Technik

Britische Studie: LTE stört Kabelfernsehen

Von Klaus Wedekind

Eine Studie der britischen Medienaufsicht belegt: Die UMTS-Nachfolgetechnik LTE stört nicht nur digitales Antennen-TV und viele Funkmikrofone, sondern auch Kabelfernsehen. Schutzmaßnahmen sind teuer, aber wer die Zeche letztendlich zahlt, ist noch offen.

Telekom-Testanlage in Kyritz.
Telekom-Testanlage in Kyritz.(Foto: Deutsche Telekom AG)

Eigentlich ist "Long Term Evolution" (LTE) eine tolle Technik. Denn der neue Mobilfunkstandard ermöglicht Datenraten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Da die maximale Datenrate unter allen in einer Zelle angemeldeten Nutzern aufgeteilt wird, dürften unter realen Bedingungen rund zwei Mbit/s zur Verfügung stehen. Theoretisch sind mit der aktuellen UMTS-Technik HSDPA ebenso große Download-Geschwindigkeiten möglich. Tatsächlich erleben Nutzer aber selten Raten nahe1 Mbit/s). Außerdem legt LTE bei Downloads sofort mit voller Drehzahl los, baut Internetseiten fast so schnell wie DSL auf und schont Telefon-Akkus.

LTE soll künftig in Deutschland nicht nur die überlasteten UMTS-Netze ablösen, sondern nach Willen der Bundesregierung auch die weißen Flecken auf der Breitband-Karte entfernen. Erst wenn alle ländlichen Gebiete über schnelle Datenverbindungen verfügen, soll LTE auch in Städten installiert werden.

"Digitale Dividende"

So weit, so gut. Aber die Sache hat einen Haken. Denn als die Mobilfunk-Netzbetreiber im Mai 2010 für insgesamt rund 4,4 Milliarden Euro die für LTE nötigen Funkfrequenzen ersteigerten, ging es vor allem um den 800-Megahertz-Bereich, über den früher das analoge TV-Signal ausgestrahlt wurde - die sogenannte "Digitale Dividende". Bei diesen Frequenzen kann einer der mächtigen LTE-Sendemasten ein Gebiet mit einem Radius von zehn Kilometern abdecken. In anderen Bereichen ist der Radius kleiner, weswegen mehr Masten nötig sind.

Dumm nur, dass den 800-Megahertz-Bereich auch viele Tausend Funk-Mikrofone nutzen, die voraussichtlich nicht mehr zu gebrauchen sind, wenn das LTE-Netz über Deutschland gespannt wird. Und es kommt noch dicker: LTE kann auch den digitalen terrestrische Empfang stören. Genau aus diesem Grund hat die RTL-Gruppe vergangenen Oktober in einigen Gebieten den DVB-T-Betrieb eingestellt.

Aktuell hat eine Studie im Auftrag der britischen Medienaufsicht Ofcom bewiesen, dass LTE auch den Empfang von Kabelfernsehen beeinträchtigt. Bei sieben von neun getesteten DVB-C-Settop-Boxen gab es Bildausfälle, wenn ein LTE-Smartphone einen Meter vom Empfangsgerät entfernt funkte. Noch erschreckender fielen die Tests mit Kabelmodems aus: Bei allen zwölf Geräten wurde der Datenverkehr erheblich behindert.

Deutsche Studie bestätigt

Damit haben die Briten unabhängig die Ergebnisse einer Studie bestätigt, die das Institut für Rundfunktechnik und der Verband der Kabelnetzbetreiber Anga durchgeführt haben. Die deutsche Untersuchung aus dem April 2009 kam zu dem Schluss, dass "mit einem mit einem im gleichen Frequenzbereich erfolgenden LTE-Betrieb eine Nutzung von Diensten über die TV-Kabel-Infrastruktur nicht möglich ist. Dies wurde zu einem Verlust von neun Kanalen mit je 8 Megahertz führen."

Dies alles sind Probleme, die sich nur mit viel Geld lösen lassen. Der Chef der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, Staatssekretär Martin Stadelmaier, geht in einer Pressemitteilung davon aus, dass rund 700.000 Anlagen nachgerüstet oder ausgetauscht werden müssen. Die Kosten schätzt er auf 750 Millionen Euro. Der Bund hat laut Stadelmaier lediglich 200 Millionen Euro für Umrüstmaßnahmen angeboten. Es könne nicht sein, "dass am Ende die Kultur- und Gemeinschaftseinrichtungen aus ihren ohnehin knappen Etats für den Ausbau der Breitbandversorgung bezahlen müssen, während der Bund die Milliarden aus der Frequenzversteigerung weitgehend für sich behält“, so Stadelmaier.

Verträglichkeit vorgeschrieben

Die gute Nachricht für Betroffene: In § 55 Absatz 5 Satz 1 des Telekommunikationsgesetzes (TKG) steht, dass die ersteigerten Frequenzen im 800 MHz-Bereich erst dann genutzt werden dürfen, "wenn die Verträglichkeit mit anderen Frequenznutzungen gegeben und eine effiziente und störungsfreie Frequenznutzung durch die Netzbetreiber sichergestellt ist". Die schlechte Nachricht: Der Gesetzgeber macht den Mobilfunkbetreibern keine konkreten Vorgaben, sondern überlässt es ihnen, die Sache zu regeln.

Erste LTE-Testnetze waren und sind bereits in Betrieb, einige starten derzeit. Wo LTE-Netze gespannt werden, können Nutzer bei LTE-Anbieter.info erfahren. Wer Probleme feststellt, kann dies der Funkstörungsannahme der Bundesnetzagentur telefonisch unter 0180-32 32 32 3 mitteilen.

Quelle: n-tv.de

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