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Der Körper des HTC One ist aus einem Alublock gefräst.
Der Körper des HTC One ist aus einem Alublock gefräst.(Foto: kwe)
Freitag, 03. Mai 2013

Smartphone HTC One glänzt im Test: Ist das Schönste auch das Beste?

Von Klaus Wedekind

HTC beweist mit dem One, dass man auch im Android-Lager extrem hochwertige und attraktive Smartphones bauen kann. Vermutlich ist das HTC One das derzeit schönste Smartphone auf dem Markt. Aber gutes Aussehen alleine genügt nicht, um ein Champ zu sein. Kann der edle Alu-Taiwaner auch technisch überzeugen?

Es ist schon paradox: Obwohl HTC immer wieder absolute Spitzen-Smartphones produziert, kämpft das Unternehmen seit über einem Jahr mit drastisch sinkenden Umsätzen und Gewinnen. Auch im vergangenen Quartal schrumpfte der Nettogewinn um 98 Prozent auf rund 2,2 Millionen Euro. Daran konnte auch das neue HTC One nichts ändern. Denn aufgrund von Lieferschwierigkeiten steht das Gerät erst seit wenigen Wochen in ausreichenden Stückzahlen zur Verfügung.

Die beiden Lautsprecher klingen nicht nur gut, sie stehen dem One auch.
Die beiden Lautsprecher klingen nicht nur gut, sie stehen dem One auch.(Foto: kwe)

Wie CNet berichtet, ist Unternehmenschef Peter Chou aber guter Dinge, dass das neue Smartphone HTC trotz Verspätung noch zurück in die Erfolgsspur bringen wird. Die Nachfrage sei ziemlich hoch, man müsse jetzt nur hart daran arbeiten, sie zu erfüllen.

Chous Optimismus ist nicht unberechtigt. Denn wie der Chef sagt, ist das HTC One ein herausragendes Smartphone - zumindest in dem Sinne, dass es sich deutlich von den Konkurrenten unterscheidet, die laut Chou "alle gleich aussehen". Sein Ziel sei es, HTC zu einer vertrauenswürdigen und exzellenten Premium-Marke zu machen, sagt der CEO. Ist HTC das mit dem One gelungen?

Aus einem Block gefräst

Was Design, Material und Verarbeitung betrifft, kann dies mit einem ganz klaren "Ja" beantwortet werden. Das HTC One steckt in einem Unibody, der aus einem Aluminiumblock gefräst wurde. Kunststoff findet sich nur an den Seiten und in einigen Linien auf der Rückseite, die vor allem dem Antennenempfang geschuldet sind - aber auch diese Streifen stehen dem Smartphone gut.

Die Rückseite ist leicht gewölbt, wodurch HTC zwei Effekte erzielt: Zum einen liegt das mit 143 Gramm recht leichte Gerät extrem angenehm in der Hand, zum anderen sieht es durch schmale Seiten viel flacher aus als es mit 9,3 Millimetern tatsächlich ist. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch abgeschrägte Kanten.

Das Smartphone sieht flacher aus als es tatsächlich ist.
Das Smartphone sieht flacher aus als es tatsächlich ist.(Foto: kwe)

Spalten zwischen Gehäuse, Polycarbonat-Seite und Bildschirm sucht man beim HTC One vergeblich. Lautstärkewippe und Ein-/Aus-Schalter ragen fast nicht aus dem Rahmen und die SIM-Karte verschwindet wie schon beim HTC One X  auf einem Schlitten bombenfest im Rahmen. Egal, wie man das Gerät dreht und wendet: Es fühlt sich immer toll an und sieht klasse aus.

Die Front des HTC One ist von zwei großzügigen Lautsprechern an Ober- und Unterseite geprägt. Ihnen verdankt das Gerät einen für ein Smartphone außergewöhnlich satten Stereosound. Da sie ebenfalls im Aluminium-Körper sitzen, sind die Lautsprecher zusammen mit dem schwarzen Display-Rahmen auch ein optischer Leckerbissen.

Klasse Bildschirm

Vom edlen Gehäuse wird einer der besten Bildschirme, der aktuell in einem Smartphone sitzt, eingerahmt. Das LCD ist 4,7 Zoll groß und bietet 1.920 x 1.080 Pixel, was einer enormen Punktdichte von 468 ppi entspricht. Das Display stellt Farben sehr natürlich dar, ist kontrastreich, auch von der Seite betrachtet sehr gut lesbar und weist keinen Farbstich bei spitzem Betrachtungswinkel auf. Eine Schwäche zeigt der Bildschirm allenfalls bei direktem Sonnenlicht, da er nicht allzu hell leuchten kann.

Spalten zwischen Polycarbonat und Aluminium findet man beim HTC One nicht.
Spalten zwischen Polycarbonat und Aluminium findet man beim HTC One nicht.(Foto: kwe)

Die inneren Werte des HTC One sind bärenstark. Wie bei den meisten anderen aktuellen Android-Flaggschiffen könnte man sogar sagen, das Gerät ist übermotorisiert. Sorgen, Qualcomms mit 1,7 Gigahertz getakteter Vier-Kern-Prozessor Snapdragon 600 könnte zusammen mit 2 Gigabyte Arbeitsspeicher bei irgendeiner Aufgabe die Puste ausgehen, sind unbegründet. Im Gegenteil: Wer den leider nicht wechselbaren Akku entlasten möchte, kann getrost die Energiesparfunktion aktivieren. Man spürt den Unterschied zur Höchstleistung nicht und die Batterie, die sowieso schon locker einen langen Arbeitstag mitmacht, hält notfalls auch noch einen halben Tag länger durch.

