Technik
Sieht toll aus: Das Oneplus 5 hat einen Rücken aus mattem Metall.
Sieht toll aus: Das Oneplus 5 hat einen Rücken aus mattem Metall.(Foto: jwa)
Freitag, 07. Juli 2017

Günstig, schick und schnell: Oneplus 5 ist ein ganz schönes Biest

Von Johannes Wallat

Das Oneplus 5 ist ein hervorragendes Smartphone, das in fast allen Bereichen überzeugt. Es ist pfeilschnell, sieht toll aus, macht gute Fotos und kostet wenig. Doch ganz ohne Kompromisse gibt's das Schnäppchen nicht.

Als Oneplus sein erstes Smartphone vorstellte, war das für viele Technik-Fans wie ein wahrgewordener Traum. Ein schickes Gerät, technisch top ausgestattet und geradezu unglaublich günstig. Der Haken? Es war kaum zu bekommen. Inzwischen hat sich einiges getan, Marken wie Honor bringen am laufenden Band Preis-Leistungs-Kracher, und alltagstaugliche Smartphones bekommt man heute schon für 200 Euro. Ist da noch Platz für Oneplus? Mit seinem neuen Smartphone liefert der Hersteller dafür zumindest starke Argumente.

Bei Oneplus konzentriert man sich auf das Wesentliche: Immer nur ein Flaggschiff, keine Mittelklasse-Ableger oder Plus-Varianten, kein Schnickschnack. Das tut der Firma offenbar gut, denn jedes Gerät war bislang technisch stark und optisch ansprechend, die Essenz eines guten Smartphones - freilich mit kleinen Abstrichen, vor allem bei der Qualität der Kamera. Den günstigen Preis bekam man eben doch nicht ganz ohne Kompromisse. Doch mit dem Oneplus 5 soll das vorbei sein, verspricht der Hersteller. Ist das so?

Handschmeichler

Technische Daten
  • System: Android 7.1.1
  • Display: 5,5 Zoll, AMOLED, Full HD (1920x1080p)
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 835
  • Arbeitsspeicher: 6/8 GB
  • Interner Speicher: 64/128 GB
  • Kamera: Dual-Kamera 16 MP, f/1.7 & 20 MP f/2.6
  • Frontkamera: 16 MP
  • Akku: 3300 mAh
  • LTE Cat. 12, WLAN ac, Bluetooth 5, NFC
  • USB 2.0, USB-C
  • Maße: 154,2 x 74,1 x 7,25 mm
  • Gewicht: 153 g

 

Tatsächlich fällt es schwer, das Smartphone nicht zu mögen. Das Metallgehäuse ist glatt und elegant geschwungen, es fasst sich toll an und erinnert viel weniger ans iPhone 7 Plus, als man zuvor dachte. Das AMOLED-Display ist brillant und zeigt satte Farben. Der Fingerabdruck-Scanner an der Front mag Geschmackssache sein, mit einem Sensor auf der Rückseite hätte man das Smartphone vielleicht noch kompakter bauen können. Geschenkt, denn in der Hand fühlt es sich nicht zu groß an.

Die Benutzeroberfläche OxygenOS ist minimalistisch und nah am puren Android, mit ein paar nützlichen Erweiterungen. Es gibt zum Beispiel einen Lesemodus für bestimmte Apps, einen Nachtmodus und ein dunkles Thema für die Benutzeroberfläche, das beim AMOLED-Display zusätzlich Energie einspart. Verschiedene App-Icons und Vibrations-Stärken stehen zur Auswahl, zudem gibt's scrollbare Screenshots, Schnellstart-Gesten und andere praktische Details. Praktisch ist auch der bei Apple abgekupferte Schieber an der Seite, mit dem man zwischen drei verschiedenen, konfigurierbaren Lautstärkeprofilen wechseln kann (Stumm, nicht stören, Töne an). 

Technisch spitze

Macht nix: Das Display ist scharf und hell, obwohl es "nur" Full HD hat.
Macht nix: Das Display ist scharf und hell, obwohl es "nur" Full HD hat.(Foto: jwa)

Technisch ist das Oneplus 5 bestens ausgestattet, die schwarze Variante hat satte 128 Gigabyte internen Speicher, 8 Gigabyte Arbeitsspeicher und einen topaktuellen Snapdragon 835, der Spitzenleistung bringt. Der Hersteller war zwar wegen Benchmark-Schummelei in die Kritik geraten, doch auch ohne Leistungs-Test ist klar: Das Oneplus 5 spielt ganz oben mit. Auf Eingaben reagiert es blitzschnell und zackig, Apps starten im Nu, Spiele meistert es mit Bravour, Verzögerungen oder Denkpausen gibt's nicht. Ein weiterer Pluspunkt: Bei normaler Benutzung hält der Akku zwei Tage durch, wenn das Handy nachts im Flugmodus ausruhen darf. Und das Dash-Charge-Ladegerät pumpt rasend schnell wieder genug Saft in die Kraftzelle. 

Und die Kamera? Schließlich ist die Dual-Knipse das Herzstück des Oneplus 5, und hier hatte der Hersteller den größten Nachholbedarf. Im Test macht sie einen durchweg guten Eindruck. Bei Tageslicht gelingen tolle Aufnahmen, der automatische HDR-Modus leistet wertvolle Dienste, Bilder sind kontrastreich und zeigen einen hohen Dynamikumfang. Die zweite Kamera eignet sich hervorragend für Porträts und Aufnahmen, bei denen weiter entfernte Motive näher herangeholt werden sollen.

Ein optischer Bildstabilisator fehlt, was bei wenig Licht ein kleiner Nachteil ist, und der Tiefeneffekt arbeitet nicht ganz genau. Leider kann man zudem die Intensität der Unschärfe nicht einstellen. In dunklen Aufnahmensituationen greift ein Weichzeichner ein, um Rauschen zu reduzieren. Das resultiert auch in weniger scharfen Fotos mit weniger Details. Das sind aber Kleinigkeiten, die durch andere Vorteile aufgewogen werden, zum Beispiel durch die tollen Makrofotos, die mit der Tele-Linse gelingen. Luft nach oben hat die Kamera zwar noch, im Testzeitraum gab es aber bereits einige Updates, die die Leistung der Knipse verbessert haben – die Feinjustierung der Software ist also offenbar noch im Gange.

Updates, bitte!

Dass ein Hersteller nach Veröffentlichung eines Geräts noch an Stellschrauben dreht, ist nicht ungewöhnlich, entsprechend nachsichtig kann man diesbezüglich mit Oneplus sein. Trotzdem fallen im Alltag mit dem Oneplus 5 Kleinigkeiten auf, die eigentlich nicht sein sollten. Die automatische Helligkeitsregulierung reagiert zum Beispiel sehr träge – oft ist das Display erst einmal dunkel, wenn man das Handy in hellem Tageslicht aus der Tasche holt und einschaltet. Viel nerviger ist die unzuverlässige Bluetooth-Low-Energy-Verbindung (BLE) im sogenannten "Peripherie-Modus", die im Test mehrere Male den Dienst versagte.

Im Netz sind noch andere Bugs dokumentiert, die ebenfalls nach einem Software-Update verlangen. So wird zum Beispiel beim Videofilmen der Stereoton falschherum aufgenommen, wenn man das Handy so hält, dass die Kamera links ist - Geräusche von rechts sind dann auf dem linken Kanal zu hören und umgekehrt. Dreht man das Handy um 180 Grad, tritt dieser Fehler nicht auf. Ein potenzielles Hardware-Problem hat das Oneplus 5 auch: Das Display-Panel ist verkehrt herum eingebaut, also auf den Kopf gestellt. Damit hängt möglicherweise der sogenannte "Jelly Scrolling"-Effekt zusammen, der Schrift beim Scrollen staucht und auseinanderzieht. Beim Testgerät von n-tv.de trat dieser Effekt aber nicht auf.  

Diese Kleinigkeiten sind vielleicht Grund genug, das Handy zurückzugeben. Die Probleme mit Bluetooth und Stereoaufnahme dürften aber durch Software-Updates zu lösen sein, es ist also an Oneplus, hier möglichst schnell etwas zu tun. Trotz der genannten Einschränkungen - und mit der Hoffnung auf schnelle Update-Hilfe - ist das Oneplus 5 ein hervorragendes Smartphone, das den Vergleich mit der teureren Konkurrenz nicht zu scheuen braucht und sein Geld wert ist. Für 500 Euro bekommt man die Grundausstattung, das stärkere Modell kostet mit 560 Euro nur wenig mehr. Nur das Huawei P10 kann da mithalten, die einzige noch günstigere Alternative ist im Moment das Honor 9.

Quelle: n-tv.de

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