Technik
Was kann eine neue Währung leisten?
Was kann eine neue Währung leisten?

Ersatzwährung für Euro und US-Dollar?: So funktioniert der Bitcoin

Von Roland Peters

Eine weltweite Währung ohne Zentralbank, errechnet von einem Schwarm aus Maschinen, mit natürlicher Inflationsbremse und Betrugsschutz? Das ist der Bitcoin. Das globale Geld erreicht derzeit neue Höhen auf den Handelsseiten. Zurecht?

Wenn Währungen in der Krise sind, hat das häufig einen Grund: kein Vertrauen. Der Faktor Mensch ist entscheidend. Bei der Währung Bitcoin ist das genauso. Sie besitzt einen ideellen, keinen realen Gegenwert. Doch sie wird gehandelt, es gibt Fonds und sie erfährt immer wieder Schwankungen. Mitten in die Unruhe um den Euro platzt der Bitcoin nun mit einem Kursfeuerwerk. Wie kann es sein, dass es plötzlich eine globale, universelle Währung gibt, ohne Bindung an einen Staat oder eine andere Institution?

Von Bitcoins gibt es kein Bargeld, sie sind virtuell. Erst jetzt entdecken viele eine Alternative darin und treiben so den Tauschwert in die Höhe. Eine Einheit kostet auf Mt. Gox, der populärsten Handelsseite, derzeit über 77 US-Dollar. Der Kurs hatte bereits Mitte 2011 ein erstes Hoch von über 30 US-Dollar erlebt, brach danach aber wieder auf unter 5 Dollar ein. Seit Januar geht es nun steil aufwärts. Der große Unterschied zu Dollar, Pfund oder Euro: Für den Bitcoin steht keine höhere Autorität ein, etwa eine Zentralbank.

Knobelnde Maschinen

Doch woher kommt dann das Geld, wenn es nicht eine Institution gibt, die es in den Markt gibt? Es kommt aus dem Netz. Von Privatcomputern, Servern in Rechenzentren, Geschäftsrechnern; das Gesamtnetzwerk ist für die Integrität des Bitcoin verantwortlich. Und dort wird er auch "geschürft". Dafür knobeln Maschinen an mathematischen Aufgaben. In Relation zur eingesetzten Rechenleistung werden die Rechner mit Lösungen in Form neuer Bitcoins belohnt. Jede dieser Einheiten ist einmalig, identifizierbar und kann nicht dupliziert werden.

Das Netzwerk "weiß" ständig, wie viele Bitcoins es bereits gibt, wie viel Rechenleistung derzeit für das Schürfen aufgewendet wird und wie viele Einheiten neu ausgegeben werden dürfen. Etwa alle vier Jahre halbiert sich die Schürfrate. Jedes Mitglied des Netzwerkes gleicht sich ständig mit den anderen ab. Diese maschinelle Schwarmintelligenz ist so gut wie nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Eine Prognose zeigt den vermuteten Ablauf des Schürfungsprozesses bis ins Jahr 2033.
Eine Prognose zeigt den vermuteten Ablauf des Schürfungsprozesses bis ins Jahr 2033.(Foto: CC BY 3.0 / Insti)

Ende des vergangenen Jahres waren bereits mehr als 10 Millionen Bitcoins im Umlauf. Der Schürfungsprozess ist ein Alternativmodell zum traditionellen System herkömmlicher Währungen: Keine Institution kann die Geldmenge beeinflussen. Der Schutz vor Inflation wird durch eine mathematische Funktion gesichert. Sie macht es unmöglich, dass die Anzahl der Bitcoins 21 Millionen Einheiten überschreitet. Einerseits verhindert dieses Prinzip Inflation. Auf der anderen Seite kann es jedoch auch zum Problem werden, wenn die Nachfrage ständig steigt und die Geldeinheiten zu groß werden.

Vorteil Unabhängigkeit

Der Vorteil von Bitcoins liegt in der Unabhängigkeit der Besitzer von Händlern und Banken: Alle Transfers werden über eine virtuelle Brieftasche in Form einer Software abgewickelt. Es gibt Angebote für Windows, Mac, Linux und auch Android. Privatpersonen oder Unternehmen können ihr Geld also direkt verschicken. Ohne Gebühren oder ähnliches und völlig ortsunabhängig, da der Bitcoin an keinen Wirtschaftsraum gekoppelt ist. Wenn also eine Band in den USA eine CD nach China verkauft, entfällt das Problem der Banküberweisung, die Gebühr an Paypal oder andere Bedingungen. Der Nachteil ist jedoch die mögliche Instabilität des Gegenwertes in realen Währungen.

Ein Bitcoin besteht aus einem kryptographischen Schlüsselpaar. Einer als Währungseinheit, der andere als Berechtigung, über diese verfügen zu dürfen. So, als wenn jemand Bargeld mit einem persönlichen Geheimcode markiert. Die Schlüsselpaare werden in eine Binärdatei gespeichert. Dies ist auch schon der größte Risikofaktor neben einem Kursverfall: möglicher Datendiebstahl. Nutzer können die Datei problemlos auf einem USB-Stick mitnehmen, wenn ihnen andere Varianten zu unsicher sind.

Abgleich mit dem Schwarm

Will der Besitzer mit dem virtuellen Geld bezahlen, versendet er nur den öffentlichen Schlüssel samt eines Signatur für die Transaktion, der dann mit einem privaten Pendant des Empfängers versehen wird. Das Geld hat damit seinen Geheimcode und auch seinen Besitzer gewechselt. Sämtliche Transaktionen werden auf allen beteiligten Rechnern verzeichnet.

Wegen des Abgleichs mit dem Netzwerk ist eine Manipulation über einzelne Teilnehmer ist damit so gut wie unmöglich. So kann der Weg jedes Bitcoins seit seiner Schürfung theoretisch zurückverfolgt werden. Neben dem reinen Geldhandel kann auf immer mehr Seiten mit Bitcoins gezahlt werden. Seit Anfang des Monats ist etwa bitcoinstore.com online, der neben aller Art Unterhaltungselektronik auch Musikinstrumente und andere Dinge verkauft.

Manche betrachten die digitale Währung mit großer Skepsis. Wohl auch, weil der Bitcoin von Beginn an unabhängig war. Unabhängig von Zentralbanken, aber auch von Wirtschaftsleistung. Damit unterliegt der Bitcoin auch keinerlei Versuchen politischer Einflussnahme. Der Tauschwert des Bitcoins in staatlich gestützte Währungen kann auch erneut abstürzen, wenn sich das Angebot-Nachfrage-Verhältnis verschiebt. Entscheidend ist das Vertrauen. Wie bei allen Währungen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen