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Kleiner Kamera-Würfel: Die Hero 4 Session ist kompakt und leicht.
Kleiner Kamera-Würfel: Die Hero 4 Session ist kompakt und leicht.(Foto: jwa)

Gopros Action-Würfel im Test: Hero 4 Session ist klein und wasserdicht

Von Johannes Wallat

Die Hero 4 Session ist die bisher kleinste und leichteste Gopro. Die Action-Kamera im Würfelformat ist wasserdicht, handlich und einfach zu bedienen. Aber kann sie das hohe Niveau der größeren Gopro-Modelle halten?

Auf dem Markt der Action-Kameras tummeln sich zahlreiche Hersteller, das Angebot ist ausufernd und schwer überschaubar. Unangefochtener Platzhirsch ist nach wie vor die US-amerikanische Firma Gopro. Nachdem im Herbst 2014 die neuen Modelle Hero 4 Silver und Hero 4 Black erschienen sind, legen die kalifornischen Action-Cam-Profis ein handliches Modell nach, das kompakter, leichter und wasserdicht (bis zu 10 Meter) ist. Die Session kann dabei zwar weniger als die Hero 4 Silver, kostet aber genau so viel.

Dank Frames kann die Session mit anderem Gopro-Zubehör genutzt werden.
Dank Frames kann die Session mit anderem Gopro-Zubehör genutzt werden.(Foto: jwa)

Auf den ersten Blick erscheint das wie ein schlechter Deal. Die Silver ist die erste Gopro mit Sucherbild und Touchdisplay. Sie zeichnet Videos mit höherer Bildrate und Fotos mit 12 Megapixeln auf und kann dank Langzeitbelichtung auch Nachtfotos machen. Die Session (Produktseite) filmt zwar auch in Full HD, knipst Fotos aber nur mit 8 Megapixeln, bietet weniger Anpassungsmöglichkeiten und hat im Dunkeln das Nachsehen. Ihr größter Vorteil: Sie ist die bisher kleinste und leichteste Gopro.

Der Würfel misst gerade  einmal 38 x 38 x 36 Millimeter und ist damit laut Herstellerangaben 50 Prozent kleiner als die anderen Modelle der 4er-Reihe und 40 Prozent leichter (74 Gramm). Im Outdoor-Einsatz, beim Extremsport und überall dort, wo klobige Kameragehäuse nur stören, kann die Session deshalb glänzen. Der Widerstand in Luft und Wasser ist gering, sie ist leicht und kann daher gut am Körper getragen werden. Im Standardpaket findet sich eine Halterung mit Kugelgelenk, außerdem zwei Gehäuse, sogenannte Frames, mit denen die Session an jeder herkömmlichen Gopro-Halterung befestigt werden kann.

Voller Zugriff nur mit App

Die ohnehin minimalen Bedienelemente der größeren Modelle wurden bei der Session noch weiter reduziert: Sie hat nur zwei Tasten und ein kleines, zweizeiliges Statusdisplay. Die große Taste reagiert auf kurzen und langen Druck. Einmal drücken reicht, um die Kamera einzuschalten und die Videoaufnahme zu starten. Dafür braucht sie rund vier Sekunden. Ein langer Druck startet die Zeitrafferaufnahme, dann nimmt die Session im festgelegten Abstand Fotos auf. Zeitraffervideos kann sie nicht, das bleibt den größeren Hero-4-Modellen vorbehalten.

Ein kleiner Knopf kontrolliert die Aufnahmen.
Ein kleiner Knopf kontrolliert die Aufnahmen.(Foto: jwa)

Alle weiteren Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten erreicht man nur über eine zusätzliche WLAN-Fernbedienung oder über die kostenlose App. Hier kann der Nutzer Aufnahmeparameter einstellen, bekommt ein Vorschaubild zu sehen, kann Aufnahmen starten und stoppen und den Inhalt der Speicherkarte ansehen und herunterladen. Die Verbindung per WLAN funktioniert gut, die Datenübertragung ist flott, das Sucherbild wird mit rund einer Sekunde Verzögerung übertragen.

Die Aufnahmemodi sind ähnlich wie bei anderen Gopro-Modellen, aber nach oben beschränkt: Es gibt verschiedene Auflösungen und Bildraten (fps). Bei Full-HD-Videos mit 30 fps und 8-Megapixel-Fotos ist aber Schluss. Das Feintuning "Protune" gibt es nur für Videos, Video und Fotos können nicht gleichzeitig aufgenommen werden. Die maximale Video-Bitrate ist mit 25 Megabit pro Sekunde niedriger als bei der Silver (bis zu 45 Mbit/s).

Abstriche bei der Qualität

Auch bei der Bildqualität fällt die Session ab. Videos und Fotos haben eine gute Bildschärfe, auch in den kritischen Randbereichen - das ist bei Weitwinkelobjektiven nicht immer der Fall. Die automatische Belichtungsmessung trifft den Mittelwert, neigt aber zu leichter Unterbelichtung bei gleichzeitig starken Kontrasten. Das fällt in dunklen Bildbereichen auf, in denen oft kaum noch Details zu erkennen sind. Die großen Hero-4-Modelle haben im Vergleich einen deutlich besseren Dynamikumfang und bieten ansprechendere Aufnahmen. Bei schlechten Lichtverhältnissen hat die Session ihre Schwierigkeiten. Die Helligkeit des Videobilds wird zu Lasten der Bildqualität künstlich hochgeschraubt, verwacklungsfreie Fotos aus der Hand wollen kaum gelingen.

Ein Bildstabilisator ist laut Herstellerangaben nicht verbaut, im Test schien aber ein digitaler Bildstabilisator seine Arbeit zu verrichten. Zwei wasserdichte Mikrofone nehmen den Schall von vorne und hinten auf, die Kamera entscheidet, welches des besseren Klang liefert, zum Beispiel um Fahrtwind und andere Störgeräusche aus einer Richtung abzudämpfen. Nach einem Tauchgang soll das Wasser schnell ablaufen, im Test schienen beide aber noch Wasser vor der Membran zu haben. Das Ergebnis: Dumpfer Klang wie unter Wasser.

Insgesamt ist die Hero 4 Session keine Sensation, eher gehobene Mittelklasse. Die Verarbeitungsqualität ist klasse, ihre Pluspunkte wie Größe und Gewicht, Wasserdichtigkeit, Bedienbarkeit und Formfaktor gehen auf Kosten von Bildqualität und Funktionsumfang. Sie ist eine in allen Belangen aufs Nötigste reduzierte Gopro mit einem hohen Anschaffungspreis von derzeit rund 430 Euro (UVP) und einer scharf umgrenzten Zielgruppe. Wer mehr Gewicht und Größe in Kauf nehmen kann, sollte Alternativen suchen: Zu ähnlichen Preisen gibt es bessere Kameras. Mit der Hero 4 Silver bietet Gopro selbst eine gute an.

Quelle: n-tv.de

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