Technik
Smartphones wie das LG G4 haben superscharfe LCD-Bildschirme.
Smartphones wie das LG G4 haben superscharfe LCD-Bildschirme.(Foto: jwa)
Donnerstag, 04. Juni 2015

AMOLED, LCD, IPS und Retina: Was unterscheidet die Displaytechnologien?

Von Johannes Wallat

Manche Smartphones haben LCDs, andere kommen mit AMOLED-Bildschirmen, Apple setzt auf Retina-Displays. Doch was verbirgt sich hinter diesen Bezeichnungen? Und ist eine Technologie besser als die andere?

Es gibt weltweit viele hunderte Smartphone-Modelle, die alle unterschiedlich aussehen, unterschiedlich groß sind und unterschiedliche Displays haben. Doch bei aller Vielfalt gibt es nur zwei weit verbreitete Displaytechnologien: LCD und AMOLED. Die meisten Smartphones, die es in Deutschland zu kaufen gibt, haben LCD-Bildschirme, bekanntester Hersteller von Geräten mit AMOLED-Display ist Samsung.

AMOLED-Displays gehören zur Klasse der OLED-Bildschirme. "AMOLED" steht für "active matrix organic light emitting diode". Solche Displays bestehen aus vielen kleinen selbstleuchtenden Dioden, die von winzigen Transistoren einzeln angesteuert werden können, um eine Farbe darzustellen. Jedes Pixel setzt sich aus roten, grünen und blauen Subpixeln (RGB) zusammen, die gemeinsam eine Farbe ergeben, je nachdem wie hell sie leuchten. Ein etwas anderes Schema ist die sogenannte Pentile-Matrix, die Samsung in manchen Smartphones einsetzt. Hier sind die Subpixel nach dem Schema Rot-Grün-Blau-Grün angeordnet (RGBG). Pentile-Displays gelten bei vergleichbarer Pixeldichte als weniger scharf als vergleichbare LCDs. Bei Smartphones mit "Super AMOLED"-Display (ein Marketing-Begriff von Samsung) kommt die RGB-Matrix zum Einsatz. Diese Bildschirme sind zudem flacher, verbrauchen weniger Energie und sind in direktem Sonnenlicht besser ablesbar.

Ein LCD in Nahaufnahme - in der Mitte fehlt ein grünes Subpixel.
Ein LCD in Nahaufnahme - in der Mitte fehlt ein grünes Subpixel.(Foto: Wikipedia/Selçuk Oral (drumex))

"LCD" steht für "liquid crystal display". Die einzelnen Bildpunkte bestehen bei diesen Displays aus Flüssigkristallen, die nicht selbst leuchten, sondern von hinten angestrahlt werden. Die Hintergrundbeleuchtung scheint durch die einzelnen Pixel hindurch und bringt das Display zum Leuchten. Einzelne Bereiche können nicht gezielt angesteuert werden, der ganze Bildschirm ist entweder komplett beleuchtet oder ausgeschaltet. Die einzelnen Pixel setzen sich auch bei LC-Bildschirmen in der Regel aus drei Subpixeln in den Grundfarben Rot, Grün und Blau (RGB) zusammen. Manche LCDs haben noch ein viertes weißes Subpixel (RGBW), wodurch das Display heller strahlen kann. Flüssigkristallanzeigen werden in vielen elektronischen Geräten verwendet, neben Smartphones auch in Fernsehern, Kameras oder Digitaluhren.   

Was ist besser, AMOLED oder LCD? 

Warum aber gibt es überhaupt zwei Technologien, die parallel existieren? Warum hat sich nicht ein Standard durchgesetzt? Der Grund dafür ist unter anderem, dass keine Technologie die andere ausstechen kann und bedeutend besser ist. Beide haben ihre Vor- und Nachteile.    

Die Pentile-Matrix eines AMOLED-Displays beim Nexus One in Nahaufnahme.
Die Pentile-Matrix eines AMOLED-Displays beim Nexus One in Nahaufnahme.(Foto: Wikipedia/Matthew Rollings)

AMOLED-Displays brauchen keine Hintergrundbeleuchtung, sie haben dadurch hohe Kontraste, tiefe Schwarzwerte und satte Farben. Die Blickwinkelstabilität ist meist sehr gut, außerdem können sie sehr flach gebaut werden und wirken dadurch oft sehr plastisch. Sie sind energieeffizienter und reaktionsschneller als LCDs, flexible und gebogene Bildschirme wie beim LG G Flex 2 sind nur mit OLED-Displays möglich. AMOLED-Displays sind in der Regel jedoch weniger hell, teurer in der Produktion und nicht so lange haltbar wie LCDs - mit zunehmendem Alter verlieren sie an Helligkeit. Im direkten Sichtvergleich mit LCDs haben viele AMOLEDs von vornherein einen leichten Grünstich.

Ihren Vorteil im Energieverbrauch spielen sie vor allem bei dunklen Anzeigen mit viel Schwarz aus, da hier nicht alle Pixel angesprochen werden müssen und die schwarzen Bereiche inaktiv bleiben. LCDs verbrauchen dagegen ungeachtet der angezeigten Farben immer gleich viel Energie. Sie erreichen meist eine höhere maximale Helligkeit, sind also für den Einsatz unter freiem Himmel und in direktem Sonnenlicht besser geeignet. Zudem sind sie bekannt für ihre natürlichere Farbdarstellung, was vor allem bei weißen und hellgrauen Bildbereichen auffällt.

IPS und Retina

Bei Geräten mit LCD-Bildschirmen findet sich oft der Zusatz "IPS". Das steht für "in-plane switching" und kennzeichnet LCDs, bei denen die Blickwinkelstabilität besonders gut ist, sich also auch bei schrägen Betrachtungswinkeln Farben, Helligkeit und Kontrast nicht oder kaum verändern. Die meisten modernen Smartphones haben IPS-Displays.

Auch Apple setzt in seinen Smartphones auf die LCD-Technologie. Die Bildschirme von iPhone und iPad sind IPS-LCDs, genau wie bei vielen Android-Smartphones. Apple bevorzugt für seine Displays meist die Bezeichnung "Retina". Die hat aber nichts mit der Displaytechnologie zu tun, sondern mit der Schärfe der Anzeige. Dahinter steckt die Idee, dass die Pixeldichte eines Displays so hoch sein soll, dass das menschliche Auge aus einem normalen Betrachtungsabstand keine einzelnen Bildpunkte mehr erkennen kann (Retina = Netzhaut).

Einen festen Schwellenwert gibt es dafür nicht, doch mit Ausnahme des iPhone 6 Plus haben alle iPhones mit Retina-Display eine Pixeldichte von 326 ppi ("pixels per inch", Pixel pro Zoll). Das iPhone 6 Plus bringt es auf 401 ppi. Aktuelle Android-Smartphones erreichen teils deutlich höhere Werte, das Samsung Galaxy S6 sogar 577 ppi.

Welcher Displaytyp der bessere ist, lässt sich nicht pauschal sagen, es hängt von den jeweiligen Vorlieben des Nutzers ab. Ist man viel draußen unterwegs und braucht ein besonders helles Display oder legt Wert auf akkurate Farbdarstellung, liegt ein Smartphone mit LCD näher. Wer satte Farben und starke Kontraste mag, greift eher zum AMOLED. Inzwischen sind beide Technologien aber so weit entwickelt, dass die Unterschiede zwar messbar, im Alltagseinsatz aber kaum noch spürbar sind - alle aktuellen Smartphone-Flaggschiffe haben ausgezeichnete Displays. Deshalb kommt es vor allem auf den persönlichen Eindruck an: Wer vor dem Kauf eines Smartphones selbst vergleicht, welcher Displaytyp ansprechender ist, kann nicht viel falsch machen.

Quelle: n-tv.de

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