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Nutzer sollten sich für die Datenschutzeinstellungen in Windows 10 Zeit nehmen.
Nutzer sollten sich für die Datenschutzeinstellungen in Windows 10 Zeit nehmen.(Foto: kwe)

Microsoft unter Spionageverdacht: Hat Windows 10 ein Datenschutz-Problem?

Von Klaus Wedekind

In die Begeisterung über Windows 10 mischt sich zunehmend Kritik an Microsofts angeblicher Sammelwut. Tatsächlich erfasst das Betriebssystem sehr viele Nutzerdaten. Warum macht Microsoft das und was können misstrauische Nutzer tun?

Schon vor dem offiziellen Start von Windows 10 am 29. Juli beschwerten sich Tester der Vorabversionen über die vielen von Microsoft gesammelten Daten. Hier schien die Aufregung allerdings noch weitgehend unbegründet, schließlich halfen sie als Teilnehmer des Insider-Programms freiwillig bei der Entwicklung des Betriebssystems mit. Doch Windows 10 greift auch in der finalen Version jede Menge Nutzerdaten ab. Das sind neben Name, Kontakt- und Anmeldedaten auch Informationen über das Nutzungs- und Kaufverhalten sowie Kontakte und Beziehungen. Microsoft sammelt außerdem Standortdaten und interessiert sich sogar für die Inhalte der Dateien und Kommunikationen seiner Nutzer sowie für deren bevorzugte Inhalte und andere Vorlieben in fast jedem Lebensbereich. Dazu gehören unter anderem der Verlauf der besuchten Seiten im Edge-Browser oder in Apps bevorzugte Sportmannschaften, beobachtete Aktien und andere Favoriten.

Aus dem Zusammenhang gerissen erscheinen die in Microsofts Datenschutzbestimmungen aufgezählten erfassten Informationen als völlig maßlos und unnötig und der Verdacht liegt nahe, das US-Unternehmen spioniere seine Nutzer im eigenen Interesse oder gar dem staatlicher Behörden aus. Völlig ausgeschlossen ist dies natürlich nicht, aber Microsoft sammelt die Daten eigentlich, um den Nutzern praktische und bequeme Dienste zur Verfügung stellen zu können, die die meisten von ihnen bereits von ihrem Smartphone kennen.

Smartphone-Nutzer kennen das

Standort- oder kontextbezogene Informationen sind ebensowenig eine Neuheit wie Dienste, die Nutzern einen Service aufgrund ihrer Gewohnheiten, Interessen und anderer Merkmale zur Verfügung stellen. Personalisierung nennt dies Microsoft. Um perfekt arbeiten zu können, benötigt die digitale Assistentin Cortana unter anderem Infos aus E-Mails, Text-Nachrichten, dem Kalender, den Kontakten und aus anderen Anwendungen. Nur so kann sie beispielsweise automatisch an bestimmten Orten oder zu bestimmten Zeiten Informationen zur Verfügung stellen, die der Nutzer voraussichtlich braucht. Ebenso benötigt Microsoft für die Verbesserung von Schreibfunktionen oder der Spracherkennung persönliche Daten. Außerdem wird unter Windows 10 ähnlich wie bei iOS und Android eine Werbe-ID generiert, um Vermarktern interessenbezogene Werbung zu ermöglichen, ohne die Identität des Nutzers preiszugeben.

Bilderserie

Diese Dienste und Funktionen sind in Mode, nicht neu und es ist grundsätzlich völlig in Ordnung, sie zur Verfügung zu stellen. Wofür Microsoft aber absolut zu Recht kritisiert wird, ist, dass sie voreingestellt sind. So sind bei Nutzern, die bei der Einrichtung von Windows 10 die Expresseinstellungen akzeptieren, alle Datensammler bis auf Cortana vollständig aktiv. Um die Einstellungen anzupassen, muss der Nutzer auf einen sehr klein geschriebenen Text klicken. Der bessere Weg wäre, wie bei Cortana die Dienste zunächst deaktiviert zu lassen, um den Nutzern dann die Wahl zu bieten, sie anzunehmen oder nicht.

