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Risiko IT-Sicherheit: Schon jetzt ist der Schaden für Sony enorm.
Risiko IT-Sicherheit: Schon jetzt ist der Schaden für Sony enorm.(Foto: REUTERS)

Neue Hacker-Attacke in den USA: Sony wird erneut zur Zielscheibe

Die Serie der Hacker-Angriffe auf den japanischen Elektronikriesen Sony nimmt kein Ende: Eine Gruppe anonymer Programmierer kann angeblich ungestört auf den Servern von Sony Pictures Entertainment in vertraulichen Datensätzen stöbern. Zum Beweis veröffentlichen die Angreifer Beispiele im Internet. Diesmal betroffen: Rund eine Million Kunden.

Erst das Playstation-Netzwerk, jetzt die Server der US-Filmrechtetochter?
Erst das Playstation-Netzwerk, jetzt die Server der US-Filmrechtetochter?(Foto: dpa)

Computerhacker haben erneut ein Netzwerk des Unterhaltungskonzerns Sony angegriffen. Die Gruppe Lulzsec knackte eigenen Angaben zufolge den Internetserver von Sony Pictures Entertainment und erlangte damit Zugriff auf persönliche Daten von mehr als einer Million Kunden. Zum Beweis veröffentlichten die Hacker eine Auswahl an Datensätzen im Internet. In Stichproben des US-Blogs "This Is My Next" erwiesen sich die Daten als authentisch. Diesen Angaben zufolge wurden 39.000 Kombinationen aus E-Mail-Adresse und Passwort sowie 12.500 mit E-Mail-Adresse, Passwort, Anschrift und Geburtsdatum ins Netz gestellt.

Sonys Ärger mit Hacker-Attacken findet damit kein Ende. Erst Mitte Mai hatte der Konzern nach erheblichen Schwierigkeiten mit den Sicherheitsvorkehrungen das Online-Netzwerk zur Spielkonsole Playstation wieder freischalten können. Das Playstation-Netzwerk musste nach einem Sony verdächtigt Anonymous geschlossen werden. Unbekannte Täter hatten sich bei der bislang umfangreichsten Attacke Zugriff auf Nutzerdaten von rund 75 Millionen Sony-Kunden verschafft, darunter Namen, E-Mail-Adressen, Passwörter und Kreditkartennummern. Das Datenleck hatte weltweit für Aufsehen gesorgt.

Die Gruppe namens "Lulz Security" hatte vor kurzem mehrfach von sich reden gemacht. Unter anderem hackte sie die Website der US-Castingshow "X-Factor" und mogelte auf der Seite des Senders PBS einen Artikel unter, wonach der 1996 getötete Rapper Tupac Shakur am Leben sei.

"Lulz Security" behauptete nun, dass die Seite von Sony Pictures extrem einfach zu knacken gewesen sei. Nach den jüngsten Vorfällen hatte der Konzern beteuert, seine Sicherheitsmaßnahmen verstärkt zu haben. Die Passwörter seien dort unverschlüsselt aufbewahrt worden, erklärten dagegen die Hacker. Wegen mangelnder Ressourcen hätten sie nur einen Teil der ihnen zugänglichen Informationen herunterladen können. Von Sony hieß es zunächst lediglich, man gehe den Behauptungen nach.

Daten-Schlachten im Internet

Der neue Angriff ist ein herber Rückschlag für den Versuch des japanischen Elektronik-Riesen, die schwere Sicherheitskrise hinter sich zu lassen. Mitte April hatten unbekannte Hacker die Sony-Netzwerke für Konsolen- und Computerspieler sowie den Film- und Musikdienst Qriocity geknackt. Dadurch bekamen sie insgesamt Zugang zu mehr als 100 Mio. Kundendatensätzen. Sony ist gerade dabei, die wochenlang abgeschalteten Netze wieder vollständig hochzufahren. Das Management beteuerte wiederholt, nach dem riesigen Datendiebstahl alles Erdenkliche für mehr Sicherheit getan zu haben. Danach gab es allerdings noch mehrere kleinere Sicherheitspannen.

Verschiedene Vorfälle belegen derzeit die Dringlichkeit des Themas Datensicherheit: Der neue Fall bei Sony ist dabei nur ein weiteres Kapitel in einer Erst am Vortag hatte der Hacker knacken Gmail-Konten vor Attacken mutmaßlich in China ansässiger Computer-Hacker gewarnt. Die unbekannten Täter hätten laut Google Hunderte E-Mail-Konten des US-Internetriesen angegriffen. Datendiebe sollen auch Mitarbeiter der Washingtoner Regierung sowie chinesische Menschenrechtler ins Visier genommen haben, teilte der Konzern mit. Die Attacke habe abgewehrt werden können.

Google, Pentagon, Neckermann

Der weltgrößte Suchmaschinenbetreiber zeigte zugleich mit dem Finger auf die Volksrepublik: Der Angriff scheine aus Jinan gestartet worden zu sein, wo die Volksarmee ein Zentrum für Cyber-Spionage betreibt. Die chinesische Regierung wies die Vorwürfe empört zurück. In einem Strategiepapier aus dem Pentagon war zuletzt davon die Rede, Hackerangriff wird Kriegsgrund einzustufen, was im Extremfall auch militärische Gegenschläge nach sich ziehen könnte.

Kurz zuvor hatten Hacker beim deutschen Versandhändler Neckermann Daten von 1,2 Millionen Gewinnspielteilnehmern abgegriffen. Den Kriminellen fielen nach Unternehmensangaben Namen und E-Mail-Adressen von Nutzern vorwiegend aus Deutschland in die Hände.

"Unser Hauptserver und damit unser Online-Shop war nicht betroffen", betonte eine Neckermann-Sprecherin. Der Angriff sei bereits Ende vergangener Woche aufgefallen. Zugeschlagen haben die Hacker nach ersten Erkenntnissen in den Tagen zuvor. Neckermann habe umgehend die Sicherheit des Servers verstärkt, die betroffenen Gewinnspielteilnehmer informiert und diese vor unerwünschten E-Mails gewarnt. Bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt wurde Anzeige gegen Unbekannt gestellt.

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Quelle: n-tv.de

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