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In einigen Ländern ist Pokémon Go bereits erhältlich und wird eifrig gespielt - wie hier im kanadischen Kingston. Doch selbst in Deutschland ist das Spiel schon verbreitet.
In einigen Ländern ist Pokémon Go bereits erhältlich und wird eifrig gespielt - wie hier im kanadischen Kingston. Doch selbst in Deutschland ist das Spiel schon verbreitet.(Foto: imago/ZUMA Press)
Dienstag, 12. Juli 2016

Die App, über die alle reden: So spielt man Pokémon Go

In rekordverdächtiger Zeit hat das Spiel Pokémon Go die Charts gestürmt. Seitdem laufen etliche Menschen mit ihrem Handy durch die Straßen und suchen nach den kleinen Fabelwesen. So geht es auch unserer Gastautorin Patricia Cammarata - sie ist fasziniert.

Dass Menschen in den Straßen permanent auf ihr Handy blicken - daran hat man sich schon gewöhnt. Bei Pokémon Go gehört das sogar dazu. Das kostenlose Handyspiel ist erst seit kurzem erhältlich und schon ein Hit. Trotz zusammenbrechender Server, Kritik am umfassenden Zugriff auf das Google-Konto der Nutzer und Berichten über manipulierte Versionen. Letzteres betrifft etwa Spieler in Deutschland, wo Pokémon Go noch gar nicht offiziell erhältlich ist. Das hält Fans freilich nicht davon ab, es sich auf andere Weise aufs Smartphone zu laden. Dazu gehört auch unsere Gastautorin, die Autorin und Bloggerin Patricia Cammarata, die bereits begeistert Pokémon Go spielt und ihre Erfahrungen aufgeschrieben hat.

Welchen Pokémon man begegnet, hängt auch von der Gegend ab: In Städten gibt es etwa Rattfratz.
Welchen Pokémon man begegnet, hängt auch von der Gegend ab: In Städten gibt es etwa Rattfratz.(Foto: Screenshot Patricia Cammarata)

Ich bin durchaus bereit zu glauben, dass es eine zweite Realitätsebene gibt. Eine Augmented Reality quasi, eine erweiterte Realität. Deswegen liebe ich auch Augmented-Reality-Spiele und habe mir am Wochenende Pokémon Go heruntergeladen. Und ich bin höchst fasziniert.

Pokémon Go ist eine App mit der man (wenig überraschend) Pokémons einfangen kann. Man klickt sich einen Charakter, eine Trainerin, zusammen und dann - wann immer man sich in der realen Welt bewegt - schaltet man die App an und schaut sich um. Schon nach wenigen Metern erscheint das erste Pokémon, das man einfangen kann.

Basierend auf Google Maps

Manch ein Detail, das im Spiel vorkommt, ...
Manch ein Detail, das im Spiel vorkommt, ...(Foto: Screenshot Patricia Cammarata)

Pokémon Go basiert auf Google Maps und man kann die Karte, die man sieht, tatsächlich auch zur Navigation und Orientierung benutzen. Am Wochenende war ich zum Beispiel am Liepnitzsee bei Berlin und die App zeigte mir den Weg durch den Wald. Natürlich sieht man "in echt" auch die Trampelpfade - man muss sich aber ohne App merken, wo man abgebogen ist oder hoffen, dass das Gefühl zur Richtung ungefähr stimmt.

Jedenfalls habe ich am See einige Entons (entenartige Pokémon) und auch einige Karpadors (fischartige Pokémon) eingefangen. Welche Pokémon wo zu finden sind, scheint von der Gegend abzuhängen, in der man sich bewegt. In der Stadt zum Beispiel gibt es viel mehr Rattfratz (rattenähnliche Pokémon) und Taubsis (taubenartige Pokémon).

... hat man in der Realität vielleicht übersehen.
... hat man in der Realität vielleicht übersehen.(Foto: Patricia Cammarata)

Sinn des Spiels ist allerdings nicht nur das Einsammeln der Pokémon. Man muss sie auch entwickeln und in Pokémon-Arenen gegen andere Pokémon antreten. Mir geht es aber eigentlich gar nicht so sehr um das Spiel an sich. Ich finde die App einfach toll, weil sie es ermöglicht, etwas zu sehen, was andere nicht sehen. Auf mein Display starrend laufe ich durch die Straßen. Wenn dann plötzlich vor mir ein Pokémon auf dem Screen erscheint, hebe ich meinen Kopf und bin jedes Mal verwundert, dass ich es nicht sofort sehe, sondern erst das Handy hochhalten muss, um es wirklich wahrzunehmen.

Türme werden zu Kampfarenen

Mein Gehirn ist jedenfalls sehr bereit, diese Unterscheidung Spiel und echte Welt nicht mehr so genau zu nehmen. Mit großer Freude hab ich zum Beispiel entdeckt, dass die Türme des Frankfurter Tors in Berlin-Friedrichshain zwei gigantische Pokémon Kampf-Arenen sind. Ich werde sie nie wieder als normale Bauwerke sehen können.

Das Spiel hat außerdem Pokéstops. Auch dieses Feature gefällt mir sehr, es sind echte Mini-Sehenswürdigkeiten. Es handelt sich um reale Dinge, die man im Alltag aber ganz leicht übersieht, die man nicht wahrnimmt, selbst wenn man hundertmal an derselben Stelle vorbeigelaufen ist: Ornamente in Bauwerken zum Beispiel oder banale Orte, die einem, weil man normalerweise den Weg durch die Parallelstraße wählt, nie auffallen.

Akku- und Nackenprobleme

Nervig ist allerdings, dass das Spiel so viel Akku frisst. Rund zwanzig Prozent sind es in dreißig Minuten. Weswegen man ohne Akku-Pack keine längeren Spaziergänge machen kann. Das andere Problem ist tatsächlich die Haltung: Beim Laufen ständig auf das Display zu schauen, verursacht Nackenprobleme. Offenbar war diese Verwendung aber auch nicht die Idee der Spielemacher: Bald wird es ein Armband zu kaufen geben, welches auf die Pokémon der Umgebung durch Vibrationsalarm aufmerksam macht. Das ständige Starren auf das Display wird dann nicht mehr nötig sein.

Das Spiel selbst ist übrigens kostenlos. Das Band, es heißt Pokémon Go Plus, soll um die 40 Euro kosten und wird Ende Juli in Deutschland verfügbar sein. Im Moment kann man das Spiel offiziell in Deutschland ohnehin noch gar nicht spielen. Dort wo es offiziell möglich ist, waren die Server schon des Öfteren überlastet. Das Spiel scheint also nicht nur mir Freude zu bereiten. Ich bin übrigens Team Blau, das ist eines von drei möglichen Teams, und wer mit seinen Pokémon gegen mich kämpfen will, finde sich gelegentlich am Frankfurter Tor ein.

Der Text erschien ursprünglich auf dasnuf.de, dem Blog von Patricia Cammarata, und wurde für n-tv.de überarbeitet.

Quelle: n-tv.de

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