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Das Pixel C mit Tastatur-Cover.
Das Pixel C mit Tastatur-Cover.(Foto: kwe)

Pixel C ist der erste Eigenbau: Google zeigt, wie Tablet gehen soll

Von Klaus Wedekind

Das Pixel C ist das erste von Google selbst entwickelte und produzierte Android-Tablet, entsprechend hoch sind die Erwartungen an das Gerät. Ob es sie erfüllen kann, hat n-tv.de getestet.

Der Absatz von Tablets schwächelt zwar etwas, aber auch in diesem Jahr möchte laut Branchenverband Bitkom fast jeder dritte Deutsche ein Tablet schenken oder geschenkt bekommen. Wie in den Jahren zuvor wird Apple mit seinem iPad das größte Geschäft machen, außer Samsung kann da kein Android-Hersteller auch nur annähernd mithalten. Google will das ändern und verkauft daher jetzt mit dem Pixel C sein erstes selbst entwickeltes und produziertes Tablet: das Pixel C.

Hübsches Detail: Auf der Rückseite leuchten bei aktivem Display LEDs in den Google-Farben.
Hübsches Detail: Auf der Rückseite leuchten bei aktivem Display LEDs in den Google-Farben.(Foto: kwe)

Das Google-Tablet ist in jeder Hinsicht ein Oberklasse-Gerät. Das spürt man schon, wenn man es aus seinem Karton holt. Das Aluminiumgehäuse sieht nicht nur sehr schick und hochwertig aus, es fühlt sich auch so an. Die Verarbeitung ist tadellos, Lautstärke-Taste und Einschalter sitzen perfekt. Hier ist das Pixel C durchaus auf iPad-Niveau. Das 10,2 Zoll große Display ist mit einer Pixeldichte von 308 ppi sogar schärfer als der Bildschirm des Apple-Kontrahenten. Die Farben wirken kräftig und natürlich, die Kontraste sind scharf und die Blickwinkel-Stabilität vorbildlich. Das LCD kann auch schön hell leuchten, allerdings spiegelt das Glas sehr stark, was im Freien die Freude an dem klasse Display etwas trübt.

Stark, aber nicht das Stärkste

Der Prozessor des Google Pixel C ist Nvidias Tegra X1 in der 4-Kern-Version, der wie schon der Tegra K1 mit einer Maxwell-GPU grafische Höchstleistungen ermöglichen soll. Der Arbeitsspeicher des Tablets ist 3 Gigabyte groß. Im Test war das Pixel C durch keine App in Verlegenheit zu bringen, auch die aufwändigsten Spiele im Play Store bringen das Tablet nicht zum Stottern. Die Benchmark-Ergebnisse sind stark, aber nicht sensationell. In Geekbench 3 erzielte ein einzelner Kern des Tegra X1 rund 1450 Punkte, im Verbund kamen die vier Kerne auf etwa 4300 Punkte. Zum Vergleich: Das iPad Air 2 erreichte im Single-Core-Vergleich rund 1800 Punkte, den Multi-Core-Benchmark absolvierte es mit etwa 4500 Punkten. Im populären Android-Benchmark Antutu musste sich das Google-Tablet nur Huaweis neuem Phablet  Mate 8 geschlagen geben.

Die Tastatur sitzt relativ fest auf dem Tablet, für den Transport ist trotzdem eine extra Tasche empfehlenswert.
Die Tastatur sitzt relativ fest auf dem Tablet, für den Transport ist trotzdem eine extra Tasche empfehlenswert.(Foto: kwe)

Kaum leistungsbedingt können ein paar eigenartige Aussetzer sein, die sich das Gerät im Test geleistet hat: Sehr selten, aber nicht nur einmal hat der Touchscreen eine Berührung einfach ignoriert und erst beim zweiten Tipper reagiert. Dabei dürfte es sich um ein Software-problem handeln, das durch ein Update behoben werden kann.

Spendabler Akku

Um die Akku-Laufzeit fair beurteilen zu können, war die Testdauer viel zu knapp. Die mit 32,4 Wattstunden (9000 Milliamperestunden) recht potente Batterie macht aber bisher einen durchaus ordentlichen Eindruck. Laut Google soll das Pixel C mehr als 10 Stunden durchhalten und damit auf Augenhöhe mit den iPads liegen. Praktisches Detail: Über den USB-C-Eingang des Pixel C können Smartphones geladen werden – nicht nur Android-Geräte, auch das zuvor getestete Lumia 950 XL durfte am Google-Tablet tanken. Weniger praktisch und etwas enttäuschend ist, dass das Pixel C keinen Einsteck-Platz für microSD-Karten hat – schließlich werden sie unter Android 6 endlich als echte Speichererweiterung akzeptiert. So haben Käufer nur die Wahl zwischen 32- und 64-Gigabyte-Modell.

