einen Deal mit dem Kreml, "mit seinen Drohungen gratis für Metro Last Light zu werben."

Gibt der Spieler dem nach, erlebt er im Moskauer Tunnelgeflecht, wie ein Bürgerkrieg unter der Erde entbrennt. Auch wenn zwanzig Jahre nach der nuklearen Katastrophe der Welt mehr als je zuvor egal ist, dass es die Menschen überhaupt gibt.

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Quelle: n-tv.de

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