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Huaweis Riesen-Smartphone im Test: Mate 8 ist ein schmucker Dauerläufer

Von Klaus Wedekind

Das Huawei Mate 8 ist vielleicht das handlichste und ausdauerndste 6-Zoll-Smartphone, das es derzeit zu kaufen gibt. Ob der chinesische Riese im Aluminiumkleid auch sonst glänzen kann, hat n-tv.de getestet.

Das Huawei Ascend Mate 7 war im September 2014 auf der IFA in Berlin die im wahrsten Sinne des Wortes große Smartphone-Überraschung. Es bot zum Schnäppchenpreis ein tolles 6-Zoll-Display, ein edles Aluminiumgehäuse, einen hervorragenden Fingerabdrucksensor und einen mächtigen Akku. Jetzt ist das Mate 8 im Handel. Es ist zwar 100 Euro teurer als der Vorgänger, zeigt aber ansonsten ähnliche Qualitäten.

Änderungen im Detail

Beim Mate 8 hat Huawei noch etwas weniger Plastik im Gehäuse eingesetzt.
Beim Mate 8 hat Huawei noch etwas weniger Plastik im Gehäuse eingesetzt.(Foto: kwe)

Beim Design hat Huawei nicht viel verändert, auch die Maße sind nahezu gleich geblieben. Das neue Phablet sieht von vorne aber etwas schlanker aus, weil das Displayglas gebogene Ränder hat. Dadurch wirkt auch der ohnehin schon sehr schmale schwarze Rand ums Display noch dünner. Huawei hat in die Seiten eine feine Struktur gebürstet und der Rahmen ist jetzt bis auf zwei schmale Plastikstreifen durchgehend aus Metall. Außerdem teilen sich beim neuen Phablet SIM- und Micro-USB-Karte einen Einschub.

Der Lautsprecher ist von hinten nach unten neben den Micro-USB-Eingang gewandert. Aber auch das Mate 8 liefert keinen Stereoklang, hinter den linken Bohrungen sitzt nur das Mikrofon. Auf der Rückseite sind Kamera und Fingerabdrucksensor jetzt rund statt quadratisch und der Blitz hat zwei unterschiedlich leuchtende LEDs. Die Kunststoffabdeckungen der Antennen an den Stirnseiten sind einen Tick schmaler geworden.

Full-HD ist genug

Die wichtigsten Spezifikationen
  • Prozessor: Huawei Hisilicon Kirin 950, 8 Kerne (4 x 2,3 + 4 x 1,8 GHz)
  • Arbeitsspeicher (RAM): 3 Gigabyte
  • Interner Speicher: 32 Gigabyte
  • Display: LCD, 6 Zoll, 1920 x 1080 Pixel (368 ppi)
  • Kameras: hinten 16 Megapixel, OIS, vorne 8 Megapixel
  • Akku: 4000 Milliamperestunden
  • Sensoren: Fingerabdrucksensor, Gyroskop, Kompass, Beschleunigung, Barometer, Näherung, Hall
  • LTE, NFC, Bluetooth 4.2 (BLE)
  • WLAN 802.11 a/b/g/n/ac, 2.4/5 GHz
  • Betriebssystem: Android 6.0
  • Maße: 157,1 x 80,6 x 7,9 Millimeter
  • Gewicht: 185 Gramm

Die Auflösung des Bildschirms hat Huawei bei Full HD belassen, um dem Pixelrausch nicht die Ausdauer zu opfern. Das war eine gute Entscheidung. Möglicherweise stellt das Display Farben nicht ganz so akkurat wie QHD-Bildschirme dar. Aber es ist mit 368 ppi scharf genug, bietet schöne Kontraste und kann hell leuchten. Auch die Blickwinkelstabilität ist prima. Ein Farbstich, den andere Webseiten beschreiben, ist beim Testgerät von n-tv.de nicht zu erkennen. Möglicherweise stammen die anderen Muster aus der Vorproduktion.

