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Als einen Schritt in die "Zukunft des Spielens" bezeichnet Sonys Chef der Unterhaltungssparte, Andrew House, die neue PS 4.
Als einen Schritt in die "Zukunft des Spielens" bezeichnet Sonys Chef der Unterhaltungssparte, Andrew House, die neue PS 4.(Foto: picture alliance / dpa)

Sonys geheimer "großer Wurf": Die Playstation 4 ist (fast) da

Nach fünf Jahren Entwicklungszeit stellt Sony seine neue Playstation vor. Mit dem lang ersehnten Nachfolger des einstigen Kassenschlagers PS 3 will der kriselnde japanische Konzern nichts weniger als den Schritt in die "Zukunft des Spielens" schaffen. Sony gibt sich deshalb geheimnisvoll.

Sony hat in einem Präventivschlag gegen Microsoft eine neue Videospielkonsole enthüllt - und ist dabei einiges schuldig geblieben. Die mit großer Spannung erwartete Playstation 4 soll die mittlerweile in die Jahre gekommene Playstation 3 ablösen und den Rückgang der Nutzerzahlen eindämmen. Die neue Konsole wird sich neben Nintendos Wii U vor allem gegen Microsofts überarbeitete XBox behaupten müssen, die in diesem Sommer erwartet wird. Und das ist der Haken, denn enthüllt wurde die neue Konsole noch nicht. Beobachter erklärten dies damit, dass das Unternehmen Wettbewerbern keinen Einblick geben wolle. Der Sony-Konzern will das neue Spielekonsolen-Flaggschiff erst gegen Weihnachten in den Handel bringen.

Einen Preis blieben die Japaner bei der feierlichen Präsentation in New York ebenfals schuldig. Aller Erfahrung nach werden neue Versionen der Spielekonsolen für etwa 400 bis 500 Dollar (rund 300 bis 375 Euro) auf den Markt gebracht. Gefragte Spiele kosten um die 60 Dollar.

Eine der auffälligsten Neuerungen besteht darin, dass Wunschtitel direkt aus dem Internet heruntergeladen werden können und mit dem Spielen schon begonnen werden kann, noch bevor der Download vollständig abgeschlossen ist. Auch lassen sich Videos und Fotos aus dem laufenden Spiel durch einen Knopfdruck am neuen Controller ohne Umwege mit Freunden teilen.

Gelegenheitsspieler im Visier

Die Playstation 4  sei ein Schritt in die "Zukunft des Spielens", sagte der Chef der Unterhaltungssparte des Unternehmens, Andrew House. "Nicht mehr das Wohnzimmer ist der Mittelpunkt, sondern der Spieler", führte er weiter aus. Das solle veränderten Spielegewohnheiten Rechnung tragen. Auch wird es möglich sein, begonnene Spiele auf der tragbaren Playstation Vita weiterzuspielen.

Sony antwortet damit auf die zunehmende Beliebtheit von Smartphones und Tablet-Computern insbesondere bei Gelegenheitsspielern. Die Titel lassen sich bequem online auf die mobilen Geräte herunterladen und sind dabei in der Regel auch noch wesentlich günstiger als Konsolenspiele aus dem Laden. Viele Menschen tummeln sich auch bei Facebook, wenn sie spielen wollen und errichten virtuelle Bauernhöfe bei "Farmville" oder ganze Städte bei "Cityville". Ziel ist Sony-Angaben zufolge, mit der neuen PS 4 "das mächtigste Spielenetzwerk der Welt" zu schaffen.

"Hochgezüchtete Evolution"

Die Playstation 4 bekommt die bekannte x86-Prozessorentechnik aus dem PC. "Aber hochgezüchtet", wie Chefentwickler Mark Cerny sagte. Der Vorgänger Playstation 3 basierte auf einer speziellen Chiparchitektur. Durch die höhere Rechenleistung werden noch realitätsnähere Grafiken möglich. Gartner-Analyst Michael Gartenberg sprach in einer ersten Reaktion auf Twitter allerdings von einer "Evolution, keine Revolution".

Die Playstation 3 ist seit Ende 2006 zu haben und verkaufte sich nach der Schätzung des Marktforschers IDC seitdem 77 Millionen Mal. Die Spielekonsole war zu ihrer Zeit revolutionär, besaß sie doch neben einem leistungsstarken Prozessor auch ein Blue-ray-Laufwerk. Allerdings war sie dadurch auch relativ teuer und wurde die ersten Jahre beim Absatz von Nintendos deutlich günstigerer Wii-Konsole überholt. Zuletzt war Microsofts XBox 360 die bestverkaufte Spielekonsole, vor allem seit der Konzern seine Bewegungssteuerung Kinect herausgebracht hat.

Mit dem Einblick in die ersten technischen Details kommt Sony dem Rivalen Microsoft zuvor, dessen Xbox 360 ebenfalls in die Jahre gekommen ist. Beobachter erwarten, dass der Windows-Hersteller auch bis zum Jahresende einen Nachfolger präsentieren wird.

"Sony braucht den großen Wurf"

Für Sony ist ein Erfolg der Playstation 4 wichtig, in die der Konzern fünf Jahre Entwicklungszeit investiert hat. Der japanische Elektronikriese schreibt unter dem Druck von Rivalen wie Apple oder Samsung seit geraumer Zeit Verluste. Allein im Geschäftsjahr 2012 machte das Unternehmen einen Rekordverlust von umgerechnet 4,3 Mrd. Euro. Konzernchef Kazuo Hirai kündigte die Streichung von 10.000 Stellen an, außerdem veräußerte er Prestige-Immobilien in New York und Tokio.

Das Spielegeschäft alleine war im zurückliegenden Weihnachtsquartal wegen schwacher Playstation-Verkäufe um 15 Prozent zurückgegangen. In dem Ende März abschließenden Geschäftsjahr hofft Sony erstmals seit fünf Jahren wieder auf einen Gewinn. "Sony  braucht mit dieser Spielekonsole den großen Wurf", sagte James  McQuivey vom Marktforschungsunternehmen Forrester.

Die Sony-Aktie reagierte im asiatischen Handel am Donnerstag mit einem Kursrückgang. An der Börse in der japanischen Hauptstadt Tokio verloren die Papiere des Konzerns mehr als  1,5 Prozent.

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Quelle: n-tv.de

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