Technik
Das Sony Xperia X Compact hat kaum direkte Konkurrenz.
Das Sony Xperia X Compact hat kaum direkte Konkurrenz.(Foto: jwa)
Mittwoch, 05. Oktober 2016

Klein, handlich, stark genug? : Sony X Compact spielt in eigener Liga

Von Johannes Wallat

Das X Compact ist Sonys neuer kleiner Kraftprotz. Das Handy liegt in manchen Punkten mit dem aktuellen Flaggschiff gleichauf, an anderen Stellen hat Sony den Rotstift angesetzt. Reicht es noch zur iPhone-Konkurrenz? n-tv.de hat's ausprobiert.

Sony nahm mit seinen kleinen und starken Smartphones aus der Compact-Reihe zeitweilig eine Sonderstellung ein: Die kompakten Kraftprotze galten als gute Android-Alternative zum iPhone, denn sie bargen starke Technik in einem handlichen Gehäuse. Mit dem Xperia X Compact gibt Sony diese Sonderstellung zumindest teilweise auf, die Ausstattung ist in vielen Punkten schwächer als beim zeitgleich vorgestellten Flaggschiff XZ. Kann das Compact dem iPhone trotzdem noch die Stirn bieten?

Kein Design-Hit

Gleich beim ersten, überaus wichtigen Punkt gelingt Sony das nicht: Design und Verarbeitung wirken etwas klobig und wenig hochwertig. Im Vergleich zu seinen kompakten Seitenlängen ist das Compact recht dick, Ober- und Unterseite sind flach, so dass das Smartphone ohne Hilfe aufrecht stehen kann. Etwas unglücklich ist die Materialwahl: Der glänzende Kunststoff in Klavierlack-Optik fühlt sich in der Hand schnell schmierig an und zieht sowohl Fingerabdrücke als auch Fettflecken und kleine Kratzer magisch an, sodass man das Gehäuse ständig sauberwischen möchte. Das ist schade, denn es trübt den ersten, wichtigen Eindruck. Das Compact folgt zwar der gleichen Formensprache wie das Flaggschiff XZ, ist aber weniger elegant. Bei den Vorgängern hatte Sony ein glücklicheres Design-Händchen.

Glänzendes Gehäuse, Finger-Scanner an der Seite: das Sony X Compact.
Glänzendes Gehäuse, Finger-Scanner an der Seite: das Sony X Compact.(Foto: jwa)

Bei der Bedienung gibt's dann aber nichts zu meckern, der seitlich eingebaute Fingerabdruck-Scanner, der zugleich Power-Button ist, ist treffsicher und entsperrt das Smartphone blitzschnell. Seine mittige Position ist gut gewählt, sowohl Links- als auch Rechtshänder haben automatisch einen Finger auf der Taste, wenn sie zum Handy greifen. Rechtshänder werden aber Probleme haben, die Lautstärketaste mit dem Daumen zu erreichen.

Die Benutzeroberfläche reagiert recht flott, Eingaben verarbeitet das Handy verzögerungsfrei, Apps starten schnell, Multitasking ist kein Problem - alles so, wie es sein soll also. Das Display ist hell und scharf, die Auflösung von 1280 x 720 Pixeln ist bei der Displaygröße von 4,6 Zoll hoch genug.

Kamera gut, aber langsam

Wichtige technische Daten
  • System: Android 6
  • Display: 4,6 Zoll, HD (1280 x 720 Pixel)
  • Prozessor: Snapdragon 650
  • Arbeitsspeicher: 3 GB
  • Interner Speicher: 32 GB + microSD
  • Hauptkamera: 23 Megapixel
  • Frontkamera: 5 Megapixel
  • Fingerabdruck-Sensor
  • USB-C, Bluetooth 4.2, NFC
  • Maße: 129 x 65 x 9,5 mm
  • Gewicht: 135 g

Bei der Kamera zeigen sich aber erste Anzeichen von Schwäche: Die Benutzeroberfläche ist die gleiche wie beim XZ, auch technisch sind beide Knipsen fast ebenbürtig. Doch aufgrund der schlechteren Ausstattung beim Prozessor ist das Compact beim Fotografieren und Fokussieren etwas träger als das Flaggschiff und manchmal sogar richtig lahm.

Das ist schade, denn die Kamera ist seit vielen Gerätegenerationen ein Aushängeschild von Sonys Smartphones - auch wenn erst die letzten Z-Modelle von den Kritikern wirklich gute Noten bekommen haben. Die Knipse des X Compact ist aber "nur" gut. Sie macht bei Tageslicht tolle Aufnahmen, zeigt im Dämmer- oder Kunstlicht aber Schwächen. Einen Pluspunkt gibt's für die hohe Auflösung, die digitales Zoomen ohne großen Qualitätsverlust ermöglicht. Nachteilig ist die etwas unübersichtliche Menüführung in der Kamera-App, die andere Hersteller besser hinbekommen. Die Frontkamera schießt Fotos mit 5 Megapixeln, hier war Sony im Vergleich zum XZ (13 MP, Bildstabilisator) deutlich sparsamer.  

Den Flaggschiff-Bonus bekommt das XZ nicht nur bei Kamera und Prozessor: Auch das wasser- und staubdichte Gehäuse, das über viele Generationen bei Sonys Oberklasse Standard war, ist beim X Compact verschwunden. Damit bleiben Sonys neuem Kleinen am Ende des Tages nicht mehr besonders viele Pluspunkte im Kampf um die Gunst der Kompakt-Käufer. Das Gehäuse fühlt sich im Vergleich zum Vorgänger Z5 Compact an den Rändern, wo das Display ins Gehäuse übergeht, etwas besser an. Der glatte Kunststoff ist aber keine besonders gute Wahl. Technisch ist das Z5 Compact dem Quasi-Nachfolger nahezu ebenbürtig.

Starker Akku

Trotzdem: Punkten kann das kleine Sony mit seinen kompakten Abmessungen und der für Alltagsaufgaben guten Technik, denn in dieser Größenklasse gibt's nach wie vor kaum Konkurrenz. Das recht dicke Gehäuse beherbergt einen kräftigen 2700-Milliamperestunden-Akku, der zusammen mit dem sparsamen Prozessor und dem nur in HD auflösenden Display lange Laufzeiten garantiert - bei moderater Nutzung sind locker anderthalb Tage drin. Um den Akku zu sparen, analysiert das Smartphone zudem die Ladegewohnheiten des Nutzers und pumpt den Akku erst dann auf 100 Prozent voll, wenn das Smartphone bald gebraucht wird, zum Beispiel über Nacht kurz vor dem Weckerklingeln. Das schont den Akku und soll dessen Lebensdauer verlängern - eine gute Idee, deren Erfolg sich aber naturgemäß noch nicht messen lässt.

Für ein dickes Lob reicht es beim X Compact aber nicht. Der empfohlene Preis von 449 Euro ist zu hoch, auch wenn das Smartphone schon jetzt für 400 Euro zu haben ist. Trotzdem: Den Glanz der Compact-Reihe frischt das neue nicht auf. Dafür bietet es zu wenig, und mit dem Xperia X und dem Z5 Compact gibt es aus eigenem Hause gute Alternativen. Als iPhone-Konkurrent taugt es nicht mehr, vielmehr spielt das X Compact nun in einer eigenen Liga - alltagstaugliche, gehobene Mittelklasse im kompakten Gehäuse. Nicht mehr und nicht weniger. 

Quelle: n-tv.de

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