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Zwei E-Mail-Dienste teilen sich bei Stiftung Warentest den Sieg.
Zwei E-Mail-Dienste teilen sich bei Stiftung Warentest den Sieg.(Foto: Posteo/Mailbox.org/n-tv.de)

Die Sieger kosten nur 1 Euro: Stiftung Warentest prüft E-Mail-Dienste

Sind kostenpflichtige E-Mail-Dienste besser als Gratis-Angebote? Wo dürfen sich Kunden besonders sicher fühlen und welches Unternehmen nimmt den Datenschutz wirklich ernst? Stiftung Warentest prüft 14 Dienste und kommt zu einem klaren Ergebnis.

Privat nutzen Bundesbürger laut dem Branchenverband Bitkom zwar zunehmend Messaging-Dienste und soziale Netzwerke für den Austausch von Nachrichten. Trotzdem sind E-Mails auch außerhalb des Berufs weiter unverzichtbar, beispielsweise für vertrauliche Botschaften, fürs Online-Shopping oder für die Anmeldung bei Internet-Diensten. E-Mails sind aber auch ein Einfallstor für gefährliche Trojaner, Kriminelle nutzen sie für Phishing-Angriffe und fast jeder Nutzer findet in seinem Postfach täglich unerwünschten Werbemüll. Stiftung Warentest hat 14 E-Mail-Dienste geprüft und untersucht, wie gut sie funktionieren, wie ernst sie den Datenschutz nehmen und ob sie Bedrohungen und Spam-Nachrichten zuverlässig herausfiltern. Außerdem wollte die Stiftung wissen, worin sich Gratis-Dienste von kostenpflichtigen Angeboten unterscheiden.

Am schlechtesten schnitt Freenet Mailbasic mit der Gesamtnote 4,2 ab, das besonders viele Mängel in den AGB aufweist und auch sonst im Test nur befriedigende Ergebnisse lieferte. Immerhin speichert er wie alle "E-Mail Made in Germany"-zertifizierten Anbieter Daten nur im Inland ab und erlaubt größere Dateianhänge als üblich. AOL Mail, das besonders langsam versendet, bewertete Stiftung Warentest ebenso schlecht.

Gmail bestes Gratisangebot

Der beste kostenlose Dienst ist mit der Gesamtnote 2,3 Gmail. Mit der Zwischennote 1,7 war Googles Angebot Zweitbester bei der technischen Prüfung, die sich unter anderem aus Geschwindigkeit, Anzahl und maximale Größe der Anhänge, Größe des Postfachs und der Leistung der Malware- und Spam-Scanner zusammensetzt. Gmail glänzt auch mit vielen Zusatzangeboten und einer einfachen Handhabung, außerdem erhöht eine optionale Zwei-Wege-Authentifizierung die Sicherheit von Logins. Google scannt allerdings die E-Mails seiner Kunden für zielgerichtete Werbung. Nachrichten sind unterwegs zwar SSL-verschlüsselt, werden aber im Klartext auf Servern auch außerhalb der EU gespeichert, und wie bei anderen US-Anbietern können Behörden ihres Landes die Herausgabe von Kundendaten fordern.

Kaum schlechter als Gmail wurde Yahoo Mail (2,4) getestet. Bei der technischen Prüfung erreichte der Dienst sogar als einziger Kandidat ein "Sehr gut". Schutz vor Schadsoftware bietet Yahoo aber nur im Internetbrowser, nicht aber bei Nutzung eines Mail-Programms. GMX Freemail, Microsoft Outlook, 1&1 Mail, Telekom Freemail und Mail.de Freemail landeten mit Gesamtnoten zwischen 2,6 und 2,9 im befriedigenden Mittelfeld.

Web.de (3,4) bietet gratis den drittschlechtesten E-Mail-Dienst im Testfeld. In der technischen Prüfung waren bis auf Freenet alle besser, außerdem zeigt Web.de deutliche Mängel in den AGB. Das kostenpflichtige Angebot Web.de Club schnitt mit der Gesamtnote 2,5 wesentlich besser ab, holte sich in der technischen Prüfung sogar den Testsieg. Allerdings lässt sich das der Dienst mit 5 Euro pro Monat teuer bezahlen. Rund 2 Euro günstiger ist GMX Promail, allerdings ist der Extra-Nutzen im Vergleich zum Gratis-Angebot gering. "Funktionaler als GMX Freemail, aber nicht sicherer" urteilt Stiftung Warentest.

Testsieger aus Berlin

Deutliche Testsieger wurden die beiden noch relativ unbekannten Berliner Dienste Mailbox.org und Posteo, die ab 1 Euro pro Monat die Daten ihrer Nutzer am besten schützen. Stiftung Warentest gab beiden die Gesamtnote 1,8. Die Postfächer der Dienste sind im Basisangebot 2 Gigabyte groß, bei Mailbox.org können Dateianhänge bis zu 40, bei Posteo bis zu 50 Megabyte groß sein. Anonymes Zahlen per Postversand ist ebenfalls bei beiden Testsiegern möglich.

Nutzer, die großen Wert auf Datensicherheit legen, können bei beiden Anbietern zusätzlich zur SSL-Übertragung die Inhalte von eingehenden E-Mails automatisch verschlüsseln lassen. Sie müssen dafür allerdings selbst zunächst eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung per PGP oder S/MIME einrichten, was besonders für Laien nicht einfach ist. Posteo und Mailbox.org bieten zum Thema Verschlüsselung aber auf ihren vorbildlichen Hilfeseiten verständliche und ausführliche Anleitungen an. Sichere Logins sind bei den Testsiegern über Zwei-Wege-Authentifizierungen möglich, unter anderem auch mit Yubikeys-Sticks.

Im Artikel wurden bereits die berechtigten Einwände von Posteo berücksichtigt.

Quelle: n-tv.de

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