Technik
Das MacBook Pro gibt's mit oder ohne Touch Bar.
Das MacBook Pro gibt's mit oder ohne Touch Bar.(Foto: kwe)
Freitag, 18. November 2016

Laptop mit Touch Bar im Test: MacBook Pro ist sexy, aber reicht das?

Von Klaus Wedekind

Das MacBook Pro ist ausgesprochen sexy und die Touch Bar ist keine Spielerei. Aber hat das teure Schmuckstück damit schon den Zusatz "Pro" verdient? n-tv.de hat Apples neues Laptop in der 15-Zoll-Version getestet.

Apple hat es in den vergangenen Jahren erfolgreich geschafft, mit seinen MacBooks dem Abwärtstrend der Computerbranche weitgehend zu trotzen. Die Update-Zyklen bei den MacBooks sind aber wesentlich länger als bei iPhone und iPad, Apple lässt hier mehrere Jahre zwischen größeren Veränderungen verstreichen. So wurde die Keynote am 27. Oktober mit großer Spannung erwartet, wo schon lange im Vorfeld klar war, dass neue MacBook-Pro-Modelle vorgestellt werden sollten. Jetzt sind sie da und n-tv.de hat zum Testen eine 15-Zoll-Variante mit Touch Bar in der neuen Farbe "Space Grey" erhalten.

Riesiges Touchpad

Das neue Touchpad ist riesig.
Das neue Touchpad ist riesig.(Foto: kwe)

Einen großen Designsprung hat Apple nicht gemacht, aber warum auch? Das neue MacBook Pro ist etwas dünner und leichter und sieht fantastisch aus. Und man muss sagen: Das neue Grau steht dem Laptop ausgesprochen gut. Klappt man das Gerät auf, sieht man die auffälligsten Änderungen: ein riesiges Touchpad und - falls vorhanden - die neue Touch Bar, die die herkömmlichen Funktionstasten ersetzt. Nicht sofort zu erkennen, aber mehr als erwähnenswert ist das verbesserte Display. Apple hat Kontraste und Helligkeit erhöht und Farben stellt der Bildschirm noch exakter dar als das Vorgänger-Modell.

Schon das Touchpad des Vorgängermodells war eine Pracht und das neue ist ein Traum. Beim 15-Zoll-Gerät nimmt es die doppelte Fläche des Vorgängers ein. Wie gewohnt, ist es absolut präzise und klickt sich jetzt bei einem normalen Druck oder einem Force Touch überall gleich. Im wahrsten Sinne des Wortes ist das Pad große Klasse.

Touch Bar schnell verstanden

Nutzer können Elemente der Touch Bar austauschen.
Nutzer können Elemente der Touch Bar austauschen.(Foto: kwe)

Es ist so gut, dass es schwer fällt, die wichtigste Neuerung des Testgeräts zu verinnerlichen. Denn mit dem Touchpad kann man so entspannt mit den gewohnten Tippern, Wischern und Gesten arbeiten, ohne die Hand von der Stelle zu bewegen, dass man die Touch Bar leicht vergisst.

Ihr Aufbau ist schnell verstanden: Rechts stehen Siri, Lautstärkeregler, Helligkeit zur Verfügung, links davon je nach Anwendung weitere Funktionen. Tippt man auf den Pfeil neben der Helligkeit, klappt eine erweiterte Standard-Steuerung auf.

In Fotos kann man über die Leiste beispielsweise zur Bearbeitung gehen, ein Bild drehen oder ein Foto markieren. Ebenso kann man durch die Sammlung oder Alben blättern, indem man einen Cursor über winzige Vorschaubilder zieht. In Nachrichten kann man Emojis auswählen, in Karten direkt Restaurants oder andere Orte in der Umgebung anzeigen oder in Mail Nachrichten bewegen, markieren oder löschen. Gefällt einem die Vorauswahl nicht, kann man im Darstellung-Menü einer App Elemente gegen bevorzugte Funktionen austauschen.

Ein Touch zuviel?