Viel Kraft für die Arbeit

Was die Leistung betrifft, hat Huawei mit seinem Phablet einen großen Schritt gemacht. Zusammen mit 3 Gigabyte Arbeitsspeicher garantiert der hauseigene 8-Kern-Prozessor in jeder Situation eine flüssige Bedienung. In Benchmark-Tests schneidet der Kirin 950 sogar hervorragend ab und lässt die meisten Top-Geräte hinter sich. Das gilt allerdings nicht für die grafische Leistung, wo der Chip eher gute Mittelklasse ist. Hier ruckeln beim Mate 8 die Animationen in Benchmarks gequält über das Display, während sie beim Grafik-Star iPhone 6s Plus flüssig durchlaufen. Das muss aber nur Käufer jucken, die irgendwann in der Zukunft Spiele spielen wollen, die es jetzt noch gar nicht gibt. Im Alltag spielt die Grafik-Schwäche keine Rolle – vor allem, wenn das Gerät vor allem produktiv genutzt wird.

Eifriger Akku-Manager

Wer mit dem Mate 8 arbeitet, freut sich viel mehr über den 4000 Milliamperestunden starken Akku. Im Normalbetrieb hält das Mate 8 wie sein Vorgänger locker auch mal einen zweiten Tag durch. Vor allem dann, wenn Huaweis Akkumanager seine Arbeit machen darf, der stromintensive Apps im Zaum hält. Problematisch ist hier aber wie bei anderen Geräten der Chinesen, dass nicht allen Messengern und E-Mail-Apps automatisch die Hintergrundsynchronisierung erlaubt wird. Kommen Botschaften nicht an, sollte man daher immer zuerst überprüfen, ob die Empfänger-Anwendung zu den geschützten Apps gehört.

Einhand-Modus per Fingerstrich

Mit geschrumpften Display lässt sich das Gerät auch gut mit einer Hand bedienen.
Mit geschrumpften Display lässt sich das Gerät auch gut mit einer Hand bedienen.(Foto: kwe)

Der Akkumanager ist Teil des Telefonmanagers, der zu Huaweis Emotion-Benutzeroberfläche gehört. Sie ist grundsätzlich eine gelungene Mischung aus Android- und iOS-Elementen. Nicht jedem Nutzer gefällt allerdings die fehlende Ebene für die App-Sammlung. Wer sie vermisst, kann in den Einstellungen im Play Store nach einem alternativen Launcher suchen – beliebt ist beispielsweise der Nova Launcher. Wer auf das EMUI verzichtet, bekommt aber ein sehr praktisches Feature nicht: Wischt man seitwärts über die Bildschirmtasten, verkleinert sich das Display in Streichrichtung. Weil das Gerät auch noch um das Display herum kaum Platz verschwendet, ist das Mate 8 so sicher eines der handlichsten 6-Zoll-Smartphones, die es gibt.

Zackiger Fingerabdruckscanner

Der Fingerabdrucksensor arbeitet wie beim Huawei Mate S schnell und präzise. Finger sind schnell eingelesen und werden fast ohne Verzögerung in jeder Haltung erkannt. Leider hat Huawei aber auf zwei Funktionen beim Mate 8 verzichtet: Man kann per Fingerstrich nicht durch Fotoalben scrollen oder die Benachrichtigungsleiste herabziehen.

Kamera gut, aber nicht sehr gut

Etwas enttäuschend ist die Hauptkamera. 16 Megapixel, Blende f/2.0, Dual-LED und optischer Bildstabilisator lassen eigentlich eine überdurchschnittlich gute Knipse vermuten, doch das Mate 8 kann die Erwartungen nicht ganz erfüllen. Gelegentlich sind Aufnahmen etwas kontrastarm oder verwaschen, bei wenig Licht lahmt der Autofokus manchmal und dunkle Bereiche rauschen ab. Die Kamera ist gut, aber nicht sehr gut. Klasse ist allerdings die 8-Megapixel-Frontkamera. Sie liefert selbst bei Schummerlicht noch prima Selfies.

Überzeugende Vorstellung

Auch wenn das Mate 8 mit 32 Gigabyte Speicher jetzt 600 Euro kostet, bietet es wie sein Vorgänger viel fürs Geld - ein schwacher Euro macht die Konkurrenz ebenfalls teurer. Das Phablet ist stark, ausdauernd, sieht gut aus und ist für ein 6-Zoll-Smartphone relativ klein. Bis auf die nicht ganz so gute Kamera konnte das Gerät im Test absolut überzeugen. Eine bessere Alternative in dieser Größenklasse wäre noch das Samsung Galaxy S6 Edge Plus. Das Gerät ist allerdings derzeit noch ungefähr 100 Euro teurer.

Quelle: n-tv.de

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