Technik

"Wo ist die versteckte Kamera?": Vom WePad veräppelt

In Berlin wird der deutsche "iPad-Killer" WePad offiziell vorgestellt. Wenn es stimmt, was die Macher vorführen, ist es dem Apple-Tablet haushoch überlegen. Wenn es stimmt.

Helmut Hoffer von Ankershoffen präsentiert stolz das erste WePad.
Helmut Hoffer von Ankershoffen präsentiert stolz das erste WePad.(Foto: AP)

Helmut Hoffer von Ankershoffen, Geschäftsführer der neu gegründeten WePad GmbH, kann sogar ein einzelnes Gerät präsentieren. "Frisch aus der Post, ich hoffe der Akku hält durch", sagt er stolz.

Und tatsächlich: Das Ding sieht gut aus und die Macher verkünden, dass es alles hält, was im Vorfeld vollmundig versprochen wurde. Es beherrsche damit auch all das, wovon iPad-Käufer nur träumen können: Es sei multitaskingfähig, habe zwei USB-Anschlüsse, eine Web-Kamera und schlucke SD-Karten. In letzter Minute sei dem WePad von den Entwicklern auch noch eine HDMI-Schnittstelle verpasst worden. Facebook-Fans hätten sich dies gewünscht, sagt von Ankershoffen. "Da haben wir es eben eingebaut." Das treffe auch auf den Full-HD-Grafikchip zu, der im stärkeren von zwei Modellen stecke. Hersteller geheim. Selbstverständlich liefen auf dem WePad Flash- und AIR-Anwendungen - Adobe höchstpersönlich kümmere sich darum.

Das Publikum bei der Vorstellung in einem Berliner Mittelklassehotel staunt. Eine kleine Berliner Firma hat geschafft, was nicht einmal Samsung, HTC, Nokia oder auch Apple selbst hinbekommen haben? "Wo ist die versteckte Kamera?", lautet denn auch die erste Frage.

Intel, Adobe und Siemens im Boot - aber nichts läuft

Von Ankershoffen, der früher mal schlicht Helmut Oertel hieß, lässt sich von dem Einwurf nicht beirren. Intel bestücke den Rechner mit einem1,66 GHz schnellen Atom N450-Prozessor, erklärt er. Siemens IT kümmere sich um den weltweiten Vertrieb. Die potenten Partner würden sinnvoll sein. Denn die Berliner Software-Schmiede Neofonie und das Startup 4tiitoo, aus denen die WePad GmbH hervorging, hätten ohne starke Hilfe so ein Projekt nicht stemmen können.

Programme oder Widgets können sich die Nutzer nach Belieben installieren - was läuft, darf drauf.
Programme oder Widgets können sich die Nutzer nach Belieben installieren - was läuft, darf drauf.

Aber haben sie es gestemmt? Der Prototyp, wenn man überhaupt von einem Prototypen sprechen kann, läuft noch gar nicht. Auf dem Gerät wird lediglich ein Filmchen abgespielt. "Ein digitaler Bilderrahmen, was ist denn das?", raunzt ein sichtlich enttäuschter Technik-Freak im Publikum.

Geld hätten sie von den kooperierenden Unternehmen übrigens nicht bekommen, fügt von Ankershoffen noch hinzu. "Neofonie hat seinen Beitrag ohne Fremdkapital geleistet." Für 4titoo, das extra für die Hardware-Entwicklung des WePad gegründet wurde, kann dies natürlich nicht zutreffen. Woher das Geld für die angeblich drei Jahre lange Entwicklung und die ersten Geräte herkam, wollen aber weder von Ankershoffen noch 4titoo-Chef Tore Meyer ausspucken.

Programmvielfalt

Sollte das Gerät im August tatsächlich an die breite Masse ausgeliefert werden, ist die Finanzierung auch nebensächlich. Interessanter ist da, was das WePad kann oder können soll. Gibt es beispielsweise zum Verkaufsstart genügend Programme? "Da das Betriebssystem Linux ist, können wir ein komplettes Software-Paket anbieten", sagt Meyer. Neben WePad-eigenen Apps könnten sich die Nutzer außerdem auch Android-Apps auf das Gerät spielen.

Insgesamt sollen im August rund 10.000 Programme für das "von einem großen OEM-Hersteller in Fernost" produzierte Gerät verfügbar sein. "Es gibt keine Beschränkungen", sagt Meyer. Warum läuft auf dem WePad eigentlich nicht Android? Vor drei Jahren sei dieses OS noch kein Thema gewesen, sagt Meyer. Außerdem biete Linux noch weit mehr Freiheiten. "Auf dem WePad funktioniert beispielsweise OpenOffice", sagt Meyer, "unter Android meines Wissens nach nicht." In einem Expertenmodus könnten erfahrene Nutzer "ihr" Linux sogar nach eigenen Bedürfnissen anpassen.

Verlage warten noch ab

"Freiheit" sei für die WePad-Macher eine Maxime, die sie deutlich von Apple unterscheide, erklären die Berliner. Jeder soll mit dem WePad machen können, was er will - Nutzer und Programmierer. Das wäre auch für die Verlage attraktiv, die Inhalte für das iPad liefern und das Gerät Abonnenten subventioniert verkaufen sollen. Als erste sind Gruner + Jahr mit dem "Stern"-eMagazin und der Schweizer Ringier Verlag mit seinem Politmagazin "Cicero" dabei. Weitere sollen folgen.

Nicht nur die Barrierefreiheit soll dem WePad zum Erfolg verhelfen. Der Multitouch-Rechner werde auch zu sehr attraktiven Preisen angeboten: Mit 16 GB internem Speicher und WLAN koste es rund 450 Euro, erklärt von Ankershoffen. In der 32-GB-Version mit WLAN, UMTS, GPS und Full-HD-Grafikchip soll es für knapp 570 Euro angeboten werden. Wenn Verlage die Geräte subventionieren, könnten sie sogar noch erheblich günstiger zu haben sein.

Bilderserie

Wie viele Geräte bis zum August produziert werden, will keiner der WePad GmbH sagen. Bisher hätten sich aber bereits 20.000 Interessenten "für die Vorbestellung eintragen lassen". Die Vorbestellung selbst beginne am 27. April. Vielleicht gibt es bis dahin ja ein Gerät, das funktioniert.

Technische Daten des WePad

Display: 11,6" mit 1366 x 768 Pixeln, Farbe, Multi-Touch

Prozessor: 1,66 GHz Intel Atom N450 Pineview-M

Speicher:16 / 32 GB, Erweiterung möglich mit SDHC Karten bis zu 32 GB

Webcam: 1,3 Megapixel

Peripherie: 2 x USB, Cardreader, Audioausgang, Standard SIM Card Slot, HDMI

Applikationen: WePad Meta-Store integriert verschiedene Stores, Support für

native, Java, Linux, Adobe AIR® und Android Apps

Batterielaufzeit: etwa sechs Stunden

Quelle: n-tv.de

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