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Mozilla will sein Firefox-Betriebssystem als Alternative zu anderen Plattformen wie Android oder Apples iOS aufbauen.
Mozilla will sein Firefox-Betriebssystem als Alternative zu anderen Plattformen wie Android oder Apples iOS aufbauen.(Foto: dpa)

Mobile World Congress in Barcelona: Mozilla drängt aufs Smartphone

Mozilla bringt ein eigenes Smartphone-Betriebssystem auf den Markt. Wie auf dem Mobile World Congress in Barcelona bekannt wurde, sollen die Internet-Handys dadurch noch günstiger und auch einkaufen mit dem Smartphone einfacher werden. Bei Mastercard steht ein neues Bezahlsystem in den Startlöchern.

Smartphones sollen billiger werden und so offen wie das Internet sein - mit dieser Ansage hat das Mozilla-Projekt auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona sein neues Handy-Betriebssystem vorgestellt, das Firefox OS. Das Firefox-Handy ist anders als iPhone und Co. und kann in der Leistung kaum mithalten. Aber dafür soll es preisgünstiger sein. Die Chancen für einen Erfolg stehen gar nicht so schlecht. Gleich 18 Mobilfunk-Anbieter unterstützen das Mozilla-System.

Mozilla hat sich der Open-Source-Idee verschrieben: Wie beim PC-Betriebssystem Linux ist der Quellcode der Software offen, alle können ihn weiterentwickeln und verändern. Hier sehen die Mobilfunkbetreiber eine Chance, wieder eine größere Rolle zu spielen. Telekom-Chef René Obermann kündigte für den Sommer in Polen ein erstes Firefox-Smartphone für Europa an, hergestellt von Alcatel. Weitere osteuropäische Länder sollen noch in diesem Jahr folgen.

In Deutschland erst in vier oder fünf Jahren

"Wir fangen mit Geräten an, die etwas langsamer sind und optimieren das dann", erklärt der Mozilla-Entwickler Christian Heilmann. Zielgruppe sind nicht die Konsum-Eliten in den reichen Ländern, sondern Menschen in Schwellenländern wie Brasilien oder Indien. In vier oder fünf Jahren könne er sich das Firefox-Smartphone aber auch in den "Best Markets" wie USA oder Deutschland vorstellen, sagt Heilmann. Tablet-Computer mit Firefox OS seien noch nicht geplant, doch gebe es bereits Entwickler, die das ausprobierten.

Beim Firefox-Handy soll wieder das gesamte Internet zum App-Shop werden, die Anwendungen können über den "Firefox Marketplace" gefunden und heruntergeladen werden. "Firefox OS reißt die Mauern zwischen Apps und dem Web ein, weil Firefox-OS-Apps auf Webtechnologien wie HTML5 basieren", erklärt Mozilla-Manager Jay Sullivan.

Neues Bezahlsystem fürs Smartphone

Der Wettbewerb bei mobilen Bezahlsystemen kommt in Schwung. So kündigte der Kreditkarten-Riese Mastercard auf dem MWC das System MasterPass an, das als eine Art digitale Brieftasche für alle Lebenslagen gedacht ist. Damit soll man in Zukunft zum Beispiel mit dem Smartphone bezahlen können, indem man im Laden einen Strichcode einscannt. Oder man hält ein Smartphone mit NFC-Funktechnik über ein entsprechend ausgestattetes Kassen-Terminal. Das System soll aber auch hinter Bezahl-Buttons im Online-Handel stehen.

Dabei kann ein Kunde bei MasterPass verschiedene Konten und Karten bündeln, die Daten werden online auf gesicherten Servern von Mastercard gespeichert und müssen nicht jedes Mal neu eingegeben werden. In Deutschland dürfte das System Anfang 2014 eingeführt werden, zunächst sind Australien und Kanada an der Reihe. Mastercard will das System auch anderen Finanzdienstleistern zur Verfügung stellen, die es dann unter ihrem eigenen Namen vermarkten können. "MasterPass vereint alle Möglichkeiten, wie wir bezahlen, von traditionellen Plastikkarten bis hin zur digitalen Brieftasche", resümierte Mastercard-Manager Ed McLaughlin am Montag zur Vorstellung des Dienstes in Barcelona.

Der direkte Mastercard-Konkurrent Visa plant unter anderem eine Ausweitung seiner Angebote mit dem NFC-Nahfunk, der kontaktloses Bezahlen ermöglicht. Auch von der Ebay-Bezahltochter PayPal werden Ankündigungen in Barcelona erwartet. PayPal-Chef David Marcus hatte zuletzt das Konzept für ein ähnliches System wie MasterPass vorgestellt.

NFC hat sich noch nicht durchgesetzt

Mit der Ausbreitung von Smartphones und Tablets wächst auch der potenzielle Markt für ganz neue Bezahllösungen. Experten rechnen damit, dass sich das Bezahlen im Alltag radikal verändern wird. Jetzt schon kann man kleinere Beträge ohne PIN-Eingabe oder Unterschrift zahlen, indem man Smartphone oder Karte mit NFC-Chip über ein entsprechendes Lesegerät hält. Die Visionen für die absehbare Zukunft reichen von Bezahlsystemen auf Basis von Ortungsdaten bis hin zum Abschaffen von Kassen, weil der Kunde den Bezahlvorgang mit einem System wie etwa MasterPass komplett auf seinem mobilen Gerät abwickeln kann.

Auch der junge deutsche Bezahl-Dienstleister SumUp plant ein neues System, bei dem stattdessen Geodaten zum Einsatz kommen, auch wenn eine Kasse weiterhin nötig ist. Wenn ein Kunde das Geschäft betritt, wird sein Bild auf dem als Kasse eingesetzten Tablet-Computer angezeigt. Der Verkäufer rechnet den Einkauf ab, indem er das Gesicht des Kunden mit dem Foto vergleicht. Damit müssen Handy oder Portemonnaie nicht die Tasche verlassen.

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Quelle: n-tv.de

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