Technik

Youtube auch betroffen?: Gema will 10 Prozent kassieren

Musikfans in Deutschland müssen bislang auf viele international beliebte Online-Dienste verzichten - die Vergütungsregeln schrecken viele Anbieter ab. Jetzt hat die Gema einen neuen Tarif für werbefinanzierte Angebote beschlossen. Die Verwertungsgesellschaft will rund zehn Prozent der Einnahmen an Urheber und Verlage verteilen.

Die Gema hat einen neuen Tarif für kostenlose Musik-Dienste im Internet veröffentlicht. Dieser richte sich vor allem an werbefinanzierte Plattformen, erklärte die Verwertungsgesellschaft in München. In Vergleich zur bisherigen Regelung sinken die Abgaben deutlich. "Mit diesem Tarif macht die Gema einen großen Schritt auf die Anbieter von unentgeltlich angebotenen Streamingdiensten zu", erklärte die Organisation.

Laut dem neuen Tarif fließen künftig 10,25 Prozent der Einnahmen eines Portals an die Gema, die diese dann an die Urheber und Verlage verteilt. Wenn zwischen Verwertungsgesellschaft und einem Verband - etwa der IT-Organisation Bitkom - ein Gesamtvertrag zustande kommt, sinkt der Anteil auf 8,2 Prozent. Zudem gibt es Mindestvergütungen, die zwischen 0,6 und 0,025 Cent pro abgespieltem Stream betragen - je nach Interaktivität der Dienste. Hier gibt es ebenfalls Rabatte. Bislang waren die Tarife deutlich höher.

Kürzlich hatten sich die Gema und der IT-Branchenverband Bitkom bereits auf eine Lizenzierung von kostenpflichtigen Musik-Abos im Netz sowie von Musik-Downloads geeinigt. Mit diesen Neuregelungen bestehe nun ein "neues, reformiertes Tarifsystem für praktisch alle Anwendungen und Geschäftsmodelle im Bereich Music-on-Demand", erklärte die Gema. Die Organisation wahrt die Urheberrechte von mehr als 64.000 Musikurhebern - also Komponisten, Textautoren und Musikverlegern.

Bitkom prüft Forderung

Der IT-Branchenverband Bitkom reagierte zurückhaltend auf die Ankündigung. "Werbefinanzierte Dienste werden von unserer bisherigen Einigung mit der Gema nicht umfasst", erklärte Mario Rehse, Bereichsleiter bei dem Verband. Darüber hätte der Bitkom gerne weiterverhandelt. "Die einseitige Tarifveröffentlichung der Gema war aber ein Szenario, mit dem wir rechnen mussten." Jetzt prüfe der Bitkom, wie er mit den neuen Forderungen umgehe.

Der Musik-Dienst Aupeo bewertet die neue Regelung vorsichtig optimistisch. Dieser Tarif werde bereits von Tochtergesellschaften der Gema angewendet und sei daher keine Überraschung. "Jetzt wissen wir aber endlich genau, woran wir sind", sagte der Lizenzverantwortliche von Aupeo, Steffen Holly. Einen weiteren Vorteil sieht er darin, dass künftig statt einer Pauschallizenzierung ein reichweitenabhängiges Modell möglich sei. Gesprächsbedarf bestehe noch bei der Einstufung der Interaktivät, die über die Höhe der Mindestabgabe entscheidet - dies könne aber kurzfristig gelöst werden.

Youtube lässt löschen

Möglicherweise ist auch Youtube direkt oder indirekt von dem Gema-"Angebot" betroffen. Bei einer Einigung wäre dann auch ein Geheimvertrag hinfällig, den das beliebte Videoportal laut "Spiegel Online" mit Universal Music geschlossen haben soll. Demnach erlaubt die Youtube-Mutter Google der Plattenfirma, direkt Inhalte zu löschen - offenbar nicht nur bei Urheberrechtsverletzungen.

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Quelle: n-tv.de

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