Technik
Maschinelles Lernen macht's möglich. Microsofts Gesichtserkenung kann jetzt auch Emotionen sehen.
Maschinelles Lernen macht's möglich. Microsofts Gesichtserkenung kann jetzt auch Emotionen sehen.(Foto: Microsoft)

Project Oxford lernt dazu: Microsoft erkennt auf Fotos Emotionen

Das Alter von Menschen kann Microsoft mit Hilfe seiner Cloud schon schätzen, jetzt ist "Project Oxford" auch in der Lage, per Gesichtserkennung Emotionen in Fotos zu analysieren. Wer möchte, kann es ausprobieren.

Maschinelles Lernen bedeutet vereinfacht, dass ein künstliches System aus einer sehr großen Zahl von Beispielen über Algorithmen Wissen generiert. Microsoft nutzt das Prinzip unter anderem für Vorhersagemodelle seines cloudbasierten Dienstes "Azure Machine Learning". Auch die digitale Assistentin Cortana oder die Echtzeit-Übersetzung "Skype Translator" schöpfen ihr Wissen aus solchen Quellen. Welche erstaunlichen Möglichkeiten maschinelles Lernen in Kombination mit Datenverarbeitung in der Cloud bietet, zeigt außerdem in sehr anschaulicher Weise "Project Oxford". Es dient unter anderem dazu, Entwicklern Schnittstellen für Bild-, Text- und Spracherkennung zur Verfügung zu stellen, die sie in ihren Programmen verwenden können.

n-tv.de-Redakteur Johannes Wallat hat auf dem roten Teppich offenbar gemischte Gefühle, sein Kollege Klaus Wedekind ist dagegen vollkommen happy.
n-tv.de-Redakteur Johannes Wallat hat auf dem roten Teppich offenbar gemischte Gefühle, sein Kollege Klaus Wedekind ist dagegen vollkommen happy.(Foto: n-tv.de)
Bitte nicht immer lächeln

Aufsehen erregte Project Oxford im Frühjahr mit der Webseite How-Old.net, die in hochgeladenen Fotos Gesichter analysiert und so das Alter der abgebildeten Personen erstaunlich gut schätzen kann. Jetzt ist Microsoft sogar in der Lage, Emotionen aus Gesichtern zu lesen. Auf einer Demo-Seite von Project Oxford kann man den neuen Dienst ausprobieren, indem man die URL eines Fotos eingibt oder ein Bild vom Rechner hochlädt. Akzeptiert werden JPEG-, PNG-, GIF- und BMP-Dateien, die nicht größer als 4 Megabyte und nicht kleiner als 36 x 36 Pixeln sind. Und natürlich funktioniert die Erkennung am besten mit Fotos, auf denen Personen direkt in die Kamera blicken.

Komplizierte Unterscheidung

Für die Analyse benötigen Microsofts Algorithmen eine Unmenge von Beispielen, anhand derer sie lernen können, welche Mimik welche Gefühle ausdrücken könnte. Der Dienst soll dabei die Grundemotionen Freude, Angst, Wut, Ekel, Trauer, Verachtung und Überraschung sowie einen neutralen Gesichtsausdruck erkennen können. Das ist enorm kompliziert, da es selbst Menschen manchmal schwer fällt, ein hämisches Grinsen von einem freundlichen Lachen zu unterscheiden. In einem kurzen Test lag Microsofts Demo daher noch relativ oft daneben. Es dürfte aber nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Emotionenanalyse so akkurat wie die Altersermittlung arbeitet.

Perfekt für Kundenanalysen

Wozu könnte Microsofts Erkennungsdienst praktisch gut sein? In einem Blogeintrag nennt Microsofts Forscher Ryan Galgon mehrere mögliche Einsatzgebiete. So könnten Entwickler die Schnittstellen für Analysesysteme verwenden, mit denen Geschäfte oder Dienstleister sehen können, ob ihre Kunden zufrieden sind.  Die Erkennung könnte aber auch in Messengern genutzt werden, um basierend auf in Fotos erkannten Gefühlen verschiedene Optionen zur Verfügung zu stellen. Vermutlich sind auch Sicherheitsdienste daran interessiert, denn mit einfachen Mitteln könnte man schnell verdächtige Personen identifizieren.

Bart-Erkennung für den guten Zweck

Die Beta der Emotionenerkennung können Entwickler ab sofort für einen begrenzten Zeitraum kostenlos ausprobieren. Das gilt auch für neue Tools für Rechtschreibprüfungen, Stimmerkennung und automatische Videobearbeitung. Microsoft hat außerdem die Gesichtserkennung auf anderen Gebieten weiter verfeinert. Sie kann jetzt unter anderem auch Gesichtsbehaarung analysieren. Das Unternehmen nutzt die Fähigkeit derzeit für die Webseite MyMoustache.net, die die wohltätige Movember-Bewegung unterstützt. Männer können dort ihren Bart zur Begutachtung hochladen, den sie sich im November wachsen lassen. Mit der Aktion soll auf männliche Gesundheitsprobleme aufmerksam gemacht werden.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen