Technik
Die Städte - hier Pittsburgh - werden überwuchert.
Die Städte - hier Pittsburgh - werden überwuchert.(Foto: Naughty Dog / Sony)
Donnerstag, 13. Juni 2013

Bildschöner Überlebenskampf in "The Last of Us": Was die Menschheit ausrotten könnte

Von Roland Peters, Los Angeles

Ein Pilz befällt die Menschheit - und rottet sie fast aus. Die Städte sind nahezu entvölkert, Überlebende morden wie Tollwütige. Joel hat einen Auftrag: Hole Ellie aus einer Quarantänezone bei Boston. Doch die Routine wird für den Waffenhändler, das Mädchen und den Spieler zum lebensgefährlichen Kampf gegen den Rest der Welt.

"So etwas habe ich noch nie gesehen", sagt Ellie. Sie steht auf einer Wiese und guckt in die sich wiegenden Baumwipfel. Ellie ist 14 Jahre alt, geboren im Jahr 2019. Den Schwarzen Tod im 16. Jahrhundert, die Grippewelle zum Ausgang des Ersten Weltkrieges und Aids - all das hat die Menschheit überlebt. Doch 2013 rafft ein Pilz mindestens 90 Prozent der Weltbevölkerung dahin. Die Parasiten-Pandemie hat Städte wie Boston fast leergefegt. Ellie ist in einer Quarantänezone in der Nähe aufgewachsen.

Joel ist Waffenhändler; Schmuggler, würden andere sagen. Er hat einen Auftrag: Hole Ellie aus der Zone, wo Menschen für Kleinigkeiten, für Bagatelldelikte einfach erschossen werden. Je weniger Leben vorhanden, desto wichtiger die Regeln für dessen Bewahrung. Bringe das Mädchen zu den Fireflies, einer Gruppe anderer Überlebender. Mehr weiß er nicht.

Die Infrastruktur ist im Jahr 2033 schon lange zusammengebrochen. Die Natur erobert sich ihr Land immer mehr zurück. Die Straßen, die Städte, alles ist durchzogen von grellem Grün, von Wurzeln, Ästen, Pflanzen aller Art. Das Wasser bahnt sich seine Wege, manche Straßenzüge sind jetzt Seen. "The Last of Us" ist das letzte grafische Feuerwerk der Playstation 3.

Schnelles Sterben in schöner Umgebung

Joel und Ellie, Vaterfigur und Heranwachsende.
Joel und Ellie, Vaterfigur und Heranwachsende.(Foto: Naughty Dog / Sony)

Der Spieler blickt dem 40-jährigen Joel über die Schulter und sieht ein Mädchen, das über einen Wald staunt. Sie ist das erste Mal außerhalb der Quarantäne. "Das Spiel ist über Joel und Ellie gemeinsam", unterstreichen die Entwickler. Was in "The Last of Us" funktioniert, ist der Wechsel zwischen Spannung und ruhigen Spielpassagen. Wenn die menschlichen Gegner, befallen vom Pilz, mit deformierten Köpfen, das ungleiche Paar angreifen, töten wollen. Joel und Ellie sterben schnell. Die Sequenzen mit Feuergefechten, Nahkampfgerangel und Schleichpassagen passen sich hervorragend in die Atmosphäre eines postapokalyptischen Szenarios ein.

"Die Umgebung ist elementar für die Erzählung im Spiel", sagt Richard Cambier vom Entwickler Naughty Dog im Gespräch mit n-tv.de. Sie reflektiere auch die Erfahrungen der Spieler, "das Wetter, das Licht, die Musik". Dafür brauchte das Studio dreieinhalb Jahre. Einen Namen haben sich die US-Amerikaner mit der "Uncharted"-Serie gemacht: Geschichten wie Abenteuerfilme, aber mit spielerischem Anspruch. Nun also der Überlebenskampf des Schmugglers und der 14-jährigen Waisen: "Survival Action" nennen die Macher das Genre ihres Werkes. Des letzten großen Exklusivtitels für die Sony-Konsole.

Der Spieler muss Entscheidungen treffen, die Leben oder Tod bedeuten. Manchmal unter Druck, manchmal aber auch in der Ruhe, die eine kaum bevölkerte Welt bietet. Nicht alle Infizierten sind gleich - der Pilz wächst zunächst am Kopf, bedeckt ihn nach und nach mehr. Die Entwickler spielen mit der Angst vor Verletzungen im Gesicht. Irgendwann können die Befallenen nichts mehr sehen. Sie reagieren nur noch auf Geräusche.

Zivilisation am Ende ihrer Kraft

Ein Fehler kann tödlich sein.
Ein Fehler kann tödlich sein.(Foto: Naughty Dog / Sony)

Joel muss innehalten, die nächsten Schritte planen - und sich selbst helfen, indem er nützliche Dinge baut. Vom Messer bis zum Molotow-Cocktail. Außerdem macht Naughty Dog einen interessanten Schritt, um die Spannung zu erhöhen: die Rückkehr des Gesundheitszustandes. Joel muss also Verbandszeug suchen und finden. Andernfalls werden er oder Ellie durch die Summe ihrer jeweiligen Verletzungen irgendwann sterben. Naughty Dog nennt sein Spiel eine vom "Charakter getriebene Erzählung". Inspiriert wurden die Macher auch von Cormac McCarthys Roman "The Road"; karge, aussagekräftige Sprache in einem nahezu toten Amerika. Und mit einer ähnlichen Figurenkonstellation aus Alt und Jung.

"Wir waren von dieser Stimmung angespornt", sagt Cambier. Beeindruckend war das Gefühl, dass die Zivilisation am Ende ihrer Kraft ist. "Der Vater, der alles durchsucht, aber nichts findet. Nichts!" Der Spieler muss ständig Ausschau halten nach Gegenständen, Zubehör, Waffen und Munition. Kugeln sind rar. Naughty Dog will die Verzweiflung vermitteln, "wenn man durch eine Kleinstadt geht und als erste Reaktion immer schießt, weil alles andere zu risikoreich ist". Ellie ist auch Joel gegenüber misstrauisch, ihm aber mit der Zeit immer vertrauter. Er gibt ihr Orientierung in einer Welt, die plötzlich über ihn kam. Und so ziehen die beiden von der Ost- zur Westküste, bekämpft von anderen Überlebenden, die in ihnen Konkurrenz um schwindende Ressourcen sehen, und von Befallenen.

Die "Frontier", der Kampf des Menschen im Grenzland gegen unwirtliche, lebensfeindliche Natur auf dem Weg nach Westen, ist einer der Gründungsmythen der Vereinigten Staaten. McCarthy verließ sich in seiner "dunklen, aber sprachlich wunderschönen Welt", wie Cambier sagt, auf das kulturelle Verständnis für dieses Prinzip. Naughty Dog machen es mit "The Last of Us" ebenso - aber tauchen das Land in Farben, Licht und Klänge. "The Last of Us" ist eine Reise, nicht nur für Joel und Ellie, sondern auch für den Spieler.

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Quelle: n-tv.de

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