Technik
Arnold Schwarzenegger als "Terminator": Sieht so die Zukunft aus?
Arnold Schwarzenegger als "Terminator": Sieht so die Zukunft aus?(Foto: picture-alliance / dpa)

Gespaltene Gesellschaft?: USA warnen vor Cyborgs

Von Roland Peters

Gliedmaßen, die besser sind als das Original. Augen, die in der Nacht sehen können. Hacker, die solche Verbindungen von Mensch und Maschine ausnutzen. Es sind Szenarien des Jahres 2030, Teil eines offiziellen Berichts der US-Geheimdienste.

Langzeitstrategie, das ist die Aufgabe des "National Intelligence Council" der USA, des Nationalen Geheimdienstrates. Eine Aufgabe des Gremiums ist, Trends für die Zukunft aufzuzeigen, schriftlich im Vierjahresturnus. Im aktuellen Bericht für das Jahr 2030 gehört die Verbindung von Mensch und Maschine dazu. Um es beim kulturellen Namen zu nennen: Es geht um Cyborgs. Die Vision, die Science-Fiction-Autor William Gibson in den 1970er Jahren populär machte, könnte demnach Realität werden.

Die Autoren betonen, dass ihr Bericht zwar keine Prophezeiung ist - wohl aber, dass die Zukunft in Teilen ähnlich aussehen könnte. Sie handeln politische sowie wirtschaftliche Entwicklungen der Welt ab und spielen unterschiedliche Szenarien durch: etwa die Entwaffnung des Iran oder den Crash der Eurozone.

Drei Kategorien

Die Experten unterteilen ihre Vermutungen in drei verschiedene Wahrscheinlichkeitsstufen. "Megatrends" sind solche Entwicklungen, die fast sicher stattfinden werden. Etwa, dass bis 2030 die Selbstbestimmung des Individuums zunimmt und der Einfluss der Supermächte abnimmt. Politischer Einfluss werde sich auf "Netzwerke und Koalitionen" von Staaten verteilen. In Ländern, in denen die Bevölkerung altert, könne das Wirtschaftswachstum leiden. Dazu gehört also potenziell auch Deutschland. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung werden die Verteilungskämpfe um Nahrung, Wasser und Energie zunehmen.

Bilderserie

Nur unter bestimmten Bedingungen dagegen kommt es zu den "Game Changers". Dazu gehören auch Augmentierungen, also künstliche Körperteile und Sinne. Elemente, die Menschen zu Cyborgs machen. Die dritte Kategorie ist die "Alternative Welt", Visionen, die andere, mögliche globale Entwicklungen betrachten.

In Bezug auf Augmentierungen führt der Rat aus Wissenschaftlern, Regierungsvertretern und dem Privatsektor "einen großen Umfang an Technologien" an: Implantate, Prothesen und motorisierte Exoskelette gehören ebenso dazu wie komplett neue Körperteile, die menschliche Fähigkeiten verbessern. Zudem werde mit Implantaten "die Lücke zwischen Gehirn und Maschine" über entsprechende Schnittstellen geschlossen. "Menschen können sich entscheiden, ihren Körper zu verbessern - so wie sie es heute mit Schönheitschirurgie tun", heißt es.

Auch das Militär wird den Geheimdienstlern zufolge von den neuen Möglichkeiten profitieren. Die Armee experimentiere zudem mit Medikamenten, die eine höhere und längere Konzentration ermöglichten. "Übermenschliche Fähigkeiten" wie höhere Laufgeschwindigkeit und Muskelkraft seien wahrscheinlich. Augenimplantate ermöglichten das Sehen in der Nacht, Nervenimplantate verbesserten die Erinnerungs- und Lernfähigkeit, beschleunigten das Denken und die Konzentration. Auch die Sinne sind Teil des Fortschritts: Mechanische Elemente können tasten, riechen und die Information weitergeben.

"Moralische und ethische Fragen"

Zum Abschluss ihrer Ausführungen geben die Experten noch Warnungen aus. Die exorbitanten Kosten für Augmentierungen, die in "15 bis 20 Jahren" verfügbar sind, könnten Gesellschaften spalten, heißt es: in eine Gruppe, die sich die Technik leisten könne – und den Rest. Es müsse in diesem Bereich deshalb staatliche Regulierung geben. Die Gefahr von Hackern sei nicht zu unterschätzen, sie könnten die neuen Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine ausnutzen. Zudem seien "moralische und ethische Fragen zu Augmentierungen unausweichlich", schreiben die Autoren.

Auf kultureller Ebene werden diese Probleme bereits seit Jahrzehnten diskutiert: Autoren wie Isaac Asimov, Stanislaw Lem und Philip K. Dick, und auch das Genre "Cyberpunk" mit seinen Romanen und Videospielserien wie "Deus Ex" sind Anstöße und Ausdrucksformen.

Quelle: n-tv.de

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