Trotzdem ist die Aufregung etwas übertrieben, denn unter der Überschrift "Schnell einsteigen" schreibt Microsoft bei der Einrichtung eigentlich unmissverständlich, was Sache ist: "Durch Express-Einstellungen können Sie Sprache, Eingabe und Freihand personalisieren, indem Kontakt-, Kalenderdetails mit zugehörigen Eingabedaten an Microsoft gesendet werden". Außerdem steht dort der Hinweis, dass Betriebssystem und Apps Positionsdaten und -verlauf abfragen und die Werbe-ID verwendet wird.

Punkt für Punkt

Wer trotzdem die Express-Vorgaben übernommen hat, muss Windows 10 aber nicht neuinstallieren, sondern kann die erteilten Berechtigungen in den Einstellungen unter Datenschutz nachträglich schnell und relativ unkompliziert widerrufen. Ein Klick auf die blauen Schieberegler unter den nicht erwünschten Funktionen schaltet sie ab.

Die Datenschutzeinstellungen sind übersichtlich.
Die Datenschutzeinstellungen sind übersichtlich.(Foto: kwe)

Dabei sollten Nutzer aber nicht übers Ziel hinausschießen und alles blind deaktivieren. So ist es durchaus sinnvoll, im Browser per Smartscreening Gefahren abzuwehren. Es lohnt sich, zu jedem einzelnen Punkt die Informationen zu lesen und dann zu entscheiden, ob man die Funktion nutzen möchte oder nicht. Hier einige Tipps:

Empfehlenswert ist es, in den Einstellungen unter Netzwerk und Internet - WLAN - WLAN-Einstellungen verwalten die automatische Verbindung mit Hotspots zu deaktivieren. Die Funktion, sein Netzwerk automatisch für Kontakte freizugeben, ist grundsätzlich kein Problem, da keine Zugangsdaten preisgegeben werden und Freigaben zusätzlich noch bestätigt werden müssen. Notwendig ist die Funktion aber nicht und kann daher abgeschaltet werden, bis sie vielleicht mal benötigt wird.

In den allgemeinen Einstellungen führt ein Link zu einer Webseite, wo Nutzer personalisierte Anzeigen von Microsoft und anderen Unternehmen unterbinden können. Ein Klick auf die grüne Schaltfläche ermöglicht außerdem, Firmen von nutzungsbasierter Werbung (Präferenzmanagement) abzuhalten.

Völlig losgelöst

Wer möglichst wenig mit Microsoft teilen möchte, kann Windows 10 auch ohne Microsoft-Konto und die damit verbundenen Dienste verwenden. Dazu klickt man in den Einstellungen unter Konten - Ihr Konto auf Stattdessen mit einem lokalen Konto anmelden. Möchte man dies, sollte man unbedingt den Anweisungen zur Sicherung des Wiederherstellungsschlüssels folgen. Wer sich weiter mit einem Microsoft-Konto anmeldet, kann unter Einstellungen synchronisieren festlegen, was Windows 10 zu Microsofts Servern schickt - dazu gehören auch Passwörter.

Um Cortanas Freiheiten zurückzunehmen, geht man in den Einstellungen auf Spracherkennung, Freihand und Eingabe und wählt Kennenlernen beenden. Wahlweise tippt man ins Suchfenster "Cortana" ein und klickt dann auf Cortana & Sucheinstellungen. Danach ist es ebenfalls möglich, die Assistentin komplett zu deaktivieren und dann über den Link Alles, was Cortana über mich weiß, in der Cloud verwalten die gespeicherten Informationen zu löschen.

Schließlich hat auch der Browser Edge eigene Einstellungen für den Datenschutz. Sie stehen nach einem Klick auf die drei Punkte in der rechten oberen Ecke unter Einstellungen - Erweiterte Einstellungen zur Verfügung. Um der Verfolgung Werbetreibender zu entgehen, sollte hier "Do Not Track"-Anforderungen (nicht nachverfolgen) senden aktiviert werden. Wer möchte, kann hier auch auf Cortanas Unterstützung verzichten und über In Adressleiste suchen mit die Standard-Suchmaschine ändern. Dazu muss man zuvor aber die Homepage des gewünschten Dienstes besuchen.

Quelle: n-tv.de

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