Technik
(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 14. November 2016

Abzocke mit gekaperten Konten: Viele Betrüger auf Amazons Marktplatz

Recherchen eines Computermagazins ergeben, dass Betrüger seit Jahren auf Amazons Marktplatz Kunden mit fingierten Angeboten abzocken. Wie machen die Gauner das und wie kann man sich davor schützen?

Der Amazon-Marktplatz ist eine Möglichkeit für Privat- und Geschäftsleute, die Reichweite des Online-Händlers zu nutzen, um gebrauchte oder neue Waren anzubieten. Im Prinzip ist das eine feine Sache, allerdings tummeln sich auf der Plattform offenbar sehr viele Betrüger. Die Computerzeitschrift "c't" berichtet, Gauner würden seit Jahren mehr oder weniger unbehelligt ihr Unwesen auf dem Amazon-Marktplatz treiben.

Die Masche der Betrüger ist nicht besonders raffiniert und erfahrene Online-Shopper dürften kaum darauf hereinfallen.Doch die Gauner finden immer noch genügend arglose Opfer. Sie kaperten "wie am Fließband" Konten von Amazon-Verkäufern, um über sie massenhaft Fake-Angebote zu platzieren, schreibt "c't". An die Zugangsdaten kommen sie unter anderem mit Phishing-Mails, die Links zu angeblichen Monatsabrechnungen, enthalten. Manche Gauner eröffneten für ihre Fischzüge auch eigene Konten.

E-Mail statt Einkaufskorb

Um an das Geld ihrer Opfer zu kommen, müssen sie sie vom üblichen Bezahl-Weg abbringen. Denn Käufe laufen im Marktplatz eigentlich über Amazon als Vermittler ab. Der Anbieter erhält das Geld und die Adresse, an die er die Ware senden muss, nicht aber die Zahlungsdaten. Kunden die das erste Mal dort zugreifen, wissen das aber nicht unbedingt. Und so platzieren die Gauner in der Produktbeschreibung oder anstelle des Verkäufernamens eine E-Mail-Adresse an, an die sich Interessenten wenden sollen.

Gehen diese darauf ein, erhalten sie wenig später eine Bestellbestätigung und eine Zahlungsaufforderung. Für die Überweisung nutzten die Betrüger Bankkonten von Strohmännern, die sie angeheuert haben, so der Bericht. Versucht ein Käufer, über Amazons Einkaufswagen zu bestellen, ist das Produkt nicht vorrätig oder wird nie versendet.

Nie direkt überweisen!

Unter "Hilfe und Kundenservice" warnt Amazon vor solchen Praktiken: "Überweisen Sie nie direkt an einen Marketplace-Verkäufer. Falls Sie von einem Verkäufer aufgefordert werden, einen Betrag an ihn oder einen Dritten zu überweisen, kommen Sie dieser Aufforderung bitte nicht nach, sondern melden Sie den Vorfall unserem Kundenservice." Der Verbraucherzentrale NRW ist das nicht genug. Sie fordert von Amazon, Nutzer an prominenter Stelle zu warnen - beispielsweise wie Banken beim Login.

Konkrete Zahlen, wie viele Marktplatz-Kunden Opfer von Betrügern werden, kann "c't" nicht nennen. Die Polizei unterscheide in ihrer Statistik zu "Warenbetrug mit Tatmittel Internet" nicht nach Plattformen wie Amazon oder Ebay, schreibt das Magazin. Der Online-Händler teilte dem Computermagazin lediglich mit, "eine sichere Einkaufsumgebung" habe "oberste Priorität". Man lösche unverzüglich unzulässige Angebote, von denen man erfahre. Ob oder wie Amazon präventiv nach Fake-Angeboten sucht, sagte man "c't" nicht.

Quelle: n-tv.de

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