Technik
Garri Kasparow im zweiten von sechs Spielen gegen Deep Blue. Der hat einen entscheidenden Fehler gemacht.
Garri Kasparow im zweiten von sechs Spielen gegen Deep Blue. Der hat einen entscheidenden Fehler gemacht.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Entwickler gibt Fehler bei Deep Blue zu: Software-Bug besiegte Kasparow

War der historische Sieg des IBM-Rechners Deep Blue über Schachweltmeister Garri Kasparow nur ein Zufall? New York-Times Autor Nate Silver berichtet jetzt, dass ein Programmfehler zu einem Zufallszug geführt habe, den der Schachgroßmeister falsch bewertete.

Es war das erste Mal, dass ein Computer gegen einen Schachweltmeister antrat - und gewann. Im Mai 1997 besiegte der IBM-Superrechner "Deep Blue" den siegessicheren Schachgroßmeister Garri Kasparow.

Eine Sensation. Doch 15 Jahre später verrät einer der Designer von Deep Blue, dass der wahre Grund für den Sieg Maschine über Mensch wahrscheinlich ein kleiner Fehler war, der in der Software des Supercomputers steckte. Das berichtet jetzt das US-Technikmagazin "Wired".

Es passiert am Ende des ersten - oder zu Beginn des zweiten von sechs Spielen: Deep Blue opfert eine Figur und verrät damit seinem Gegner offenbar seine Langzeit-Strategie.

Der Zug versetzt Kasparow in Aufregung

Zum ersten Mal verliert im Mai 1997 ein Großmeister gegen einen Computer.
Zum ersten Mal verliert im Mai 1997 ein Großmeister gegen einen Computer.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Kasparow und viele Beobachter vermuten, dass dieser Zug zu anspruchsvoll für einen Computer ist, hegen sogar den Verdacht, dass ein Mensch heimlich in das Spiel des Rechners eingreift. "Der Zug versetzte Kasparow in große Aufregung", erklärte 1997 der Schachexperte Yasser Seirawan. Doch der clevere Schachzug basierte offenbar nur auf einem Fehler im Programm. Das behauptet zumindest der "New York Times"-Autor Nate Silver in seinem Buch "The Signal and the Noise".

Deep Blue weiß nicht weiter

Gegenüber dem Autor Silver erklärte Murray Campbell, einer der drei Designer des IBM-Computers, dass "Deep Blue" einen Moment lang nicht in der Lage war, einen günstigen Zug zu berechnen und deshalb zufällig einen beliebigen auswählte.

Kasparow hat diesen Zufallszug seines Computer-Gegners offenbar überbewertet, dies brachte seine Strategie durcheinander und er verlor. Das IBM-Team behob den Softwarefehler zwischen zwei Spielen, nicht wissend, dass er einen wichtigen Sieg gebracht hatte. Der Gewinn des Matches gegen Kasparow gehört zu den Meilensteinen der IBM-Geschichte.

Heutige Rechner sind um ein Vielfaches schneller als "Deep Blue" damals. Doch ob sie auch ohne kleine Macken eine Chance gegen menschliche Schachchampions hätten?

Garri Kasparow ist heute in Russland politisch aktiv und kämpft nicht mehr gegen Computer, sondern gegen Kremlchef Wladimir Putin.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen