Technik
Sicherheit ist das Schlagwort bei "Mega".
Sicherheit ist das Schlagwort bei "Mega".(Foto: mega.co.nz / Screenshot n-tv.de)

"Es lebe Neuseeland!": Dotcoms "Mega" kämpft mit Ansturm

Von Roland Peters

Er ist gegen Kaution auf freiem Fuß, soll von illegalen Inhalten auf seiner Internetplattform Megaupload gewusst und sie geduldet haben: Kim "Dotcom" Schmitz. Nun ist das Nachfolgeprojekt "Mega" online. Die Server ächzen unter dem Ansturm der Nutzer.

"Nach drei Tagen ist 'Mega' die größte .co.nz-Website überhaupt. Es lebe Neuseeland!", jubelt Kim "Dotcom" Schmitz über seinen Megaupload-Nachfolger. Der Quell, der auf Twitter geteilten Freude, ist ein Screenshot der Web-Statistiker von Alexa, der für den Speicherdienst eine drei Mal höhere Reichweite als für google.co.nz anzeigt. Alexa, eine Tochterfirma von Amazon, nutzt mehrere Quellen für ihre Popularitätsangaben; welche genau, ist Betriebsgeheimnis.

Der Start des Cloud-Service "Mega" von Kim Schmitz alias Dotcom verläuft jedoch ziemlich holprig. Für die Anlaufschwierigkeiten entschuldigte sich der von den USA wegen Verbreitung von Raubkopien gesuchte Deutsche. Grund sei das riesige Interesse weltweit an Mega: Die Seite sei einfach überlastet. "Die massive weltweite Berichterstattung über den Start von #Mega ist einfach zu groß für unser Start-up. Ich entschuldige mich für die schlechte Service-Qualität."

Sein Team arbeite "rund um die Uhr" und werde die Anlaufschwierigkeiten binnen 48 Stunden beheben, erklärte Dotcom. Bei einer Stichprobe von n-tv.de landete eine sechs Megabyte große Datei in rund sechs Minuten auf den Servern des Dienstes – eine einigermaßen akzeptable Hochladezeit, die jedoch bei größeren Dateien oder Datenmengen zu langen Wartezeiten führen kann.

Dropbox im Visier

Mega-Präsentation zum Auftakt: Kim "Dotcom" Schmitz.
Mega-Präsentation zum Auftakt: Kim "Dotcom" Schmitz.(Foto: AP)

Der Reichweite von Dropbox, dem großen Konkurrenten für Online-Datenspeicher, kommt der Cloud-Service den Angaben von Alexa zufolge ebenfalls nahe. Die aufeinanderzulaufenden Kurven könnten erklären, was derzeit passiert: Die Dropbox-Nutzer laufen "Mega" in die Arme. Dort garantiert das Designteam aus vier geschwärzten Köpfen – außer Kim Dotcom alle im Anzug –  zweierlei: Simples Teilen von kompletten Ordnern mit anderen Nutzern durch denjenigen, der die Daten hochgeladen hat; zudem eine gesonderte Funktion, um Inhalte besonders sicher zu empfangen.

Nutzer können sich dafür auf "Mega" über eine Kontaktliste verknüpfen. Auch Dateilinks der Inhalte können verschickt werden. Ein Nutzerkonto ist für das Herunterladen nicht nötig.

Schmitz hatte seinen Speicherdienst am Sonntag mit großem Pomp gestartet, dem Jahrestag seiner Festnahme in Neuseeland. Der gebürtige Deutsche war am 20. Januar 2012 verhaftet worden, weil die USA ihm vorwerfen, er habe mit seinem Dienst Megaupload von der Verbreitung illegaler Raubkopien profitiert. Er kam gegen Kaution auf freien Fuß. Die USA verlangen seine Auslieferung, eine Anhörung soll im August stattfinden.

Verschlüsselung und Dateidownload

Das Konzept von "Mega" könnte ein Hinweis darauf sein, dass diese Vorwürfe Kim Dotcom ins Grübeln gebracht haben. So soll die neue Plattform über ein ausgeklügeltes Verschlüsselungssystem verfügen. Ausführlich werden die technischen Details der Plattform auf der Seite erklärt. Die Nutzer, nicht aber die Betreiber der Seite, sollen wissen, welche Daten die Nutzer speichern und weitergeben, heißt es. Theoretisch könnten die Betreiber so nicht für illegale Kopien verantwortlich gemacht werden.

Schmitz beteuerte bei der Eröffnungsparty, nichts sei an "Mega" illegal. Wichtig seien seinen Mitstreitern und ihm das "Menschenrecht" Privatsphäre im Internet. Für jedes Nutzerkonto bei "Mega" wird ein eindeutiger Schlüssel nach dem RSA-Algorhythmus in 2048 Bits generiert. Der kann verwendet werden, um Dateien direkt zu versenden und zu empfangen. Die reguläre, schwächere Verschlüsselung für die Daten im Cloudsystem ist AES mit 128 Bit.

Die Geschäftsbedingungen sind allerdings nicht so eindeutig wie Schmitz' Aussage. So werden IP-Adressen der Besucher gespeichert; wie lange, wird nicht erwähnt. Auch "Kommunikations-Logs", "Verkehrsdaten" und "Seitennutzung" werden demnach gespeichert. Diese Informationen verwendet "Mega" für Werbung auf der Seite sowie für "Markt- und Produktforschung". Die Daten könnten nur an "autorisierte Wiederverkäufer und Diensteanbieter" weitergegeben werden. Was dies genau heißt, ist unklar.

Abhalten lassen sich die Nutzer von diesen Klauseln offenbar nicht: Eine Million Menschen sollen sich bereits am Sonntag auf der neuen Seite getummelt haben; eine halbe Million hätten sich zu diesem Zeitpunkt bereits registriert, sagte Schmitz.

Quelle: n-tv.de

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