Die wichtigsten Spezifikationen
  • Prozessor: Nvidia Tegra X1, vier Kerne, bis zu 2 Gigahertz
  • Arbeitsspeicher: 3 Gigabyte
  • Interner Speicher: 32/64 Gigabyte
  • Display: LCD, 10,2 Zoll, 2560 x 1800 Pixel (308 ppi)
  • Kameras: hinten 8 Megapixel, vorne 2 Megapixel
  • Akku: 34,2 Wattstunden
  • Sensoren: Gyroskop, Beschleunigung, Näherung, Umgebungslicht, Kompass, Hall
  • USB-C
  • Bluetooth 4.1, WLAN 802.11 a/b/g/n/ac 2x2 MIMO
  • Betriebssystem: Android 6.0.1
  • Maße: 242 x 179 x 7 Millimeter
  • Gewicht: 517 Gramm

Über die 8-Megapixel-Kamera auf der Rückseite muss man nicht viele Worte verlieren. Sie ist für Schnappschüsse zu gebrauchen, mehr aber auch nicht – und das reicht bei einem Tablet völlig aus. Wichtiger ist bei solchen Geräten die Frontkamera für Videochats. Die ist beim Pixel C nicht schlecht, es gibt allerdings Tablets und Smartphones, die beim Skypen schönere Bilder liefern. Die beiden seitlichen Lautsprecher sind ebenfalls okay, optisch versprechen sie aber mehr als sie akustisch letztendlich bieten.

Standfestes Duo

So weit so gut. Doch das Pixel C nur als gewöhnliches Tablet zu nutzen, ist eigentlich nicht das, was Google sich für seinen ersten Eigenbau wünscht. Außergewöhnlich wird das Pixel C erst in Verbindung mit der passenden Tastatur, die zusammen mit dem Pixel C entwickelt wurde und daher ein perfektes Zusammenspiel garantieren soll. Das ist Google tatsächlich gelungen. Für den Transport "klebt" das Keyboard auf dem Display ziemlich fest an. Möchte man schreiben, zieht man das Pixel C ab und heftet es an der Magnetleiste an, die gleichzeitig ein stufenlos verstellbarer Standfuß ist. Die beiden Geräte koppeln sich automatisch via Bluetooth, nur beim ersten Mal muss die Verbindung eingerichtet werden. Liegt das Keyboard auf dem Display, wird es kabellos geladen.

Auch in dieser Haltung bleibt das Duo standfest.
Auch in dieser Haltung bleibt das Duo standfest.(Foto: kwe)

Im Einsatz steht das Duo auch mit weit nach hinten gelehntem Tablet stabil auf dem Tisch. Das erreicht Google nicht nur durch eine ideale Platzierung der Halterung, sondern auch durch eine mit knapp 400 Gramm ziemlich schwere Tastatur. Notfalls lässt sich so sogar auf dem Schoß tippen, auch wenn der Schreib-Komfort nicht mit dem eines Notebooks vergleichbar ist. Das Keyboard selbst überzeugt durch klar definierte Anschläge und viel Platz zwischen den Tasten und fühlt sich ebenso hochwertig wie das Tablet an. Es fehlt allerdings ein Touchpad, das in vielen Fällen praktischer wäre als den Touchscreen zu nutzen.

Google will nachlegen

Als Betriebssystem kommt  Android 6 zum Einsatz und wie Nexus-Geräte erhält auch das Pixel C Aktualisierungen kurz nachdem sie Google veröffentlicht hat. Bisher hat Google aber noch kein Update herausgebracht, das das Betriebssystem für Tablets attraktiver macht. Vor allem fehlt es an speziellen Funktionen und angepassten Apps für große Displays. Laut "9to5Google" plant das Unternehmen aber, schon bald via Update einen geteilten Bildschirm zu ermöglichen und kontinuierlich weitere Tablet-Verbesserungen zu liefern.

Das Pixel C kostet mit 32 Gigabyte internem Speicher rund 500 Euro, als 64-Gigabyte-Modell knapp 600 Euro, für die Tastatur sind 170 Euro fällig. Das ist viel Geld, aber Käufer bekommen dafür immerhin eine der besten Android-Tablet-Tastatur-Kombinationen, die derzeit angeboten werden. Als Tablet alleine betrachtet bietet das Pixel C zwar auch eine starke Hardware, wirkt aber etwas unvollkommen. Wenn Google wirklich zeigen möchte, wie das perfekte Android-Tablet aussehen sollte, muss es noch etwas zulegen.

Quelle: n-tv.de

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