Kein Platz für Speicherkarten

Neben dem fest eingebauten Akku hat das geschlossene Design des HTC One noch einen weiteren Nachteil: Der interne Speicher kann nicht durch microSD-Karten erweitert werden. Allerdings sind 32 Gigabyte für die meisten Nutzer genug, selbst wenn man für System und Benutzeroberfläche noch 4 bis 5 Gigabyte vom verfügbaren Speicher abziehen muss.

Die wichtigsten Spezifikationen
  • Prozessor: Qualcom Snapdragon 600, vier Kerne, 1,7 Gigahertz
  • Arbeitsspeicher (RAM): 2 Gigabyte
  • Interner Speicher: 32 Gigabyte
  • Display: 4,7 Zoll, 1.920 x 1.080 Pixel (468 ppi)
  • Kameras: hinten 4,1 Megapixel, vorne 2,1 Megapixel
  • Akku: 2.300 Milliamperestunden
  • LTE, NFC, Bluetooth 4.0
  • Betriebssystem: Android 4.1.2
  • Maße: 137,4 x 68,2 x 9,3 Millimeter
  • Gewicht: 143 Gramm

HTC hat seine Benutzeroberfläche übrigens stark abgespeckt. Sense 5.0 sieht nicht nur schlichter aus, es verzichtet auch auf überflüssige Animationen und anderen unnötigen Schnickschnack. Obwohl: Das von HTC als cooles Feature gefeierte "BlinkFeed" sehen vermutlich nicht wenige als unnötigen Ballast, den sie gerne loswürden. Dabei handelt es sich um eine Art News-Reader, der unter anderem Nachrichten aus sozialen Netzwerken, Schlagzeilen oder Fotos direkt auf dem Homescreen bringt. Das Prinzip erinnert an Flipboard oder Google Currents, die Darstellung in animierten Kacheln an Windows Phone.

Im Prinzip keine schlechte Sache. Leider kann man aber die Inhalte, die angezeigt werden sollen, nicht frei bestimmen. Und Neuigkeiten aus Twitter oder Facebook lassen sich mit anderen Apps oder Widgets deutlich übersichtlicher darstellen. Ohne Root-Rechte (Administrator-Rechte) wird man "BlinkFeed" nicht los. Man muss es aber nicht als Homescreen lassen, sondern kann unter "Einstellungen" - "Personalisieren" einen anderen Bildschirm auswählen und BlinkFeed links liegen lassen.

Ungewöhnliche Kamera

"Zoe" (links) ist HTC sehr gut gelungen, "BlinkFeed" weniger.
"Zoe" (links) ist HTC sehr gut gelungen, "BlinkFeed" weniger.(Foto: kwe)

Neben dem außergewöhnlichen Design ist HTC auch bei der Kamera einen eigenen Weg gegangen. Statt auf immer mehr Pixel zu setzen, haben die Taiwaner einen rückbelichteten Sensor mit sehr großen Pixeln ("Ultrapixel") eingebaut, der auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch sehr gute Bilder ohne Farbrauschen liefern kann. Der Nachteil ist allerdings, dass die 4,1 Megapixel der One-Kamera weniger Bildinformationen liefern. Das fällt vor allem dann durch störende Klötzchen auf, wenn man Gegenstände digital heranzoomt. Wer bei Tageslicht Fotos mit dem HTC One schießt, sollte die HDR-Funktion aktivieren, bei der mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungen zu einem optimierten Bild kombiniert werden.

"Zoe" macht Spaß

Klasse ist die Kamera-Software "Zoe". Dabei nimmt das One eine Sekunde vor und drei Sekunden nachdem man den Auslöser gedrückt hat eine Bilderserie mit Ton auf. Aus ihr kann man dann unter anderem das beste Foto auswählen, störende Autos oder Passanten aus Bildern entfernen, Action-Fotos zusammenfügen oder Gruppenfotos perfektionieren.

Sehr gelungen ist auch die Funktion, bei der aus Zoe-Videos und -Bildern automatisch ein Kurzfilm mit Effekten und Musik erstellt wird. Leider kann man bisher nur zwischen sechs verschiedenen Stilen wählen und auch keine eigenen Songs zur Untermalung verwenden.

"Zoe" bringt Action ins Bild.
"Zoe" bringt Action ins Bild.(Foto: kwe)

Wer das HTC One auch beim Fernsehen nicht mehr aus der Hand legen möchte, kann das Smartphone auch als Universalfernbedienung für fast alle aktuellen TV-Geräte oder Heimkinoanlagen verwenden. Das funktionierte im Test einwandfrei. Der ebenfalls integrierte elektronische Programmführer arbeitet aber nur im Idealfall problemlos. Hat man beispielsweise bei Kabel Deutschland nicht alle angebotenen Sender abonniert, schaltet das One bei einem Tipper auf die ausgewählte Sendung auf einen falschen Kanal.

Es ist auch ein Telefon

Was auch bei Highend-Smartphones wichtig ist: Das HTC One ist auch ein sehr gutes Telefon - vor allem was den Klang betrifft. Anrufer klingen sehr natürlich, störende Nebengeräusche sind fast nicht zu hören. Das Gleiche sagen Empfänger eines HTC-One-Anrufs.

Alles in allem ist das HTC One derzeit vermutlich das beste Smartphone, das man kaufen kann. Design, Verarbeitung, Leistung und Software sind ein absolut rundes Paket. Lediglich der fest verbaute Akku, der fehlende microSD-Karten-Einschub und die BlinkFeed-Pflicht könnten einige Nutzer stören. Für sie ist möglicherweise das Samsung Galaxy S4 die bessere Wahl.

Quelle: n-tv.de

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