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Das Samsung Galaxy Note Edge hat an der rechten Seite ein gebogenes Display.
Das Samsung Galaxy Note Edge hat an der rechten Seite ein gebogenes Display.(Foto: kwe)

Samsungs Kurvenwunder im Test: Galaxy Note Edge ist keine Spielerei

Von Klaus Wedekind

Samsung verkauft jetzt sein Kurvenwunder Galaxy Note Edge auch in Deutschland. Im Test zeigt das Smartphone mit dem Extra-Display in der gebogenen Seite, dass es mehr als eine Spielerei ist. Die erste Nachrichten-App, die das Extra-Display nutzt, ist die von n-tv.

Lange Zeit war es nicht sicher, ob Samsung das Anfang September auf der IFA in Berlin vorgestellte Galaxy Note Edge auch in Deutschland verkaufen wird oder ob das Smartphone mit einseitig gebogenem Bildschirm nur eine Studie ist, die höchstens in kleiner Stückzahl in Südkorea auf den Markt kommt. Doch nachdem sich in einer PR-Aktion mehr als 160.000 Menschen dafür aussprachen, ist das außergewöhnliche Gerät jetzt doch in Deutschland zu haben. Aktuell bietet es Samsung "so lange der Vorrat reicht" als Premium Edition für rund 900 Euro an. Viel Geld für ein Smartphone, selbst wenn eine microSD-Karte mit 64 Gigabyte und eine Schutzhülle inklusive sind. Ab 1. Januar soll es frei im Handel verfügbar sein. Lohnt sich der Kauf?

Der geschwungene Rahmen ist aus Metall.
Der geschwungene Rahmen ist aus Metall.(Foto: kwe)

Technisch ist das Gerät größtenteils mit dem Galaxy Note 4 identisch und es bietet auch die gleichen raffinierten S-Pen-Funktionen. Den Unterschied macht das Display, das sich um die rechte Seite biegt. Das sieht großartig aus und fühlt sich auch fantastisch an. Die Finger möchten gar nicht mehr aufhören, über die glatte Rundung zu gleiten und man blickt immer wieder von der Seite auf den Bildschirm, der so anders ist als alle anderen Smartphone-Displays.

Mehr Platz auf dem Homescreen

Doch wäre der Bildschirm einfach nur gebogen, ließe die Faszination dafür vermutlich schnell nach und man hätte einfach nur viel Geld für ein außergewöhnliches Design ausgegeben. Aber Samsung hat das Display nicht einfach nur seitlich um 160 Pixel erweitert, sondern nutzt den zusätzlichen Platz an der Seite für eine separate Anzeige, die Platz schafft. Das Edge zeigt auf dem Seitendisplay eingehende Benachrichtigungen an und Nutzer können dort ihre bevorzugten Apps einzeln oder in Ordnern ablegen. So entfällt beim Homescreen die untere Leiste mit Kontakten, Telefon etc. und bei E-Mails oder SMS fährt kein Info-Fenster über laufende Apps. Und: Die Leiste ist immer zu erreichen, ohne das eine Anwendung unterbrochen werden muss.

So hat man die n-tv-Schlagzeilen immer im Blick.
So hat man die n-tv-Schlagzeilen immer im Blick.(Foto: kwe)

Zieht man den Extra-Bildschirm nach unten, hat man Schnellzugriff auf Diktierfunktion, Taschenlampe, Eier- und Stoppuhr sowie ein Lineal. Durch einen Wischer nach oben kommt man zu den Einstellungen des Seitendisplays, wo Nutzer unter anderem die Möglichkeit haben, weitere Panele hinzuzufügen und sie zu verwalten. Unter anderem sind Kontakt-Favoriten, Twitter-Trends, Schrittzähler, Yahoo-Nachrichten oder Samsungs Kalender S Planner im Angebot. Zwischen den Panelen wechselt man ganz einfach, indem man mit dem Finger nach links oder rechts streicht.

Die erste deutsche Nachrichten-App, die das Extra-Display des Galaxy Note Edge mit Inhalten versorgt, ist die von n-tv. Nutzer können sich dort die Schlagzeilen oder die aktuellen Börsenkurse anzeigen lassen und von dort schnell auf weitere Informationen zugreifen.

