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Barbie hört mit - aber behält sie Geheimnisse auch für sich?
Barbie hört mit - aber behält sie Geheimnisse auch für sich?(Foto: Mattel)

Gruselige Abhör-Puppe: WLAN-Barbie hört im Kinderzimmer mit

Eine sprechende Barbie-Puppe versetzt Eltern und Datenschützer in Aufregung. "Hello Barbie" ist per WLAN mit dem Internet verbunden, zeichnet Gespräche auf und gibt passende Antworten. Die Sorge: Werbetreibende könnten diese Funktionen missbrauchen.

Spielzeughersteller Mattel gerät in die Kritik, weil seine Puppe "Hello Barbie" die Gespräche von Kindern belauscht. Sie ist mit Mikrofon, Lautsprecher und WLAN-Verbindung ausgestattet. Hello Barbie hört mit, wenn im Kinderzimmer gesprochen wird, stellt je nach Kontext die passenden Fragen und gibt die richtigen Antworten. Laut Mattel sollen Kinder dadurch eine persönliche Beziehung zur Hello Barbie aufbauen. Kritiker befürchten, dass die Puppe für Marketingzwecke missbraucht werden könnte.

Das Spielzeug funktioniert wie folgt: Es zeichnet die Stimme seines Besitzers sowie Gespräche in der Umgebung auf und übermittelt die Daten an einen Server im Internet. Hier wertet die Spracherkennungs-Software des Mattel-Partners Toytalk die Daten aus. Je länger Hello Barbie ihrem Besitzer zuhört, desto besser lernt sie ihn kennen und merkt sich zum Beispiel Details wie den Namen des Hundes, schreibt die "Washington Post". Sie sendet passende Antworten zurück und gibt sie über den integrierten Lautsprecher aus. Gestartet wird die Spracherkennung per Knopfdruck.

Spion im Kinderzimmer

Bedenken gegen Hello Barbie äußert unter anderem die Organisation "Campaign for a Commercial-free Childhood" (CCFC), die sich laut Eigenaussage gegen die kommerzielle Ausnutzung von Kindern einsetzt. Die WLAN-Barbie sei eine gruselige "Abhör-Puppe", die das kreative, freie Spielen gefährde, das wichtig für die Entwicklung eines Kindes sei, heißt es in einer Stellungnahme. Stattdessen würden die Beziehung und das Spiel durch die Software gelenkt - und damit durch den Konzern Mattel. "Die Kinder reden nicht einfach mit einer Puppe, sondern mit einem Spielzeug-Großkonzern mit reinem kommerziellem Interesse", erklärt Susan Linn von der CCFC. 

Auch Angela Campbell, Juraprofessorin an der Georgetown University und Expertin für Verbraucherschutz, Datenschutz und Medienrecht, ist besorgt, dass die WLAN-Barbie zu neugierig sein könnte und die vertrauten Gespräche kleiner Kinder mit ihrer Puppe aufzeichnen und analysieren könnte. "In der Mattel-Demo stellt Barbie viele Fragen und entlockt den Kindern viele Angaben zu sich selbst, ihren Interessen und ihrer Familie. Diese Informationen könnten sehr wertvoll für Werbetreibende sein", zitiert die CCFC die Expertin.

Eltern können Mitschnitte abrufen

In den Datenschutzrichtlinien von Toytalk heißt es dazu, dass für die Sammlung solcher Daten von Kindern unter 13 Jahren zuerst eine Einverständniserklärung der Eltern notwendig sei. Weiter erklärt Toytalk, Audio-Aufnahmen würden gespeichert, ausgewertet und transkribiert, um unter anderem die Spracherkennungs-Technologie und Algorithmen für künstliche Intelligenz zu verbessern. Außerdem würden die Aufnahmen für weitere Forschungs-, Entwicklungs- und Analysezwecke genutzt.

Sollten Kinder persönliche Informationen preisgeben, würden diese von Toytalk nicht genutzt, um mit den Kindern in Kontakt zu treten, oder für andere Zwecke verwertet, so Mattel. Gegenüber der "Washington Post" betonte Toytalk-Chef Oren Jacob, dass die gesammelten Daten nicht für Werbung oder ähnliche Zwecke verwendet würden. Eltern könnten jedoch, sagt Jacobs, über tägliche oder wöchentliche E-Mails Zugriff auf die Audio-Dateien bekommen, in denen die Unterhaltungen ihrer Kinder mit der Puppe aufgezeichnet sind.

Hello Barbie wurde im Februar auf der Spielzeugmesse Toy Fair 2015 in New York vorgestellt und soll im Herbst für rund 75 US-Dollar in den Verkauf gehen. Wenn es nach der CCFC geht, wird es so weit aber nicht kommen, die Organisation fordert in einer Petition den Produktionsstopp der WLAN-Barbie.

Quelle: n-tv.de

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