Technik

Smartphone-Nutzer abgezockt: In Apps lauern Abo-Fallen

Klaus Wedekind

Abzocker lauern schon lange im Internet auf unvorsichtige Nutzer, denen sie per Klick ein teures Abo andrehen können. Neu ist, dass die Gauner auch in Apps für Smartphones Fallen verstecken. Ihre Opfer haben kaum eine Chance, ihr Geld zurückzubekommen.

Ansturm auf das iPhone 4: Kunden der Deutschen Telekom müssen mehr als zwei Monate Wartezeit für das Smartphone einplanen.
(Foto: dpa)

Abo-Fallen im Internet sind eine lukrative Einnahmequelle für gerissene Gauner. Oft bieten sie Gratis-Software an. Auf dem Weg zum Download klicken arglose Nutzer dann aber gut getarnte Einverständniserklärungen an und finden nach ein paar Wochen horrende Rechnungen in ihren Briefkästen. Das Muster ist bekannt.

Doch auch die Online-Betrüger gehen mit der Zeit und nehmen jetzt verstärkt Smartphone-Nutzer ins Visier. IPhone-Fan.de berichtet von einem Kölner, der auf seiner Telekom-Rechnung einen Posten gefunden hat, den er sich nicht erklären konnte. Rund zwölf Euro sollte er für Leistungen der Firma "Ericsson IPX" bezahlen.

Der Mann schrieb dem Stockholmer Unternehmen und wollte wissen, was genau ihm da in Rechnung gestellt wurde. Nach einigem Zögern rückte Ericsson IPX die Info raus, dass man im Auftrag der französischen "Cellfish Media" Geld eintreibe.

Videos, Bilder und Klingeltöne

Der rheinische iPhone-Nutzer blieb hartnäckig und schrieb auch eine E-Mail ins Nachbarland. Hier die Antwort: "Hierbei handelt es sich um einen Dienst der Firma "MyDoo GmbH", welche mobile Entertainment Produkte anbietet. Diese Produkte werden über Werbeeinblendungen in unterschiedlichsten iPhone Apps angepriesen. Dort werden Klingeltöne, Videos und Bilder zu einem wöchentlichen Preis von 3,99 EUR angeboten. Jede Woche erhalten Sie eine bestimmte für das jeweilige Abo entsprechende Menge an Guthaben, welches Sie dann über das kko Mobile Portal nutzen können."

Der Kölner beteuerte gegenüber "iPhone-Fan.de", dass er niemals ein solches Abo abgeschlossen habe. Er vermutet, dass er das Werbebanner einer App angetippt hat, kann aber nicht sagen, um welches Programm es sich handelt.

Laut "iPhone-Fan.de" vertritt MyDoo den Standpunkt, dass das Antippen eines Werbebanners bereits ausreicht, um einen gültigen Abo-Vertrag abzuschließen. Rechtsanwälte und Verbraucherschützer teilen diese Auffassung keineswegs. Trotzdem kann der iPhone-Besitzer die zwölf Euro höchstwahrscheinlich in den Wind schreiben. Denn beim Versuch, das Geld einzutreiben, wird er wohl so lange von Pontius zu Pilatus geschickt, bis sogar ihm die Puste ausgeht. Und eine Anzeige hätte vermutlich ebenfalls kaum Aussicht auf Erfolg.

Im Zweifel für die Abzocker

Dass der Kölner iPhone-Besitzer nicht alleine ist, zeigt ein Beitrag des "SWR". Darin wird von einem O2-Kunden berichtet, dem der Mobilfunkbetreiber Leistungen von Drittanbietern in Rechnung stellte und sie lediglich als "Content" bezeichnete. Insgesamt sollte er 70 Euro berappen. Auch in diesem Fall musste der Nutzer hartnäckig nachfragen, bevor im O2 verriet, dass es sich bei den Drittanbietern um "Bob Mobile" und "Net Mobile" handelt. Hinter diesen Namen steckt "Guerilla Mobile", die wiederum zur "Bob Mobile AG" gehört.

Insgesamt liegen gegen die Firma bei der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft über 300 Betrugsanzeigen vor. Doch man mag es kaum glauben: Die Staatsanwaltschaft hat alle Verfahren eingestellt. Die fragwürdige Begründung des zuständigen Staatsanwalts: Es sei nicht auszuschließen, dass "eine Anmeldung für eines der Produkte des Unternehmens mit Ihrer Handynummer erfolgt ist, [...] dass jemand aus Ihrem Bekannten- oder Familienkreis die Anmeldung mit Ihrer Handynummer vorgenommen hat" oder "dass ein unbekannter Täter auf der Webseite der Firma Bob Mobile Ihre Handynummer eingegeben hat und Sie unbewusst per SMS die Anmeldung bestätigt haben."

Bei so einer kundenfeindlichen Rechtsauslegung sind Nutzer gut beraten, grundsätzlich darauf zu achten, in Apps auf keine Werbebanner zu klicken. Das wiederum wird möglicherweise dazu führen, dass es immer weniger werbefinanzierte Gratis-Software für Handys geben wird. Auf diese Weise werden letztendlich alle Smartphone-Nutzer zu Opfern der Abo-Abzocker.

Quelle: n-tv.de

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