Die linke Hand tut sich schwer

Noch gibt es nicht sehr viele Apps, die die Leiste nutzen. Sollte sich das Konzept aber durchsetzen, könnten bald mehr Entwickler einen Blick zur Seite wagen. Im Test hat sich das Seitendisplay schnell als sehr praktisch herausgestellt. Vor allem der schnelle Zugriff auf favorisierte Apps, ohne eine Anwendung verlassen zu müssen, ist klasse. Das unterstützt auch die Ein-Hand-Bedienung des großen Smartphones. Allerdings nur dann, wenn es in der rechten Hand liegt. Hält man es mit der linken Hand, hat man keine Chance, die Leiste mit dem Daumen zu erreichen. Und Samsung könnte sich noch Funktionen für den Sperrbildschirm einfallen lassen.

Die Rückseite ist aus Plastik, der Akku wechselbar.
Die Rückseite ist aus Plastik, der Akku wechselbar.(Foto: kwe)

Nicht nur der seitliche Schwung ist Samsung vorzüglich gelungen. Das Display an sich ist absolute Spitzenklasse. Mit einer QHD-Auflösung hat der Hauptbildschirm wie beim Galaxy Note eine extrem hohe Pixeldichte von über 500 ppi, kann hell leuchten, zeigt realistische Farbe, tolle Kontraste sowie Schwarzwerte und gestattet sich auch bei extremen Blickwinkeln nur einen leichten Grünstich.

Die wichtigsten Spezifikationen
  • Prozessor: Qualcom Snapdragon 805, vier Kerne, 2,7 Gigahertz
  • Arbeitsspeicher (RAM): 3 Gigabyte
  • Interner Speicher: 32 Gigabyte, erweiterbar
  • Display: 5,6 Zoll, 2560 x 1440 (+ 160) Pixel, 524 ppi
  • Kameras: hinten 16 Megapixel, OIS, vorne 3,7 Megapixel
  • Akku: 3000 Milliamperestunden
  • LTE, NFC, Bluetooth 4.1
  • Sensoren: Beschleunigung, Gyro, Annäherung, Kompass, Barometer, Hall (Magnetfeld), RGB Umgebungslicht, Gesten (IR), UV, Fingerabdruck, Puls, Sauerstoffsättigung
  • Betriebssystem: Android 4.4.4
  • Maße: 151,3 x 82,4 x 8,3 Millimeter
  • Gewicht: 174 Gramm

Die Verarbeitung ist prima, ein Metallrahmen fasst das gebogene Display spaltfrei ein und keine Taste wackelt. Die Rückseite aus Kunststoff in Lederoptik trübt den hochwertigen Eindruck etwas. Aber schließlich gewährleistet sie einen wechselbaren Akku, ist grifffest und der Plastikdeckel sitzt perfekt, ohne zu knarzen.

Unterm Pracht-Display werkelt wie beim Galaxy Note 4 in der deutschen Version ein Qualcomm Snapdragon 805, der drei Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite hat. Entsprechend zackig geht das Gerät zur Sache und glänzt in Benchmark-Tests wie AnTuTu oder Geekbench 3. Der Akku ist mit 3000 Milliamperestunden etwas knapp bemessen und an langen oder verspielten Tagen ist man froh, eine Schnellladefunktion zu haben, die den Akku in rund 30 Minuten zur Hälfte füllt. Bleibt die Display-Helligkeit bei 50 Prozent, sind aber fast zwei Tage ohne Steckdose drin.

Auslöser im Seitendisplay

Die 16-Megapixel-Kamera mit optischem Bildstabilisator scheint die gleiche wie beim Note 4 zu sein. Die Qualität ihrer Aufnahmen ist allgemein sehr gut, sie fokussiert schnell und löst fast ohne Verzögerung aus. Klasse ist, dass auch hier das Seitendisplay zum Einsatz kommt. Samsung hat dort Auslöser, Einstellungen und Schnellzugriffe platziert. Wie das Note 4 hat das Edge eine lichtstarke Frontkamera, die Bilder mit 3,7 Megapixeln liefert und Gruppen-Selfies machen kann.

Unterm Strich ist Samsung mit dem Galaxy Note Edge wieder mal ein Smartphone gelungen, das wie das erste Note viele Nachahmer finden könnte. Die Extra-Anzeige im gebogenen Seitendisplay sieht nicht nur toll aus, sondern ist auch praktisch und bietet interessante neue Möglichkeiten. Dazu zeigt das Smartphone die gleichen S-Pen-Qualitäten wie alle Note-Geräte. Der Preis ist aber gepfeffert, auch mit den Extras der Premium Edition. Ob er in Zukunft so stark sinken wird, wie bei anderen Samsung-Flaggschiffen darf bezweifelt werden, dazu ist das Note Edge zu exklusiv. Aber das macht ja auch einen Teil seines Reizes aus.

Quelle: n-tv.de

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