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Das Samsung Galaxy S6 und das S6 Edge.
Das Samsung Galaxy S6 und das S6 Edge.

Samsungs Designwende im Test: Galaxy S6 unschlagbar gut?

Von Klaus Wedekind

Das Galaxy S6 sieht in seinem edlen Kleid aus Glas und Metall toll aus, keine Frage. Ob es die Konkurrenz auch technisch alt aussehen lässt oder Samsung die Funktionalität zu sehr dem Design unterordnet, hat n-tv.de getestet.

Die Galaxy-S-Geräte der vergangenen Jahre waren technisch durchweg herausragend, als besonders hochwertig wurden sie aber wegen des konsequenten Einsatzes von Plastik nicht immer wahrgenommen. Mit der Alpha-Serie läutete Samsung eine Designwende ein, die in der neuen S-Klasse ihre Vollendung gefunden hat: Galaxy S6 und Galaxy S6 Edge haben Gehäuse, die fast vollständig aus Metall und Glas bestehen. Geopfert hat Samsung dafür den wechselbaren Akku und den microSD-Karten-Einschub, außerdem sind die Geräte im Gegensatz zum Plastik-Vorgänger nicht wasserfest. War's das wert? Ob das Galaxy S6 und das S6 Edge nur kostbare Schmuckstücke oder auch technische Leckerbissen sind, hat n-tv.de getestet.

Die Displays der Geräte sind hervorragend.
Die Displays der Geräte sind hervorragend.(Foto: kwe)

Grundsätzlich sind beide neuen Samsung-Flaggschiffe baugleich. Das S6 Edge hat allerdings ein Display mit nach unten gebogenen Seiten, was nicht nur raffiniert aussieht, sondern auch ein paar Extra-Funktionen bietet. Außerdem hat der Akku des Edge eine leicht höhere Kapazität und das Gerät ist 6 Gramm leichter. Optisch ist das Edge überlegen, der gewölbte Bildschirm sieht fantastisch aus und der Metallrahmen hat an den Seiten einen eleganten Schwung. Haptisch dagegen ist das "normale" S6 im Vorteil, die breitere Aluminium-Einfassung liegt weicher in der Hand. Der dünnere Rahmen des Edge und die schmaleren Tasten fühlen sich etwas scharfkantig an.

Kratzfeste Rückseite, super Display

Einen optischen Glanzpunkt setzen auch die Rückseiten aus Gorilla Glass 4, vor allem dann, wenn sie in Blau oder Grün schillern. Ob man ihre glatte Oberfläche gebürstetem Aluminium vorzieht, ist Geschmackssache, die Befürchtung, sie könnte zu empfindlich sein, wohl unbegründet. Cornings neuestes Mineralglas ist enorm kratzfest, Schlüssel oder Münzen in der Hosentasche können ihm nicht gefährlich werden. Auch Stürze dürfte es weitgehend unbeschadet überstehen, so unverwüstlich wie Plastik ist aber auch Gorilla Glass 4 nicht.

Die Rückseite des Galaxy S6 ist nicht so empfindlich wie sie aussieht.
Die Rückseite des Galaxy S6 ist nicht so empfindlich wie sie aussieht.(Foto: kwe)

Gebogen oder nicht, das 5,1 Zoll große Display des Galaxy S6 ist großartig. Das liegt nicht alleine an der extrem hohen Pixeldichte von 577 ppi, die für die meisten Anwendungen nicht unbedingt nötig wäre. Es leuchtet sehr hell, bietet äußerst knackige Kontraste und wundervoll natürliche Farben. Auch von der Seite betrachtet ändert sich daran wenig, lediglich ein für AMOLEDs typischer leichter Grünstich ist dann zu erkennen.

Akku kein Schwächling

Eine sehr hohe Auflösung belastet den Akku, der mit 2550 beziehungsweise 2600 Milliamperestunden beim Galaxy S6 nicht allzu üppig ausgefallen ist. Doch man muss auf ein helles Display nicht verzichten. Im Test blieb der Regler auf höchster Stufe, die Automatik dimmte die Helligkeit nicht übermäßig und ließ den Bildschirm auch im Sonnenlicht strahlen. Trotzdem hielt die Batterie auch bei intensiverem Gebrauch mindestens 15 Stunden durch, wobei das Display rund drei Stunden aktiv war. Im Schnitt lag die Laufzeit bei rund 18 Stunden.

Auch die App von n-tv bietet ein Widget für den Seitenbildschirm des S6 Edge.
Auch die App von n-tv bietet ein Widget für den Seitenbildschirm des S6 Edge.(Foto: kwe)

Einer der beiden Energiesparmodi ist auch deshalb kaum nötig, da das Galaxy S6 rasend schnell geladen ist. Rund 80 Minuten benötigt es für eine Komplettladung, im Notfall genügt ein Viertelstündchen am Netzgerät oder auf einer kabellosen Ladestation, um ein paar Stunden Laufzeit zu gewinnen. So lange der Akku fit ist, gibt es also keinen Grund, eine Tausch-Batterie zu vermissen. Ist der Akku hinüber, muss er allerdings von einer Fachwerkstatt getauscht werden.

Zur guten Laufzeit trägt sicher auch Samsungs Acht-Kern-Prozessor Exynos 7420 bei, der offenbar perfekt abgestimmt ist. Wenn benötigt, kann er jede Menge Leistung liefern und zeigt daher in den meisten Benchmarks der Konkurrenz die Hacken. Kaum überraschend, dass sich das S6 im Alltag nicht die kleinste Verzögerung oder gar Ruckler leistet. Für die exzellenten Schreib- und Lesewerte ist Samsungs ultraschneller neuer USF-2.0-Speicher zuständig, der zumindest bei Geräten ab 64 Gigabyte einen microSD-Karten-Slot kaum vermissen lässt.

Kameras hinten und vorne top

Auch bei schwächerem Licht liefert die S6-Kamera noch sehr detailreiche, rauscharme Bilder.
Auch bei schwächerem Licht liefert die S6-Kamera noch sehr detailreiche, rauscharme Bilder.(Foto: kwe)

Ein wichtiges Verkaufsargument bei Top-Smartphones ist die Kamera. Und auch bei dieser Komponente zeigt das Galaxy S6 keine Schwäche. Die 16-Megapixel-Kamera auf der Rückseite ist extrem zackig und macht auch bei schlechten Lichtbedingungen prima Fotos, die volle Auflösung wird im 16:9-Format erreicht. Im Tageslicht glänzen die Bilder durch viele Details, tolle Kontraste und knackige, aber nicht übertriebene Farben. Der Chip ist so schnell, dass wie beim iPhone 6 HDR immer aktiv sein kann, eine Verzögerung ist dadurch nicht wahrnehmbar.

Auch bei Videos macht die Kamera eine exzellente Figur. Bewegungen gleicht der optische Bildstabilisator sehr gut aus, verfolgte Objekte bleiben immer scharf, wechselnde Lichtbedingungen sind kein Problem. Und auch die Software ist allererste Sahne. Die Automatik macht meistens eine einwandfreie Arbeit, für besondere Situationen und Aufnahmen stehen praktische und sinnvolle Modi zur Verfügung, wer möchte kann auch fast alle Werte manuell einstellen. Außerdem hat Samsung dem S6 eine 5-Megapixel-Frontkamera eingebaut, die mit Blende f/1.9 ebenso lichtstark wie die Rückkamera ist und bei Selfies und Videochats hervorragende Bilder liefert.

