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Verblüffend echt: Die Aufzeichnungen von Indiana Jones' Mentor.
Verblüffend echt: Die Aufzeichnungen von Indiana Jones' Mentor.(Foto: tumblr.com / University of Chicago / Screenshot n-tv.de)

Jäger des verlorenen Päckchens: Uni enträtselt Indys Tagebuch

Von Roland Peters

Das Packpapier verdreckt, mit einer Kordel zusammengehalten, der Inhalt adressiert an Henry "Indiana" Jones junior. Staunend hält ein Student an der Universität Chicago die Sendung aus einer anderen Welt in den Händen. Woher kommt das Päckchen?

Vergangene Woche erhielt die Immatrikulationsabteilung der Universität von Chicago ein Päckchen. Empfänger sollte ein gewisser "Henry Walton Jones Junior" sein. Der Student, der die Post der richtigen Fakultät zuordnen sollte, realisierte: Diese Sendung ist nicht für irgendeinen Professor gedacht. Sondern für Mr. "Indiana" Jones, den Archäologen aus Steven Spielbergs Abenteuerfilmen. Ein Scherz? Eine aufwändige Bewerbung auf einen Studienplatz? Oder eine Sendung aus der hollywoodschen Parallelwelt?

Fotos und Karten

Universitätsmitarbeiter und Studenten machten sich auf Spurensuche. Das Päckchen war mit alt aussehenden Briefmarken aus Ägypten versehen, ein Absender fehlte jedoch. Woher kam es also? Enthalten war das Tagebuch von "Abner Ravenwood", dem Mentor von Indiana Jones. Ja exakt, die Aufzeichnungen, die Schauspieler Harrison Ford in "Jäger des verlorenen Schatzes" vor dem 2. Weltkrieg weiterführt, und mit denen er auf die Suche nach der "Bundeslade" geht. Und dabei auf fanatische Nazis trifft, die das gleiche Ziel haben.

Das zugesandte Buch sah verblüffend echt aus, mitsamt Fotos von Indys Ex-Geliebter, Landkarten, handschriftlichen Hinweisen, und einigem weiteren Material. "Wir wissen nicht, wie es zu uns gekommen ist", schrieb die Universität ratlos in ihrem Blog, veröffentlichte einige Fotos und bat um Mithilfe bei der Spurensuche. Eine exotische Bewerbung auf einen Studienplatz hielten die Mitarbeiter für möglich, und riefen die betreffende Person auf, sich zu melden.

Herkunft Guam

Auch Fotos von Indys Geliebter waren dabei.
Auch Fotos von Indys Geliebter waren dabei.(Foto: tumblr.com / University of Chicago / Screenshot n-tv.de)

Die Lösung des Rätsels ist so logisch wie zufällig, "wahrlich ein Abenteuer würdig für Indiana Jones", schreiben die Mitarbeiter wenige Tage später. Noch auf der falschen Spur, hatten die Bearbeiter sogar bei Rechteinhaber Lucasfilm angefragt, ob es sich um eine virale Werbeaktion handele? Nein, hieß es. Auf die richtige Fährte kam das Büro bei Ebay. Im Auktionshaus fanden die Helfer einen Verkäufer, der eben jene Tagebücher des Indiana-Jones-Films als Replikas an Fans verkauft. Zudem war die Beschreibung dem erhaltenen Material sehr ähnlich.

Händler "Ravenbar" bestätigte per E-Mail: Ja, das ist meine Arbeit. Wohnsitz und Herkunft war also Guam, eine Pazifikinsel in Besitz der USA. "Ravenbar" alias Paul fand zudem heraus, dass eines seiner verkauften Bücher auf dem Weg zu einem Kunden in Italien verloren gegangen war. Er stellte einen Nachforschungsauftrag. Der ergab: Das Päckchen war auf seiner Route beschädigt worden, der Inhalt herausgefallen.

Adresse gemäß Drehbuch

Um dem Artikel mehr Flair zu verpassen, sind Pauls Tagebücher mit Paketpapier umhüllt, gehalten von einer Kordel – und mit gefälschten Briefmarken aus Ägypten sowie einem Adressschild versehen. Darauf steht die Anschrift der Universität Chicago, wo Abner Ravenwood laut Film beschäftigt war. Der Postbedienstete in Honolulu, von wo die Sendung ihre neue Route nahm, mag verwundert gewesen sein. Aber er hielt die Briefmarken für echt, da sie augenscheinlich abgestempelt waren.

Er schickte das Päckchen aus Hawaii in Richtung Chicago. Dort nahm es der erstaunte Student der Hochschule in Empfang – denn am Ort des Immatrikulationsbüros waren früher die Abteilungen für Geologie und Geographie beheimatet. Die Suche nach dem Tagebuch von Indiana Jones hatte begonnen.

"Ravenbar" hat das irrgeleitete Exemplar inzwischen gespendet – es kommt ins Universitätsmuseum.

Quelle: n-tv.de

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