Technik

Gebaut, um kaputtzugehen: Flachbildfernseher leben kurz

Die Zeiten, als man für Flachbildfernseher vierstellige Beträge ausgeben musste, sind vorbei. 630 Euro ließen sich Kunden ihre neuen Geräte im letzten Jahr kosten. Doch die Technik wird nicht nur billiger, sie wird auch tückischer. Viel genutzte Flachbildgeräte geben oft schon nach drei oder vier Jahren den Geist auf. Eine Reparatur lohnt sich kaum noch.

Nur in vier Prozent aller Haushalte steht überhaupt kein Fernseher.
Nur in vier Prozent aller Haushalte steht überhaupt kein Fernseher.

Vor einigen Jahren galten sie noch als Luxus, heute sind Flachbildfernseher Standard in deutschen Wohnzimmern: Anfang 2011 besaßen 49 Prozent aller privaten Haushalte einen Flachbildfernseher, meldet das Statistische Bundesamt. Ein Jahr zuvor waren erst 37 Prozent, also ein gutes Drittel. Für manche ist es schon das zweite oder gar dritte Gerät dieser Art, denn im Schnitt werden LED- und Plasmafernseher Fernseher schon nach sechs Jahren ausgetauscht, das hat der IT-Verband Bitkom herausgefunden. Röhrenfernseher waren zwar nicht unbedingt eine Anschaffung fürs Leben, wurden – und werden – in der Regel aber immerhin zehn Jahre lang genutzt.

Die neue Wechselfreudigkeit hat mehrere Gründe. Bei der Flachbild-Technik ist vieles in Bewegung, Innovationen wie HD-TV, 3D oder Internet lassen Vorgängermodelle alt aussehen, auch wenn sie erst wenige Jahre auf dem Buckel haben. Die Bildqualität hat sich verbessert, außerdem sind neue Modelle oft noch sparsamer, flacher, größer - und dazu auch noch günstiger: 2011 zahlten Kunden im Schnitt rund 630 Euro für ein neues Gerät, ein Jahr zuvor waren es noch 830 Euro.

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Allerdings erfolgt der Wechsel oft nicht ganz freiwillig. Von ihrem Fernseher dürften sich die meisten Menschen nicht deshalb trennen, weil es inzwischen noch bessere Geräte gibt, sondern weil er kaputt ist. Wer sich in Verbraucher- und Technikforen im Netz umsieht, findet reichlich Berichte von Leidgeplagten, deren Fernseher schon nach wenigen Jahren erste Defekte zeigen oder ganz den Geist aufgeben.

Eine Erfahrung, die auch Fachleute, zumindest hinter vorgehaltener Hand, bestätigen. Dem IT-Portal Golem.de sagte ein Techniker des  Berliner TV-Reparaturunternehmens Atlas Multimedia, Flachbildfernseher würden bei durchschnittlichem Gebrauch von fünf Stunden täglich etwa drei bis vier Jahre halten. "Das ist unabhängig von der Marke so, egal ob Toshiba, Sony, Samsung oder Philips. Die sind alle so gebaut, dass sie schnell kaputtgehen." Ein gutes Modell mit langer Lebensdauer zu finden sei "reine Glückssache".

Geplante Veraltung

Manchmal sind es gar keine großen Defekte, von denen die teure Technik lahmgelegt wird. Das zeigt etwa ein Blick auf die Seite murks-nein-danke.de, auf welcher der Betriebswirt Stefan Schridde solche Beispiele geplanter Veraltung sammelt. Etwa das des Kunden, dessen zweieinhalb Jahre alter Samsung-LCD-TV nach dem Einschalten ein nerviges Klackern von sich gab. Die Ursache war nach einer Internetrecherche schnell gefunden: Der Hersteller hat im Netzteil - fahrlässig oder mit Absicht - billige Standard-Elektrolytkondensatoren verwendet, statt der wenige Cent teureren hochwertigen Bauteile. Im freien Handel sind sogar schon Reparatur-Sets für diesen weit verbreiteten Fehler erhältlich. Kostenpunkt: elf Euro. Wer sich nicht selbst an die Technik herantraut, hat allerdings schlechte Karten: Ein Samsung-Reparaturbetrieb hat einen Kostenvoranschlag über 530 Euro abgegeben – da kaufen sich viele lieber gleich einen neuen Fernseher.

Das bestätigt auch der Techniker bei Golem.de: Nur bei einem von zehn defekten Geräten werde heute noch eine Reparatur in Auftrag gegeben. Das liegt zum Teil an überteuerten Ersatzteilen, die mitunter gar nicht mehr verfügbar sind. Für LED- oder Plasmapanels etwa würden die Hersteller mehr verlangen, als das neue Gerät gekostet hat, so der Fachmann. Kein Wunder also, dass kaputte Bildschirme nie ausgetauscht werden, obwohl das theoretisch möglich wäre. Hinzu kommt, dass die Reparatur an sich nicht unbedingt billig ist. Während die Fernseher in automatisierten Prozessen in Billiglohnländern zusammengesetzt werden, schraubt bei der Reparatur eine gut bezahlte Fachkraft am einzelnen Gerät herum. Kommen dann noch Transportkosten hinzu, lohnt sich die Sache kaum noch. Und so enden viele Flachbildfernseher mit kleinen Defekten schon nach wenigen Jahren  als Elektroschrott.       

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Quelle: n-tv.de

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