Außer der Klinkenbuchse gibt's beim neuen MacBook Pro nur Thunderbolt-3-Anschlüsse.
Außer der Klinkenbuchse gibt's beim neuen MacBook Pro nur Thunderbolt-3-Anschlüsse.(Foto: kwe)

Das ist durchaus praktisch und die matte Touch Bar passt sich hervorragend an die physische Tastatur an. Es bleibt aber die Frage, warum man die Hand heben soll, um ein Symbol anzutippen, dass auch bequem über das Touchpad erreichbar ist. Die Stärke der Touch Bar wird sich wahrscheinlich erst zeigen, wenn Apps entwickelt werden, die von Vornherein dafür ausgelegt wurden.

Man ahnt, wie's gehen könnte, wenn man Helligkeit oder Lautstärke stufenlos regeln kann, nachdem man den Finger darauf gelegt hat. Oder wenn man eine Funktion in die Bar holt, die nicht ohne weiteres mit einem Tipper aufs Touchpad ausgelöst werden kann - beispielsweise das Bildschirm-Foto-Symbol. Die Touch Bar hat viel Potenzial - es muss aber erst noch ausgeschöpft werden. Jetzt schon ein großer Zugewinn ist der schnelle und präzise Fingerabdrucksensor rechts neben der Touch Bar.

Neu ist auch die Tastatur, die einen extrem kurzen Hubweg hat. Das ist zwar besonders für Zwei-Finger-Tipper zunächst sehr gewöhnungsbedürftig und die Tasten sind etwas laut, wenn sie hart getroffen werden. Aber durch die sogenannte Butterfly-Mechanik ist der Anschlag immer gleich, egal, wo die Taste getroffen wird.

Harter Sparkurs

Das Microsoft Display Dock hilft, die Anschluss-Not zu lindern.
Das Microsoft Display Dock hilft, die Anschluss-Not zu lindern.(Foto: kwe)

Der größte Aufreger nach der Präsentation der neuen Mac-Book-Pro-Modelle, war Apples Entscheidung nur noch auf Thunderbolt-3-Eingänge zu setzen und bis auf die Klinkenbuchse alle anderen Anschlüsse zu streichen. Grundsätzlich ist das zu begrüßen, denn Thunderbolt 3 nutzt die gleichen Verbindungskomponenten wie USB-C. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung universellen Anschluss. Für die meisten Nutzer ist er aber zunächst mit Zusatzkosten verbunden und Adapter machen die Nutzung komplizierter, bis die Umstellung vollzogen ist. Selbst für das kurz vorher veröffentlichte iPhone 7 geht nichts ohne Adapter oder neues Kabel.

Statt verschiedene Adapter einzusetzen, hat sich im Test Microsofts Display Dock als perfekter Vermittler zwischen Nicht-USB-C-Geräten und dem MacBook Pro erwiesen. Es bietet drei herkömmliche USB-Eingänge, einen DisplayPort und einen HDMI-Eingang und versorgt das Notebook gleichzeitig über die USB-C-Verbindung mit Strom. Im Online-Handel kostet das Zubehör rund 70 Euro. Um den Kauf eines externen Kartenlesegeräts kommen Fotografen und Filmer aber nicht herum. Hier gibt's aber schon gute Geräte für weniger als 10 Euro.

Nicht für jeden Profi geeignet

Beim Innenleben hat Apple die Leistungsschraube nur leicht angezogen. Die meisten Nutzer werden im Vergleich zum Vorgänger kaum einen Unterschied feststellen können. Das liegt vielleicht auch daran, dass in den Geräten nicht Intels allerneueste Prozessoren werkeln. Ein Kraftproblem haben die neuen Pros aber sicher nicht. Und die eingebauten SSD-Speicher haben sich in Geschwindigkeitstests als enorm schnell herausgestellt. Bei der Laufzeit hat Apple ungefähr das Niveau halten können, auch hier ist alles im grünen Bereich.

Ob die neuen MacBooks letztendlich "Pro" sind, hängt vom Anspruch ab. Viele Profis werden ihre Probleme mit den fehlenden Anschlüssen haben, die sie liebend gerne für die Touch Bar eintauschen würden. Für andere ist die OLED-Leiste über der Tastatur wegweisend und sie sind froh, dass Apple auf den Einheitsanschluss der Zukunft setzt. Ein Problem aber werden alle potenziellen Käufer haben. Selbst das einfachste 13-Zoll-Gerät kostet schon 1700 Euro.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen