Technik
Video

Die Spielekonsole im Test: Nintendos neue Wii U überzeugt

Von Roland Peters

Über mehrere Tage hat n-tv.de die erste Spielekonsole neuer Generation getestet. Aller Skepsis gegenüber der Hardware zum Trotz überrascht Nintendos neues Flaggschiff Wii U - positiv. Dabei macht eine Neuheit den großen Unterschied.

Nintendo eröffnet den neuen Schlagabtausch der Spielekonsolenhersteller mit seiner Wii U. Seit rund zwei Wochen ist sie in den USA erhältlich, nun auch in Europa. Mit dem offiziellen Verkaufsstart am 30. November gehen auch einige Spiele in den Handel, mit vielversprechenden Titeln wie "Assassin's Creed 3", "Darksiders 2", "Call of Duty: Black Ops 2" oder den exklusiven "New Super Mario Bros. U" und "ZombiU".

Doch gute Software ist nichts ohne gute Hardware. Im Gegensatz zu Sony und Microsoft, die ihre Playstation 3 und Xbox 360 zu Beginn mit Verlust verkauft hatten, um den Preis zu drücken, setzt Nintendo die Messlatte mit maximal 350 Euro pro Gerät fast auf die schwarze Null. Ab dem ersten Spiel, das über die Ladentheke geht, rutsche das Unternehmen in die Gewinnzone, sagte Reggie Fils-Aime, Chef der Nordamerika-Niederlassung Nintendos.

Umstrittenes Innenleben

Unter der vergleichsweise kleinen Haube der in schwarz oder weiß gehaltenen Konsole versteckt sich ein Multi-Chip-Modul. Ein Dreikernprozessor ist als CPU für die Rechenleistung zuständig, eine rund viermal so große GPU für die Grafik. Insgesamt, so das Urteil von anandtech.com und anderer Seiten, sei die Wii U alles andere als schnell. Die Entwickler des Shooters "Metro Last Light" beschwerten sich gar über die "schrecklich langsame CPU" und begründen damit, dass der Titel nicht für Nintendos neue Konsole veröffentlicht werde.

Welche Rechenleistung in der kleinen Box steckt, ist allerdings gar nicht bekannt – zudem behaupten die Macher von "Trine 2: Director's Cut", das als Launchtitel auf er Wii U erscheint, dass die Leistung definitiv besser sei als bei den aktuellen Konsolen der Konkurrenz. Die Devise heißt also: abwarten. Aktuelle Actiontitel wie "Darksiders 2" oder auch "Batman: Arkham City" machten beim n-tv.de-Test zudem eine ansprechende Figur.

Der Inhalt der Wii U Premium.
Der Inhalt der Wii U Premium.

Vor sechs Jahren, als der Vorgänger auf den Markt kam – ein Jahr nach Microsofts Xbox 360, gleichzeitig mit Sonys Playstation 3 – gab der damals neuen Wii kaum jemand eine Chance – zu behäbig, keine HD-Grafik, zu spät und insgesamt technisch im Hintertreffen, das wird ein Flop, hieß es. Eine Fehleinschätzung. Mit weltweit rund 100 Millionen verkauften Geräten liegt die Spielkonsole momentan deutlich vor Xbox und Playstation mit jeweils rund 70 Millionen. Sie brachte die Gelegenheitsspieler an die Konsole, mit der festen Integration der Bewegungssteuerung setzte Nintendo einen Trend.

Zwei Ausführungen

Von der neuen Wii U gibt es zwei Versionen: Eine mit 8 Gigabyte Speicherplatz, eine mit 32 Gigabyte. Die "Basic"-Ausführung kostet rund 300 Euro, die "Premium" mit 350 Euro etwas mehr. In der günstigeren, weißen Version sind neben der Konsole das Gamepad mit eingebautem Bildschirm, Netzteile sowie ein HDMI-Kabel für Anschluss an Bildschirm oder Fernseher enthalten. Analogkabel sind nicht dabei.

Getestet wurde die schwarze Premium-Version – in der Box liegen zusätzlich ein Ständer für Konsole und Gamepad, eine Aufladestation, die Spielesammlung "Nintendo Land" sowie ein Empfänger. Mit der Zusatzkomponente können auch alte Wii-Fernbedienungen weiter verwendet werden, ebenso wie alte Controller. Neu sind diese mit bis zu 50 Euro ziemlich teuer – für Besitzer der Vorgängerkonsole lohnt sich die Premium-Wii-U allein schon deshalb. Zudem sind von den acht Gigabyte nur rund sieben nutzbar, die anderen gehen für Systemdateien drauf. Bei der großen Ausführung bleiben 29 Gigabyte.

Die monierte Langsamkeit fällt beim Spielen nicht auf – alles an der HD-Grafik in 1920 mal 1080 Pixeln läuft flüssig. New Super Mario Bros. U etwa, einer der hauseigenen Nintendo-Titel zum Verkaufsstart, verursacht manches Mal einen "Oha!"-Effekt. So detailliert war der kleine Wasserinstallateur noch nie zu sehen.

Bis zu fünf Spieler gleichzeitig rennen und springen durch Marios Welt, beim Einzelspiel nicht nur auf dem Fernseher, sondern auch den 6,2 Zoll Bilddiagonale des Gamepads. Das heißt: Fernseher ausschalten und einfach wie mit einem Handheld weiterzocken. Allerdings nur in der Nähe der Konsole – je nach Weitläufigkeit der Wohnung bricht das Signal ab.

Gamepad als großes Plus

Der Controller ist neben der höheren Grafikauflösung eine der großen Neuerungen der Wii U. Das Gerät wirkt im ersten Moment etwas klobig, liegt aber sehr gut in der Hand. Auch das Gewicht hält sich mit 500 Gramm in Grenzen. Mit den Fingern oder einem enthaltenen Spezialstift wird der Touchscreen bedient, der gleichzeitig auch als Fernbedienung für Fernseher, Kabel-, Sat- und andere Receiver dienen kann. Mit einem TV-Gerät von JVC funktionierte das einwandfrei – Lautstärke, Kanal und Eingang wechseln inklusive.

Groß, aber handlich: Das Gamepad mit eigenem Bildschirm. (Foto: Roland Peters)
Groß, aber handlich: Das Gamepad mit eigenem Bildschirm. (Foto: Roland Peters)

Ein Bewegungssensor, Rumble-Funktionen, ein Mikrofon sowie eine Kamera sind ebenfalls im Gamepad verbaut. Und eine weitere Überraschung hat die Wii U parat: Aus dem Lautsprecher am Controller kommt nicht der identische Sound wie vom angeschlossenen stationären Bildschirm, sondern die Klänge ergänzen sich. Dadurch erzeugen Konsole und Gamepad einen räumlichen Klang. Leider ist der Akku etwas schwach, nach ein paar Stunden ist die Ladestation gefragt.

Bei einigen Spielen dient der kleine Bildschirm als Ergänzung für den großen. Bei ZombiU etwa ist auf dem Fernseher zu sehen, wie die Hand des Spielers in einem Schloss herumfingert. Um es jedoch zu knacken, muss er das Minispiel auf dem Gamepad lösen. In anderen Abschnitten ist auf der Anzeige eine zusätzliche Übersichtskarte sichtbar. Mit den Möglichkeiten des Touchscreens könnten Entwickler noch vieles anstellen.

Fast komplett abwärtskompatibel

Um Wii-Besitzern den Umstieg zu erleichtern, ist die neue Konsole abwärtskompatibel, sämtliche alten Spiele funktionieren weiterhin. Lästern über das dünne Spieleangebot gehörte bei Konsolen-Neustarts häufig zum guten Ton unter Fans, aber diesmal ist das überflüssig. Mehr als 20 Spiele sind zum Start verfügbar, für alle Spielertypen ist etwas dabei. Über den  "eShop" sind online weitere, teilweise Titel alter Nintendo-Konsolen wie dem Gamecube oder dem N64 verfügbar.

Auf die Vermutungen, Sony und Microsoft würden die Wii U im kommenden Jahr mit wesentlich besserer Hardware hinter sich lassen, reagierte Nordamerikas Nintendo-Chef gelassen. Es komme dem Käufer nicht auf schöne Bilder an, sondern auf Innovation.

Die erste Konsole neuer Generation hinterlässt vor allem wegen des Experiments mit dem neuartigen Gamepad einen überzeugenden Gesamteindruck – und hat vermutlich ein Jahr Zeit, sich einen Vorsprung auf Xbox und Playstation zu erarbeiten. Nintendo war schon immer eine Spielplattform für unterschiedliche Geschmäcker. Die Voraussetzungen sind gut, dass es mit der Wii U dabei bleibt.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen