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Mit dem Galaxy Alpha verfolgt Samsung eine neue Design-Philosophie.
Mit dem Galaxy Alpha verfolgt Samsung eine neue Design-Philosophie.(Foto: kwe)

Schicker iPhone-6-Gegner: Samsung Galaxy Alpha überzeugt

Von Klaus Wedekind

Mit dem Galaxy Alpha zeigt Samsung, dass es auch richtig schicke Smartphones machen kann. Ganz offensichtlich soll es den Siegeszug des iPhone 6 bremsen. Und wie der Test zeigt, hat es neben vielen Stärken auch ähnliche Schwächen wie Apples Schmuckstück.

Technisch sind Samsungs Oberklasse-Smartphones schon länger absolute Spitzenklasse. Doch die Südkoreaner hatten bisher nicht unbedingt den Ruf, edle Geräte herzustellen. Das liegt vor allem an den Kunststoffgehäusen der Smartphones, die zwar robust und inzwischen sogar wasserdicht sind, aber nicht als besonders hochwertig wahrgenommen werden. Jetzt soll Schluss mit den "Plastikbombern" sein, Samsung will mit dem Galaxy Alpha neue Wege gehen und ganz offensichtlich dem iPhone 6 ein Smartphone entgegensetzen, das nicht nur durch Leistung überzeugt, sondern auch "Style" hat.

Der Aluminiumrahmen hat einen ganz besonderen Schwung.
Der Aluminiumrahmen hat einen ganz besonderen Schwung.(Foto: kwe)

Tatsächlich wirkt das Smartphone durch seinen Aluminiumrahmen viel edler als beispielsweise das Galaxy S5. Die Haptik erinnert etwas an das Nokia Lumia 930. Da sich das Metall an den Seiten verjüngt und das Gerät nur 114 Gramm wiegt, liegt es aber wesentlich  angenehmer in der Hand. Einschalter und Lautstärkewippe sitzen perfekt und bieten sehr solide Druckpunkte. An den Stirnseiten schwingt sich der nur 6,7 Millimeter  dünne Rahmen um Lautsprecherbuchse und Micro-USB-Anschluss, was dem Galaxy Alpha außerordentlich gut steht.

Auch ein Plastik-Rücken kann entzücken

Die Rückseite ist zwar wie gehabt aus Polycarbonat, bildet aber mit einer samtigen Oberfläche einen schönen Kontrast zum harten und kantigen Rahmen. Der Kunststoff schmiegt sich nahtlos ans Gehäuse und weil es unter dem Akkudeckel keine Hohlräume gibt, fühlt sich die dünne Plastikschale massiver an als sie tatsächlich ist. Von vorne sieht das Alpha wie ein typisches Galaxy aus, wobei sich die feine Kreuzchen-Prägung der Rückseite um das Display als filigranes Muster zeigt. Auch das sieht gut aus und man kann sagen, dass das Galaxy Alpha ein sehr stimmiges Design hat und prima verarbeitet ist.

Die weiche Rückseite ist zwar nach wie vor aus Kunststoff, passt aber sehr gut zum kantigen Rahmen.
Die weiche Rückseite ist zwar nach wie vor aus Kunststoff, passt aber sehr gut zum kantigen Rahmen.(Foto: kwe)

Die Schönheit hat allerdings ihren Preis, das Galaxy Alpha ist nicht wasserdicht und im schlanken Gehäuse hat nur ein Akku Platz gefunden, der mit 1860 Milliamperestunden fast ebenso schwach auf der Brust ist wie die Batterie des iPhone 6. Das Alpha macht aber das Beste aus seinen knappen Reserven und so sind auch die Laufzeiten durchaus mit dem Durchhaltevermögen des Apple-Konkurrenten vergleichbar. So hielt das Samsung-Smartphone im Test ebenfalls bei durchschnittlichem Gebrauch locker einen Tag durch. Bei schlechtem Empfang oder häufigem Einsatz der Kamera sank der Ladestand aber ziemlich rapide in Bereiche, wo der Energiespar-Modus zum Einsatz kommen muss.

Full-HD muss nicht sein

Die wichtigsten Spezifikationen
  • Prozessor: Exynos 5430, acht Kerne, 1,8 + 1,3 Gigahertz
  • Arbeitsspeicher (RAM): 2 Gigabyte
  • Interner Speicher: 32 Gigabyte, nicht erweiterbar
  • Display: 4,7 Zoll,  Super AMOLED,1280 x 720 Pixel (312 ppi)
  • Kameras: hinten 12 Megapixel, vorne 2,1 Megapixel
  • Akku: 1860 Milliamperestunden
  • LTE (Cat. 6), NFC, Bluetooth 4.0, USB 2.0
  • Sensoren: Beschleunigung, Gyro, Annäherung, Umgebungslicht, Fingerabdruck, Puls
  • Betriebssystem: Android 4.4.4
  • Maße: 132,4 x 65,5 x 6,7 Millimeter
  • Gewicht: 114 Gramm

Vermutlich um den kleinen Akku zu schonen, hat Samsung beim Galaxy Alpha auf ein Full-HD-Display verzichtet. Der 4,7 Zoll große Bildschirm erreicht mit 720p aber wie das iPhone-6-Display noch eine Pixeldichte jenseits der 300 ppi, was absolut ausreichend ist. Farben und Kontraste sind ähnlich knackig wie beim Galaxy S5. Und wie beim großen Bruder dunkelt der Bildschirm des Alpha von der Seite betrachtet kaum ab und bleibt perfekt lesbar. Das Display kann aber insgesamt nicht so hell leuchten und hat einen leichten Blaustich.

Beim Antrieb hat Samsung sich weniger zurückgehalten und seinen neuen, hauseigenen Acht-Kern-Prozessor Exynos 5430 eingebaut, der auf zwei Gigabyte Arbeitsspeicher zugreifen kann. Vier Cortex-A15-Kerne machen mit 1,8 Gigahertz Dampf, vier  A7-Kerne sparen mit 1,3 Gigahertz Strom. Außerdem schont der Chip den Akku durch eine 20-Nanometer-Architektur, bei der die Elektronen kürzere Wege zurücklegen müssen. Im AnTuTu-Benchmark übertrifft das Galaxy Alpha das mit Qualcomms Snapdragon 801 ausgestattete S5 deutlich und im Alltag überzeugt es durch äußerst zackige Reaktionen. Auch die Grafikeinheit Mali T628 hat sich im Test als stark genug erwiesen und sich von keinem Spiel in die Knie zwingen lassen. Im 3DMark-Test "Ice Storm Unlimited" bleibt das Alpha mit einer durchschnittlichen Leistung aber deutlich hinter dem S5 zurück.

Starke Kamera

Die Kamera des Galaxy Alpha mag's gerne scharf.
Die Kamera des Galaxy Alpha mag's gerne scharf.(Foto: kwe)

Zwar macht die Kamera des Edel-Galaxy nur Fotos mit bis zu zwölf Megapixeln. Doch die Bilder sehen so gut aus wie bei der 18-Megapixel-Kamera des S5 und glänzen vor allem bei guten Lichtverhältnissen mit feinen Details. Allerdings schießt das Alpha beim automatischen Schärfen manchmal übers Ziel hinaus. Wie das große Galaxy hat auch der Metaller einen tollen HDR-Modus, dessen Resultate in Echtzeit auf dem Display zu sehen sind. Die Kamera ist außerdem fast genauso schnell wie die des S5 und das Bildrauschen hält sich bei schwächeren Lichtverhältnissen ebenfalls in Grenzen. Mit der iPhone-6-Kamera kann die Alpha-Kamera allerdings nicht mithalten.

Unterm Fotolicht ist auch beim Galaxy Alpha ein Pulsmesser eingebaut, der unkompliziert und relativ zuverlässig arbeitet. Ob man so etwas in einem Smartphone braucht, ist allerdings fraglich. Sehr nützlich ist aber der Fingerabdruck-Sensor im Home-Button. Er arbeitet fast fehlerfrei und befreit Nutzer beim Entsperren von der umständlichen Eingabe einer PIN oder eines Musters. Außerdem kann man ihm die Anmeldedaten für Webseiten anvertrauen und einen Fingerabdruck für die Paypal-Bezahlung nutzen. Man muss allerdings mit dem Finger im richtigen Winkel über den Sensor streichen, was nicht ganz so praktisch wie die One-Touch-Lösungen bei iPhone und Huaweis Ascend Mate 7 ist.

Alles in allem ist Samsung mit dem Galaxy Alpha ein wirklich schickes und hochwertiges Smartphone gelungen, das mit einem Preis von derzeit rund 550 Euro durchaus auch den einen oder anderen Nutzer vom Kauf eines wesentlich teureren iPhone 6 abhalten könnte. Leider ist im ultradünnen Alpha-Gehäuse kein Platz für micro-SD-Karten und Käufer müssen sich mit 32 Gigabyte internem Speicher begnügen. Außerdem könnten potentielle Käufer ein wasserdichtes Gehäuse vermissen, das sie beispielsweise für weniger Geld beim Sony Xperia Z3 Compact finden.

Quelle: n-tv.de

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