Die wichtigsten Spezifikationen
  • Prozessor: Exynos 7420, 8 Kerne, 4 x 2,1 GHz, 4 x 1,5 GHz
  • Arbeitsspeicher (RAM): 3 GB
  • Interner Speicher: 32, 64 oder 128 GB
  • Display: 5,1 Zoll, S-AMOLED, 2560 x 1440 Pixel, 577 ppi
  • Kameras: hinten 16 Megapixel, vorne 5 Megapixel
  • Akku: 2550/2600 mAh (Edge), Schnell-Ladefunktion, kabellos
  • LTE, WLAN ac, NFC, Bluetooth 4.1
  • Sensoren: Bewegung, Näherung, Lage, Umgebungslicht, Kompass, Luftdruck, Fingerabdruck, Puls
  • Betriebssystem: Android 5.0.2
  • Maße S6: 143,4 x 70,5 x 6,8 Millimeter
  • Maße S6 Edge: 142,1 x 70,1 x 7,0 Millimeter
  • Gewicht: 138/132 Gramm (Edge)

Neben den iPhones und dem Huawei Mate 7 hat jetzt auch das Galaxy S6 einen richtig guten Fingerabdrucksensor. Während der Nutzer beim Vorgänger noch mit dem Finger über den Home-Button streichen musste, genügt jetzt eine einzelne Berührung. Die Trefferquote ist erstklassig, auch bei feuchten oder eingecremten Händen erkennt der Sensor fast immer den Fingerabdruck.

Apps nehmen Platz weg

Was seine Benutzeroberfläche betrifft, hat Samsung nur teilweise Wort gehalten. Touchwiz hat nie besser ausgesehen, die Software ist schlichter als seine Vorgänger und passt mit seiner Einfachheit prima zum eleganten Design des Smartphones. Bis auf wirklich praktische Funktionen hat Samsung viele unnötige Features über Bord geworfen, der neue Smart Manager mit Schnellzugriff auf Akku, Speicher und Sicherheit ist ein gelungenes Tool.

Ärgerlich ist aber, dass nur wenige vorinstallierte Apps deinstalliert werden können, viele Anwendungen lassen sich lediglich deaktivieren und nehmen somit unnötig Speicherplatz weg.  Dazu gehören neben zahlreichen kleinen Nervlingen Monster wie Facebook (147 MB) oder der Hancom Office Viewer (105 MB). Insgesamt kommen so einige Hundert Megabyte zusammen, die besonders Käufer der 32-Gigabyte-Modelle vielleicht sinnvoller verwenden könnten.

n-tv-Schlagzeilen auf der Seite

Klasse ist beim Edge die Möglichkeit, bei inaktivem Display Info-Widgets auf einer der beiden Seiten anzeigen zu lassen. Dazu gehören neben den Twitter-Trends oder Feed-Readern auch die Schlagzeilen und Börsenkurse von n-tv.de. Ebenfalls sehr praktisch: Nutzer können unter ihren Kontakten fünf Favoriten bestimmen, die von der Seite ins Display gezogen werden können. Dabei hat jeder Kontakt eine eigene Farbe, in der die Seite pulsierend aufleuchtet, wenn das Gerät mit dem Bildschirm nach unten auf dem Tisch liegt. Wurde der Anruf verpasst, kann man über die Seite direkt antworten. Bei beiden Modellen ist es möglich, eingehende Anrufe abzulehnen, indem der Finger auf den Pulsmesser unterhalb des Fotolichts gelegt wird.

Unterm Strich ist das Samsung Galaxy S6 ein hervorragendes Smartphone, das nicht nur klasse aussieht, sondern auch technisch Maßstäbe setzt. Wer auf einen Wechsel-Akku und microSD-Karten verzichten kann, findet derzeit vermutlich kein besseres Smartphone. Für mindestens 699 Euro ist das Gerät aber kein günstiges Vergnügen. Ob die Edge-Variante noch mal 150 Euro mehr wert ist, muss jeder Käufer selbst entscheiden. Das Gerät mit gebogenem Bildschirm ist zwar außergewöhnlich und sieht fantastisch aus. Viele Zusatzfunktionen hat es allerdings nicht zu bieten.

 

Quelle: n-tv.de

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